Professionell inszeniert bis ins Detail

Die Familie Addams lebt zurzeit in Rikon (Foto: zVg)

«Zäunt eure Rosen ein, bringt die Katze in Sicherheit» – die «gfürchige» Familie Addams hat in Rikon ein Haus geerbt und
die skurrilen Familienmitglieder bringen das Leben im beschaulichen Dorf ein bisschen durcheinander.

Unter der bewährten Leitung von Theaterregisseur Pascal Mettler ist es dem Lehrer-Team der Sekundarschule Zell wiederum gelungen, ein abwechslungsreiches Musical auf die Beine zu stellen. Die witzige Umsetzung hat die SchülerInnen zu kreativen Höchstleistungen verführt. «Das lässige Gesamtwerk motiviert die Jugendlichen, konzentriert bei der Arbeit zu sein. Obwohl einige von ihnen zurzeit ein bisschen in der Pubertät stecken…», lobt Pascal Mettler das Engagement seiner Zöglinge. Die Inszenierung bot den 163 SchülerInnen eine breite Palette an Mitwirkungsmöglichkeiten. Ob Bühnenbild gestalten, im Filmteam mitwirken, nähen, Skulpturen machen, backen und Drinks kreieren, schminken oder Kulissenbau.

Projektbeginn schon Ende 2017

Bereits im Dezember 2017 fand eine Projektwoche statt. Während damals noch einige grundsätzliche Dinge erarbeitet wurden, ist in der Projektwoche im Juni 2018 der Feinschliff dran. Noch im Dezember haben die Jugendlichen verschiedene Homepage- Anbieter evaluiert, jetzt sind auf ihrer Website bereits die wichtigsten Infos einfach zu finden. Vorgängig wurde schon ein Malwettbewerb für das Logo des Musicals durchgeführt. Dabei wurde auf Wiedererkennung, Schriftart und Lesbarkeit geachtet. In Abstimmungen wählten die Jugendlichen ihren Favoriten. Der wurde dann digitalisiert und für alle Dekorationen, Flyer und die Homepage verwendet.

Das Filmteam drehte stundenweise Videos in und um Rikon, interviewte Passanten und machte Umfragen. Das gesammelte Material muss nun fertig geschnitten werden, passend auf die Vorführung abgestimmt, um mit Einblendungen das Musical zu bereichern. Für die Ahnengalerie liessen sich die Lehrpersonen einspannen, in stundenlanger Geduld wurden sie geschminkt, eingekleidet und fotografiert. Die von den Jugendlichen selbst gebauten Rahmen setzen die kaum wieder zu erkennenden LehrerInnen in ein überraschendes Licht.

Die Interviews mit den Hauptdarstellern fördern Erstaunliches zutage und lassen offen, ob die Antworten vom Mensch oder Schauspieler gegeben wurden. Auf die Frage «Wieso möchtest du im Musical als Hauptdarsteller spielen» kommt lapidar: «Die anderen Bereiche haben mir keinen Spass gemacht», «weil ich gerne Chef spiele», oder: «Weil meine Mutter mich gezwungen hat». Aber egal wieso die Schauspieler angefangen haben, alle finden es mega-lässig, spannend und haben viel Spass.

Viel Koordination – an was alles gedacht werden musste

In allen Räumen sind die SchülerInnen bunt gemischt von der ersten bis zur dritten Sekundarschule beisammen, arbeiten fleissig an ihren Aufgaben und haben schon im Vorfeld viel erlebt. So waren die NäherInnen unterwegs in Brockenhäusern und Flohmärkten um passende Sachen zu finden. Doch der grosse Aufwand war dann doch bei der Anprobe, beim exakten Ausmessen und Abstecken. Die vorwiegend «Erwachsenen»-Kleider wie Frack oder Abendkleid mussten an die jugendlichen DarstellerInnen angepasst werden. Auch wurde mit dem Bühnenbau abgestimmt, welche Kleidung vor welchem Hintergrund besser zur Geltung kommt. Die Tanzgruppe muss auch mehrfach dem Auftritt entsprechend eingekleidet werden und die Kleider natürlich superschnell und praktisch zum Wechseln sein. Eine Herausforderung waren ebenfalls die Doppelbesetzungen der Hauptdarsteller, da ja beide die gleichen Kleider haben müssen und teilweise halt so gar nicht die gleiche Statur haben. Kreative Ideen sind gefragt und prompt haben die NäherInnen bei der Hose zum Beispiel einen Dreieck-Spickel eingenäht, der je nachdem enger oder weiter geknöpft werden kann.

Die Bühnenbau-Gruppe war sogar im Theater Winterthur hinter der Bühne, um mal den Profis auf die Finger schauen zu können. Zudem wurden Bühnenelemente zur Verfügung gestellt. Als Ergänzung dazu arbeiten die Kulissenbauer. Diese müssen teilweise riesige Hintergrund-Wände herstellen, die jedoch so leicht sein müssen, dass die Jugendliche diese auch verschieben können. Auf Details wird geachtet, je nach Beleuchtung wirken die Wände anders, dies kann nur live auf der Bühne ausprobiert und geübt werden.

Die Musical-Band koordiniert ihre Musikstücke mit den Schauspielern (nach welchem Stichwort muss die Musik beginnen), mit dem Chor (bei welchen Passagen ist’s nur instrumental, wo mit Chor, passt die Stimmlage mit der Tonart der Instrumente überein), mit der Tanzgruppe (woher kommen wann welche TänzerInnen auf die Bühne, wie kurz oder lang ist das Intro, bevor der eigentliche Tanz beginnt oder wird bereits tanzend auf die Bühne eingelaufen). Ebenfalls muss das Bühnenteam wissen, wie lang ein Musikstück ist, damit in der Zwischenzeit der Bühnenumbau gemacht werden kann. Oder die Musiker beobachten die Bühne und improvisieren ein bisschen mit den Melodien bis der Bühnenumbau fertig ist – so oder so, dies muss abgesprochen und kann nur live auf der Bühne geübt werden.

Schminken – sich in die Rolle hineinversetzen

Bei diesem Musical ist das Schminken bei Knaben und Mädchen fast das Wichtigste. Gruselig-bleich werden alle grundiert und dann je nach Darstellertyp entsprechend auffällig um die Augen betont. Auch der Umgang mit der Perücke mit den langen schwarzen Haaren oder gar das «Anziehen» der Glatze muss gelernt werden. Eine Maskenbildnerin hat dem Schminkteam viele Grundlagen, Tipps und Ideen beigebracht. Diese wurden dann vom Team verfeinert und auf die jeweiligen Darsteller angepasst. So wurde für «Onkel Chester» (nicht «Fester» wie im Original) eine perfekt sitzende Glatze selber hergestellt.

Skulpturen sind diesmal ein gros-ses Thema. Die aus TV und Comic bekannte Gruselfamilie geniesst ja einen eindeutigen Ruf. Nicht nur schlichte Totenköpfe säumen deren Einrichtung. Auch das «eiskalte Händchen» ist ein wichtiges Familienmitglied bei der Addams-Familie und als Dekoration sehr gut geeignet. So wurden Dutzende Hände eingegipst und die Form kunstvoll bemalt. Sogar ganze Körper entstanden aus Gipsmasse, die dann sicherlich die Gäste des Musicals irgendwie irgendwann erschrecken werden.

Das gesamte Team der Sek Zell, Lehrpersonen und SchülerInnen, freut sich auf gruselige Überraschungen in den Gewölben, schmackhafte Besonderheiten der Küche und ein ereignisreiches Musical.