«Permakultur ist eine Lebenseinstellung»

Der Referent Christoph Bachmann im Permakultur-Garten auf dem Rosenberg (Foto: map)

Zum internationalen Tag der Biodiversität findet vom 18. bis 21. Mai das Festival der Natur statt. In der ganzen Schweiz gibt es über 750 Veranstaltungen, davon drei im Tösstal.

Auf dem Rosenberg organisiert der Lebenslernort gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und dem Naturschutzverein Turbenthal-Wila einen Tag der offenen Tür. Ein Thema ist die Permakultur und der entsprechend gestaltete Garten der Pächterfamilie. Zum Einstieg gibt es eine kurze Einführung in die Grundlagen der Permakultur durch Christoph Bachmann (48). Dieser arbeitet als Pädagoge am Lernzentrum Meilen, hat eine Ausbildung zu nachhaltiger Entwicklung abgeschlossen und lässt sich zum Permakultur-Designer ausbilden. So werden die Planer von Permakultur-Lebensräumen genannt. Zu den Grundlagen der Permakultur sagt Christoph Bachmann: «Permakultur ist eine Lebenseinstellung. Es geht dabei um den Umgang mit dem Land, den Pflanzen, Tieren und den Menschen. Alles wird miteinander vernetzt. Am besten gefällt mir, dass Permakultur sehr lösungsorientiert ist. Statt zu jammern über den Rückgang der naturbelassenen Flächen, den Artenschwund oder die Lebensfeindlichkeit unserer Welt, wird etwas Positives gemacht. Grundlage ist ein achtsamer Umgang mit dem Leben. Die Grundsätze lauten: Sorge zur Erde. Sorge zu den Menschen. Gerecht teilen.»

Wasser und Energie optimal nutzen

Das tönt abgehoben, lässt sich aber sehr konkret umsetzen. «Im Garten bedeuten diese Grundsätze zum Beispiel, Wasser und Energie optimal zu nutzen», fährt Christoph Bachmann fort. «Eine Möglichkeit ist, das Regenwasser an einem erhöhten Ort im Garten in einem Becken oder Teich zu sammeln. So haben auch die Tiere Wasser zur Verfügung. Den Überlauf lassen wir zum Bewässern durch den Garten fliessen. Zum Speichern der Sonnenwärme können wir eine Steinmauer errichten, vor der wir Pflanzen platzieren, die einen warmen und trockenen Standort bevorzugen. Alle Pflanzen im Garten sollen einen Ertrag einbringen, was aber nicht heisst, dass nur die Ernte von Früchten oder Gemüsen das Ziel ist. Es kann auch sein, dass wir uns an den Blumen erfreuen, Pflanzen für die Bodenverbesserung anbauen oder Lebensräume für Tiere einrichten. Dabei wird alles miteinander vernetzt: Aus trockenen und nassen, sonnigen und schattigen Standorten entsteht im Garten ein stabiles Ökosystem, das möglichst autark funktioniert. Jedes Element soll möglichst viele verschiedene Aufgaben erfüllen. Eine Hecke zum Beispiel bietet uns Nahrung, wenn wir Wildfrüchte anpflanzen, dient aber auch als Nahrungsgrundlage und Lebensraum für Tiere, als Brennholzlieferant, Windschutz, dient dem Bodenaufbau und ist Wärmespeicher.»

Grosse Vielfalt an Pflanzen und Tieren 

So wird die Planung auf das jeweilige Klima, die Landschaft, den Boden und die Bedürfnisse der Nutzer des Gartens angepasst. Schliesslich soll auch der Mensch seinen Platz im Garten haben. «Ziel ist eine möglichst grosse Vielfalt an Pflanzen im Garten», sagt Christoph Bachmann. «Dies verhindert einen grossen Schaden bei Krankheiten oder Schädlingsbefall und ermöglicht eine schnellere Erholung. Ausserdem werden Pflanzen kombiniert, die sich gegenseitig begünstigen. Dabei wird auch auf altes Wissen zurückgegriffen. Unsere Vorfahren hatten Kenntnisse, die in Zeiten der intensiven Bewirtschaftung, künstlichen Dünger und chemischen Krankheits- und Unkrautbekämpfung in Vergessenheit geraten sind. Hügelbeete zum Beispiel hat auch mein Grossvater schon angelegt.» Das gilt aber nicht nur für Pflanzmethoden, sondern auch für Pflanzensorten. Alte Sorten von Früchten und Gemüsen sind häufig besser an das lokale Klima angepasst. Die Grundlagen der Permakultur können auch auf die professionelle Landwirtschaft angewandt werden.

«Die Idee der Permakultur ist in Australien entstanden. Dort spielt der Umgang mit Wasser natürlich eine andere Rolle, als bei uns.» Der Begriff Permakultur setzt sich aus «permanent» und «Agrikultur» zusammen. Der Biologe Bill Mollison lebte lange im australischen Busch, beobachtete und lernte dabei von der Natur. Zusammen mit seinem Studenten David Holmgren entwickelte er 1974 das Konzept der Permakultur, das von verschiedenen Leuten weiterentwickelt wurde.

Ein weiterer Begründer der Permakultur ist der Japaner Masanobu Fukuoka, der gesagt hat: «Die Natur ist in der Lage, sich selbst zu erhalten, sie bedarf menschlicher Eingriffe nicht». 1981 erhielt Bill Mollison für seine Arbeiten den alternativen Nobelpreis.

In der Schweiz gibt es verschiedene Permakultur-Projekte, die sich im Verein Permakultur Schweiz zusammengeschlossen haben. Eines der Projekte ist die Bienenschule in Wila.

Weitere Informationen: www.festivaldernatur.ch