PLZ 8486 Rikon zieht nach Turbenthal um

Postzustellung und Fächer werden aufgehoben )Foto: md)

Ab 1. Oktober kommt die Post für die Gemeinde Zell aus Turbenthal. Die Postzustellstelle 8486 Rikon wird auf dieses Datum hin tössaufwärts verlegt. Gemeindepräsident Martin Lüdin ist aus verschiedenen Gründen von der Post enttäuscht.

Die nüchternen Fakten sind rasch erzählt: Die Post, welche täglich in den Briefkästen der BewohnerInnen der Gemeinde Zell liegt, kommt ab 1. Oktober 2018 aus Turbenthal. Was viele nicht wissen: Die Poststelle Rikon mit Postleitzahl 8486 wurde zwar vor einigen Monaten geschlossen und dafür eine Post-agentur im nahen Volg-Lebensmittelgeschäft eröffnet. Doch der Zustelldienst blieb hinter der nunmehr verriegelten Tür weiter aktiv und verteilte die ankommende Post auf die Postboten und die Postfächer. So arbeiteten etwa acht Personen in Rikon auf der sogenannten Postzustellstelle und sorgten für die Verteilung in der Gemeinde Zell.

Lange Vorgeschichte

Seit etwas mehr als einer Woche weiss Gemeindepräsident Martin Lüdin von den Plänen der Post und ist enttäuscht; nicht so sehr über die Verlegung der Postzustellstelle Rikon nach Turbenthal, sondern über die Art, wie die Post mit ihm und dem Gemeinderat umgesprungen ist. Denn, so Lüdin, die Schliessung der Postverteilung in Rikon habe eine lange Vorgeschichte, eine Vorgeschichte von Ankündigungen, Übergehung der Anliegen der Gemeinde und nicht eingehaltenen Abmachungen. Die Geschichte beginnt vor sechs Jahren: Im Oktober 2012 gab die Post bekannt, dass sie die Post Kollbrunn vom Bahnhof in den neuen Coop-Laden verlegen werde. Der Gemeinderat stimmte nach verschiedenen Gesprächen mit Postvertretern dieser Verlegung mit wenig Begeisterung zu, unter der Bedingung, dass die Post für die Poststellen Kollbrunn und Rikon eine Bestandesgarantie der Dienstleistungen für mehrere Jahre zusichert. Im entsprechenden Protokoll der Post wurde diese Bedingung aber nicht aufgeführt.

Drei Jahre später, im März 2015, folgte das nächste Kapitel: Die Post kündigte nun – entgegen den deklarierten Wünschen des Gemeinderats – die Schliessung der Poststelle Rikon und die Eröffnung einer Postagentur im Volg an. Die Zustellung für die Gemeinde Zell sollte aber weiterhin in den Räumen der Poststelle verbleiben. Ebenso sollten die Postfächer weiter bewirtschaftet werden. Abermals teilte der Gemeinderat der Post mit, dass die Schliessung der Poststelle Rikon einer Schwächung des Hauptortes der Gemeinde gleichkomme. Für die Gemeindeverwaltung und die Geschäftskunden sei der Wechsel zu einer Postagentur ein klarer Rückschritt im Service, argumentierte der Gemeinderat weiter. Dieser forderte – mangels valabler Alternativen zur Agentur – dass der Wechsel frühestens per Anfang 2018 vollzogen werde. Die Post hatte es aber eilig und setzte schliesslich die Eröffnung der Agentur auf Oktober 2017 durch. Mit der Umwandlung in eine Agentur wurden auch die Dienstleistungen reduziert: Eine Postagentur darf beispielsweise keine Gerichtsakten aushändigen. Dies, obwohl sich in Rikon der Sitz des Betreibungsamtes Turbenthal-Zell befindet. Schliesslich musste der Gemeinderat der Schliessung der Poststelle Rikon zustimmen, denn als Alternative zur Agentur hatte die Post die Einrichtung eines Hausservice in Aussicht gestellt.

Spätere Postzustellung

Der vorläufig letzte Akt erfolgte schliesslich vor wenigen Tagen mit der Ankündigung, dass die Postzustellstelle verlegt und die Postfächer per Anfang Oktober aufgehoben werden. Die Arbeitsplätze werden nach Turbenthal verlegt. «Für mich ist die Post kein verlässlicher Partner mehr», bilanziert Martin Lüdin seine Erfahrungen mit der Post. Die Verlegung der Postzustellung nach Turbenthal erfolge aus betriebswirtschaftlichen Gründen, heisst es in einem Schreiben der Post an die Gemeinde Zell. «Diese Begründung ist unverständlich», sagt der Gemeindepräsident, «Die Post ist Eigentümerin der Räumlichkeiten in Rikon. In Turbenthal ist die Postzustellstelle hingegen eingemietet.» Gleichzeitig sei er überzeugt, dass mit dieser Massnahme die Postzustellung in der Gemeinde Zell später erfolgen werde als heute: «Alle Postboten müssen ja zuerst mit ihren Fahrzeugen von Turbenthal nach Rämismühle, Zell, Rikon, Kollbrunn und Langenhard fahren.» Die Gemeindeverwaltung, aber auch in Rikon ansässige Firmen, müssen morgens ihre Geschäftspost zuerst in Turbenthal oder Kollbrunn holen. «Das ist ein zusätzlicher Aufwand, der an den Postempfängern hängen bleibt», kritisiert Lüdin. Den Gemeindepräsidenten ärgert, dass alle diese Abbaumassnahmen immer nur schrittweise und scheinbar unkoordiniert vorgenommen wurden. «Mit einer klaren Ansage, die Poststelle Rikon samt Zustellung werde aufgehoben, hätte ich weniger Mühe gehabt.» Etwas gegen diesen Abbau unternehmen kann die Gemeinde nicht, denn es gebe gegen diese Entscheidungen keinen Rechtsweg, macht Lüdin deutlich und ergänzt: «Ich erwarte, dass Abmachungen eingehalten werden. Die Beibehaltung der Postzustellstelle in Rikon war in meinen Augen eng mit der Zusage zur Umwandlung in eine Postagentur verknüpft. Mit der Verlegung nach Turbenthal zeigt die Post, dass sie sich nicht an Abmachungen hält.»