Postfächer sollen auch aus Wila verschwinden

Ende Oktober schliesst die Poststelle Wila. Ab dann verschwinden auch die Postfächer (Foto: hug)

Anfang Mai teilte die Post dem Gemeinderat Wila mit, dass es neu keine Postfächer mehr in der Gemeinde geben soll. Gemeindepräsident Hans-Peter Meier fühlt sich verschaukelt und spricht von einer «Salamitaktik». Die Post argumentiert mit betriebswirtschaftlichen Gründen.

Erst kürzlich teilte die Post dem Gemeinderat Zell mit, dass die Postzustellung der Gemeinde ab  1. Oktober nicht mehr aus Rikon erfolgt, sondern aus Turbenthal. Ebenso verschwinden in Rikon die Postfächer (siehe Box). Ein ähnliches Trauerspiel geht momentan auch in Wila über die Bühne. Da wird die Poststelle Ende Oktober geschlossen und von einer Post-Agentur im Volg abgelöst. Vor rund einem Monat wurde dem Gemeinderat Wila von der Post mitgeteilt, dass es in Wila neu keine Postfächer mehr geben wird. Für Gemeindepräsident Hans-Peter Meier (SVP) kam diese Mitteilung überraschend: «Die Post hatte versprochen, dass es auch nach der Schliessung der Poststelle weiterhin Postfächer in der neuen Post-Agentur im Volg geben wird.» Meier versteht zwar die wirtschaftliche Situation der Post, fühlt sich von ihr aber verschaukelt und spricht von einer «Salamitaktik», die letztlich immer mehr schleichende Kürzungen beinhalte.

Post-Sprecher Markus Werner begründet den Wegfall der Postfächer mit den veränderten Kundengewohnheiten. In der ganzen Schweiz gebe es immer mehr Postfachanlagen, die ungenügend ausgelastet seien. «Aus betriebswirtschaftlichen Gründen planen wir, keine Postfächer mehr in Wila anzubieten.»

Ein reiner «Pro-Forma-Anlass»

Die betroffenen Kunden erhielten deshalb Mitte Mai von der Post das Kündigungsschreiben für ihr Postfach. Bis Mitte Juni müssen sie entscheiden, ob sie neu eine Domizilzustellung, also einer Zustellung an die Privat- oder Geschäftsadresse, wünschen oder ein Postfach in Turbenthal: «Für unser Gewerbe sind beide Optionen eine klare Verschlechterung», erklärt Meier. Das zeigt unter anderem eine Umfrage, die die Gemeinde bei etwa 20 der rund 35 Wilemer Postfach-Kunden durchgeführt hat und an der sowohl Private als auch Unternehmen teilgenommen haben. «Gegen zehn Kunden sind weiterhin auf ein Postfach in Wila angewiesen. Wir gehen aber davon aus, dass diejenigen, die sich bereits für eine Domizilzustellung respektive ein Postfach in Turbenthal entschieden haben, ein Postfach in Wila bevorzugen würden.» Denn die rechtzeitige Verfügbarkeit der Tagespost sei für das Gewerbe essentiell.

Hans-Peter Meier, Gemeindepräsident von Wila (Foto: zVg)
Hans-Peter Meier, Gemeindepräsident von Wila (Foto: zVg)

Genau diese sei bei beiden Alternativen aber nicht mehr gewährleistet, sagt auch René Gartmann. Er ist Inhaber der in Wila ansässigen Krause AG, die sich mit dem Vertrieb von Ringbuchmechaniken und anverwandten Zubehörteilen befasst und rund sechs Mitarbeiter beschäftigt. «Heute können wir unsere Geschäftspost gesammelt um 8 Uhr morgens im Postfach in Wila abholen. Neu müssen wir hierfür entweder extra nach Turbenthal fahren oder im Geschäft auf den Briefträger warten, der wahrscheinlich erst um 10 Uhr morgens bei uns vorbeikommt.» Gartmann kann seine Enttäuschung über die Post nicht verbergen. «An der Informationsveranstaltung Mitte 2016 wurde seitens Post klar gesagt, dass die Postfächer bleiben würden.» Er spricht in diesem Zusammenhang von einem reinen «Pro-Forma-Anlass». Die Post orientiere die Bevölkerung und tue so, als ob deren Bedürfnisse in die weitere Ausgestaltung des Postangebotes einfliessen würden. Letztlich entscheide sie aber in Eigenregie. Nebst der umständlicheren Zustellung müsse er nun zudem all seine vorgedruckten Couverts und das Briefpapier mit einer neuen Adresse bedrucken. «Auch das ist aufwändig», sagt Gartmann. «Ich hoffe wirklich, die Postfächer bleiben in Wila.»

Umwandlung nicht anfechtbar

Der Wilemer Gemeinderat fordert in einem Schreiben an die Post, dass sie die Kündigung der Postfächer rückgängig macht und bei der neuen Post-Agentur im Volg eine gewisse Anzahl Postfächer anbietet. «Eine solche Lösung gibt es an vielen Orten und wäre sicherlich machbar», sagt Hans-Peter Meier. Und er fügt an, dass er eine solches Postfach-Gestell selber in einer Post-Agentur in Hörhausen im Kanton Thurgau und kürzlich auch in Russikon gesehen habe. Die Post habe das Schreiben zur Kenntnis genommen und werde das weitere Vorgehen besprechen, sagt Markus Werner. «Wir werden anschliessend auch nochmals das Gespräch mit der Gemeinde suchen.»

Weiter verlangt der Gemeinderat Wila eine rekursfähige Verfügung der Post im Zusammenhang mit dem Wegfall der Postfächer. Hier winkt Werner ab: «Ein solcher Entscheid ist unseres Erachtens nicht anfechtbar, da die Postfächer kein Angebot der sogenannten Grundversorgung sind. Postfächer betreibt die Post ergänzend zur gesetzlichen Grundversorgung.» Gegen eine mögliche Anfechtbarkeit spricht auch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Ende April. Das Gericht mit Sitz in St. Gallen entschied damals, dass selbst der Entscheid seitens Post, eine Poststelle in eine Agentur umzuwandeln, nicht vor Gericht angefochten werden kann. Und trat auf eine entsprechende Beschwerde der Tessiner Gemeinde Balerna gar nicht erst ein.

 

Post neu aus Turbenthal
Zells Gemeindepräsident Martin Lüdin war über den Bescheid der Post sehr enttäuscht, dass die Postzustellung der Gemeinde ab 1. Oktober nicht mehr aus Rikon erfolgt, sondern aus Turbenthal. Und ebenso, dass die Postfächer aus Rikon verschwinden. «Die Post ist kein verlässlicher Partner mehr», sagte er gegenüber dem «Tößthaler». Denn die Beibehaltung der Postzustellstelle in Rikon war in seinen Augen eng mit der Zusage der Gemeinde zur Umwandlung der normalen Poststelle in eine Postagentur im Volg verknüpft, welche im Herbst 2017 erfolgte. Post-Sprecher Markus Werner sagt, dass die Gespräche mit der Gemeinde Zell über das Postangebot in Rikon bereits 2015 stattfanden. «Seither hat sich der negative Trend beim Briefvolumen weiter verstärkt. Dadurch hat sich für uns eine neue Ausgangslage ergeben, und wir haben uns nun entschieden, die Zustellstellen Turbenthal und Rikon an einem neuen Standort zusammenzuführen, um so unsere Prozesse und Abläufe effizienter gestalten zu können.» In Turbenthal habe die Post die Möglichkeit erhalten, eine neue, moderne Zustellstelle zu realisieren. Diese befinde sich ab dem 1. Oktober 2018 im Industriegebiet, wodurch die Lärmemissionen bei Zu- und Wegfahrten für die Bevölkerung auf ein Minimum reduziert werden können. «Die Zusammenführung hat keine Auswirkungen auf die Qualität der Hauszustellung in Rikon oder Turbenthal», so Markus Werner abschliessend.
Rolf Hug
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