Ostern – Ein herziges Fest?

Ostern wird jöö! So wirbt einer der grossen Schweizer Detailhändler dieses Jahr. Von Plakaten und aus den Regalen wird man von herzigen Häsli und Lämmli angelächelt und im E-Mail-Postfach erhält man kreative Ideen für die schönsten Osternestli und Co. Zu all dem Herzigen gibt es auch noch viel Süsses für kleine und grosse Geniesser im Angebot.

Ich freue mich auf die Osterzeit. Aber irgendwie macht mich die Kampagne doch etwas stutzig. Ist Ostern wirklich ein herziges Fest? Eier verbinden wir mit Ostern, weil sie als Symbol für die Auferstehung gelten: Aus einem scheinbar toten Gegenstand entsteht neues Leben. Schon sehr früh begannen Christen in Mesopotamien (entspricht in etwa dem heutigen Irak und einigen angrenzenden Gebieten) damit, Eier zu Ostern rot zu färben. Die rote Farbe sollte das Blut Jesu Christi symbolisieren.

Spätestens beim Stichwort Blut ist es wohl vorbei mit herzig-süssen Ostern. Doch genau darum geht es beim Osterfest. An diesem Wochenende erinnern sich Christen daran, dass Jesus, der Sohn Gottes, von seinen Feinden gefangen genommen, verhört, gefoltert und am Karfreitag gekreuzigt wurde. Dabei können wir davon ausgehen, dass nicht die Jesus-Darstellungen, bei denen er souverän blickend am Kreuz hängt, realistisch sind, sondern viel eher die, wo er blutverschmiert und leidend seine letzten Atemzüge tut.

Der Karsamstag war für die Nachfolger Jesu der Tag der grossen Hoffnungslosigkeit. Sie hatten ihr bisheriges Leben aufgegeben, um diesem Jesus nachzufolgen, ihre Jobs und ihre Familien zurückgelassen und alles auf diese eine Karte gesetzt. Und jetzt war mit Jesus auch all ihre Hoffnung gestorben. Sie fürchteten sich zudem, dass auch sie gefangen genommen werden könnten und wagten sich deshalb kaum an die Öffentlichkeit.

Wäre die Ostergeschichte hier zu Ende, dann würden wir uns heute wohl kaum noch daran erinnern. Doch bei den Nachfolgern Jesu keimte plötzlich neue Hoffnung auf: Jesus kam als Auferstandener aus dem Grab zurück und begegnete seinen Jüngerinnen und Jüngern. Zuerst einzelnen, dann der ganzen Gruppe und später auch noch 500 Menschen auf einmal. Deshalb malen wir bis heute Eier an am Osterwochenende. Weil das rote Ei an Jesu Tod und Auferstehung erinnern sollte.

Ist Ostern ein herziges Fest? Wenn wir die Ostergeschichte betrachten, wie sie in der Bibel überliefert ist, wohl eher nicht. Trotzdem ist für mich Ostern ein wunderschönes Fest! Ein Fest, das Jesu grenzenlose und selbstlose Liebe zu uns Menschen zeigt. Er liebt uns so sehr, dass er bereit war am Kreuz zu sterben. Er nahm diesen Tod auf sich, um das zu überwinden, was uns Menschen von Gott trennt. Das Zweite, mindestens so grossartige an Ostern ist die Auferstehung. Gott hat seinen Sohn Jesus nicht einfach dem Tod überlassen, sondern hat ihn wieder zum Leben auferweckt. So zeigt sich an Ostern neben der Liebe Gottes auch seine Macht über Leben und Tod.

Mit der Auferstehung erhalten die Nachfolger Jesu wieder neue Hoffnung. Hoffnung, die stärker ist als Leben und Tod. Diese Hoffnung können wir auch heute noch finden, wenn wir Nachfolger Jesu, des Auferstandenen, werden.

Ostern. Ein schönes und möglicherweise lebensveränderndes Fest. Da will ich nicht griesgrämig darüber debattieren, ob eine herzige Osterkampagne angebracht sei oder nicht. Viel lieber freue ich mich mit allen, die Freude haben am Osterfest!