«Ohne Wasser gibt es keinen gescheiten Gedanken»

Sacha Huber, Werk- und Kanalisationsvorsteher von Wila und Erica Bänziger, Ernährungsberaterin und Buchautorin (Fotos: zVg)

Der diesjährige Weltwassertag dreht sich um das Thema «Wasser und Abwasser». Der «Tößthaler» hat sich bei Sacha Huber, Werk- und Kanalisationsvorsteher von Wila, und Erica Bänziger, Ernährungsberaterin, über den Wert von gutem Trinkwasser erkundigt.

Wasser und Abwasser stehen in engem Zusammenhang. Daran möchte der diesjährige Weltwassertag erinnern, der am 22. März stattfindet. In Wila findet aus diesem Anlass ein Vortragsabend statt. Der «Tößthaler» hat mit zwei der Referenten, dem Wilemer Gemeinderat Sacha Huber und der Ernährungsberaterin Erica Bänziger aus Verscio TI, gesporchen.

Wie steht es um die Sauberkeit der Töss?

Sacha Huber: Die obere Hauptmessstelle des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft an der Töss befindet sich bei Zell-Rämismühle. Aufgrund der chemischen Untersuchungen kann die Töss bei Rämismühle insgesamt als gering belasteter Fluss bezeichnet werden. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1992 erfüllen alle gemessenen chemischen Parameter ausser Ammonium die Zielvorgaben. Zudem hat die Erneuerung der Abwasserreinigungsanlage bei Bauma die früher eher ungenügende Nitrifikationsleistung bedeutend erhöht, sodass auch bei geringen Verdünnungsverhältnissen zwischen Fluss- und Abwasser die Grenzwerte eingehalten werden können.

Sie sind verantwortlich für Wasserversorgung und Kanalisation in Wila: Woher kommt das Trinkwasser und wohin fliesst das Abwasser Ihrer Gemeinde?

Huber: Während das Dorf Wila fast ausschliesslich mit Quellwasser in den Reservoirs Weiher und Ghöngg versorgt wird, bezieht das Versorgungsnetz des Steinenbachtals Grundwasser über das Pumpwerk der Gruppenwasserversorgung in der Tannau. Das Gebiet Au bezieht sein Trinkwasser ausschliesslich von einer Quelle in der Breiti. Allerdings ist hierfür die Brunnengenossenschaft Au zuständig. Heute wird das Abwasser aus Wila in die Abwasserverbandsleitung geleitet, anschliessend wird das Abwasser im Pumpwerk bei Sennhof zum Seemerbuck gepumpt und dann durch das Kanalnetz der Stadt zur Abwasserreinigungsanlage in Winterthur geleitet. Künftig soll nun alles verschmutzte Wasser aus dem Tösstal gefasst und unter Umgehung des grossen Trinkwasservorkommens an der Töss über einen neuen Stollen durch den Eschenberg direkt zur Winterthurer Kanalisation in Töss und schliesslich in die Abwasserreinigungsanlage in der Hard geleitet werden. Das Pumpwerk Sennhof wird ab diesem Zeitpunkt nicht mehr benötigt – bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg.

Es ist seit Jahren ein brisantes Diskussionsthema: Viele Wasserleitungen und Kanalisationen haben ein gewisses Alter erreicht und sind zum Teil leck. Wo steht Wila in dieser Hinsicht?

Huber: Die Wasserversorgung Wila verfügt über eine Betriebswarte, welche die Zulaufmenge sowie den Netzverbrauch registriert. Durch Vergleich mit den verrechneten Wassermengen lassen sich die Netzverluste einschätzen und so punktuell die Erneuerung des Leitungsnetzes vornehmen. Allerdings muss die Wasserversorgung nur schon auf Grund des Alters von vielen Leitungen im Dorf Wila in den nächsten Jahren einem umfangreichen Leitungsersatz gerechnet werden.

Die Einwohnerzahl im Tösstal wächst: Sind die Kläranlagen im Tösstal genügend leistungsfähig, um die künftige Zunahme an Abwasser zu bewältigen?

Huber: Das Abwasser aus dem Tösstal wird in den drei Abwasserreinigungsanlagen Fischenthal, Bauma und Weisslingen gereinigt und anschliessend in die Töss geleitet. Erst letzten September wurde das Abwassernetz von Fischenthal an die Kanalisation von Bauma angeschlossen und die Abwasserreinigungsanlage in Bauma erweitert. Die Stilllegung der Abwasserreinigungsanlage von Fischenthal geschieht vor allem aufgrund des dringenden Sanierungsbedarfs. Glücklicherweise zeigen alle Modelle und Simulationen, dass die momentane Abwasserreinigungsleistung die Zunahme der Haushalte decken kann.

Bei Wila verschwindet bei Trockenheit die Töss vollkommen aus ihrem Bett: Muss man sich deswegen Sorgen machen? Der Wassermangel ist ja ein weltweites Diskussionsthema.

Huber: Wir sahen in den letzten Jahren keinen Grund, in Alarmstimmung zu verfallen. Grundsätzlich gilt, dass 95 Prozent der Bevölkerung im Kanton Zürich an eine Wasserversorgung angeschlossen sind, die über ein zweites oder mehrere voneinander unabhängige Standbeine verfügt. So kann zum Beispiel das Grundwasserpumpwerk Tannau über Hittnau mit Pfäffiker Seewasser versorgt werden.

Wasser schmeckt sehr unterschiedlich. Was macht geschmacklich gutes Wasser aus?

Erica Bänziger: Gutes Wasser ist Wasser, das frei fliessen kann; wer schon mal aus einem Bergbach oder einer Quelle Wasser getrunken hat, der wird mir beipflichten, dass dieses Wasser das beste ist und man davon noch mehr trinken möchte. Wird das Wasser in den modernen Leitungen über lange Distanzen transportiert, wird ihm die ursprüngliche Lebendigkeit geraubt, oder anders ausgedrückt, die Struktur des Wassers verändert sich. Statt vieler kleiner Cluster wie im Bergbach gibt es grosse Cluster und der ursprünglich gelöste Sauerstoff fehlt ebenfalls. Darum ist das beste Wasser frisches Quellwasser, das aber heute leider nur noch selten direkt ab Hahn fliesst. Denn alle Menschen müssen mit Wasser versorgt werden und die Trinkwasserversorgung ist eine geniale Sache für den modernen Menschen. Aber eben: Ein Teil der guten Eigenschaften bleibt dabei auf der Strecke. Es gibt aber heute sehr einfache Systeme, die dem Leitungs- Wasser seine ursprüngliche Vitalität zurückgeben. Dann schmeckt das Wasser wieder frischer und lebendiger und auch die Cluster sind wieder wie im Quellwasser.

Weshalb ist Wasser der wichtigste Teil der Ernährung?

Bänziger: Weil unser Organismus zu 70 Prozent aus Wasser besteht und alle Vorgänge im Körper laufen nur dann korrekt ab, wenn auch die Lösungsfähigkeit für alle Stoffe gewährleistet ist. Denken sie nur daran, dass unser Gehirn zu 90 Prozent aus Wasser besteht, unser Blut, Herz und Muskeln auch bis zu 77 Prozent und unsere Knochen bestehen auch zu 22 Prozent aus Wasser. Es sich zeigt deutlich: Wir sind eben zu zwei Dritteln Wasserwesen und darum ist Wasser das wichtigste Element für die Erhaltung der Gesundheit neben den anderen Nährstoffen, die aber nur mit Wasser ihre Funktion erfüllen können. Ohne Wasser gibt es keine Entgiftung und keinen gescheiten Gedanken. Dehydration führt ins Verderben und wie sagte ein Arzt einmal: «Sie sind nicht krank sie sind durstig.» Unser Gehirn macht zwar nur zwei Prozent des Körpers aus (1/50), benötigt aber 20 Prozent unseres Blutes (1/5). Bereits geringer Wassermangel führt dazu, dass zu wenig Strom (elektrische Energie) erzeugt wird, wodurch sowohl das Denken, als auch die Nervenimpulse nur noch eingeschränkt funktionieren. Wenn man das versteht, merkt man, wie wichtig regelmässiges Trinken wäre, um leistungsfähig zu sein und zu leiben.

Wie gut ist nach Ihrem Dafürhalten das Töss-Grundwasser?

Bänziger: Die müsste Herr Huber besser wissen. Wasser ist seit Jahrmillionen unverändert. Es kommt und geht und wird immer wieder nach dem alten System durch Verdampfen, Versickern sowie nach einer Reifung wieder zu Grundwasser. So gesehen trinken wir das selbe Wasser, das auch schon die Dinosaurier genossen haben. Ein Problem ist, dass das Wasser nur in seltensten Fällen genug Zeit hat, sich wirklich wieder langsam durch die Bodenschichten hindurch zu regenerieren. Je mehr Zeit es dafür braucht, desto reifer und regenerierter ist es. Wasser wird unter dem Druck des heutigen hohen Konsums aus meiner Sicht meist zu schnell wieder in den Wasserkreislauf integriert. Wir Menschen lassen dem Wasser keine Zeit mehr.

Aber ich empfehle trotzdem überall in der Schweiz, nur das mikroskopisch absolut saubere Leitungswasser zu trinken, denn es kann keine Lösung sein, Wasser in Plastikflaschen über grosse Distanzen zu transportieren und dann Berge von Plastikmüll zurückzulassen. Das ist ökologischer Blödsinn. Aus dieser Sicht ist nur Leitungswasser nachhaltig und auch zu empfehlen. Es ist sehr gut kontrolliert und besser als Mineralwasser, das man auf viel weniger Substanzen kontrolliert. Wie bereits erwähnt, versuche ich die technischen Eingriffe, die man in der modernen Wasserversorgung dem Wasser antut, mit Hilfe eines einfachen Wirblers die verlorene Lebendigkeit zurückgeben. So wird das Wasser bekömmlicher und steht dem Vorbild der Natur näher. Diese Art des Wirbels hat die Natur auch für das Wasser vorgesehen, denn es fliesst, wenn es kann, in Mäandern durch die Landschaft. Es kommt auch in der Natur nicht in Plastikflaschen vor.

Sie referieren über «Wasser im Spannungsfeld zwischen Mythos und Molekül»: Das klingt geheimnisvoll. Was meinen Sie damit?

Bänziger: Wasser ist Leben und Wasser ist für viele einfach nass und durchsichtig. Aber Wasser ist ein Lebenselixier ersten Ranges und für die Gesundheit unerlässlich. Gutes Wasser hat kleine Cluster, das sind kleinere Moleküle, die dann auch besser in meine Zellen gelangen als Wasser mit grossen Clustern. Darum ist es für den Organismus nicht egal, welches Wasser man trinkt. Jede Zelle braucht Wasser, das gut zellverfügbar, bioverfügbar ist und das mir dabei hilft meinen Stoffwechsel und meine Entgiftung gut funktionieren zu lassen. Denn wenn der Stoffwechsel rund läuft, fördert dies meine Gesundheit. Wasser ist reine Physik, deshalb ist die Molekularstruktur des Wassers sehr wichtig für seine Wirkung. Wasser ist in der Ernährungsberatung ein zentrales Thema. Leider erlebe ich immer wieder viele Menschen, die sich zu wenig um die Wirkung von lebendigem Wasser Gedanken machen und darum oft zu wenig trinken oder Wasser mit Kaffee oder Tee und Bier verwechseln. Dies alles werde ich versuchen, in meinem Referat aufzuzeigen und die Menschen zu motivieren, wieder mehr zu trinken.

Sie kennen den Spruch «es kochen alle doch nur mit Wasser». Ist für Sie Wasser gleich Wasser?

Bänziger: Wasser ist eine faszinierende Flüssigkeit. Ich liebe es sehr, frisches Wasser direkt aus einem Gebirgsbach zu trinken. Ein schöner Wasserfall hat für mich eine magische Anziehungskraft. Das sauerstoffreiche Wasser eines Wasserfalls mundet köstlich.

Solches Wasser hat eine viel grössere Lösungsfähigkeit für meine Aromen. Wenn ich also mit solchem Wasser Tee oder Suppen zubereite, dann habe ich ein kräftigeres Aroma in meinen Speisen. Gutes Bier wird immer mit Quellwasser gebraut, das ist das Geheimnis von gutem Bier. Zu einem guten Essen gehört für mich zudem ein guter Wein, ein feines Bier oder ein Glas frisches Quellwasser. Doch wir wissen heute mehr über einen guten Wein als über gutes Wasser. Wasser liegt so gesehen immer noch in einem Dornröschenschlaf. Mittlerweile es gibt sogar Wasser-Sommeliers. Wenn ich in meiner Tessiner Wahlheimat bin und dort im magisch-schönen Val Bavona und auch im Maggiatal bin, dann gibt es bestimmte Brunnen und Orte wo ich meine Wasserflasche wieder auffülle, da dort das Wasser besonders gut mundet.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Die Töss gilt im Grossen und Ganzen als sauberes Gewässer: Ein Blick auf die Töss im Wiesenthal bei Wila (Foto: Albert Büchi)
Die Töss gilt im Grossen und Ganzen als sauberes Gewässer:
Ein Blick auf die Töss im Wiesenthal bei Wila (Foto: Albert Büchi)