Nostalgie kommt an

Samuel Zünd, Julia Schiwowa, Catriona Bühler, Fridolin Blumer, Helen Iten (von links) (Fotos: gal)

Ein Flügel, ein Kontrabass, drei elegante Damen mit Perlenketten, knallrot geschminkte Lippen und Papierblumen im Haar, zwei tadellos gekleidete Herren im Smoking – voilà: The Sam Singers. Mit Ohrwürmern aus dem letzten Jahrhundert entlockten sie dem Wilemer Publikum am letzten Samstag kräftigen Applaus.

Mit dem Drive der Swing-Ära ist man mitten im Programm: «Take the A-Train» – rotgekleidet intonieren die Sängerinnen Julia Schiwowa, Catriona Bühler und Helen Iten, schmissig begleitet vom Pianisten Samuel Zünd und Fridolin Blumer am Bass, diesen Jazzstandard. Er war die Erkennungsmelodie von Duke Ellington. Die Marschrichtung des Programms «Sentimental Journey» ist vorgegeben: eine Reise in die Welt die 30er-, 40er und 50er-Jahre. Den Programmtitel liefert die Nummer von Les Brown, welche Doris Day 1945 zum Nummer-1-Hit brachte. Als Anlass diente ein «Benimmbuch für Mädchen auf Reisen» von 1957, das die Truppe neben alten Schallplatten und anderem Krimskrams angeblich im Estrich von Fridolins Tante Theres aus Glarus, gefunden hatten.

Von Paola bis Ella

Stilgerecht war alles, die Kleider, die wippenden Bewegungen, die Schluss-posen mit ausgebreiteten Armen zum Applaus. Die Entführung, oder besser: Verführung, startet in New York, geht kreuz und quer über Südamerika, Italien, Trinidad in der Karibik in die Schweiz. Sie singen von der «Fischerin am Bodensee» und «Ansonsten Herr Lutter ist alles im Butter», von «Mr. Postman», «Memory» und «Tuxedo Junction». Mit groovig bluesiger Stimme besingt Julia Schwiwowa die Liebe zu ihrem alten Grammophon und Catriona Bühler stellt mit «Bonjour, Bonjour» Paola del Medico vor. Wie retten sich Stars, wenn sie den Text vergessen? Das weiss Helen Iten von Ella Fitzgerald. In einem Berliner Konzert 1960 kamen ihr plötzlich beim Klassiker «Mack the Knife» keine Worte mehr in den Sinn. Iten sang vor, wie die Grand Old Lady vom Jazz improvisierte. Sie sang von Louis Armstrong und allem, was ihr gerade in den Sinn kam. Und immer begleiteten die flinken Finger von Samuel Zünd auf den schwarz-weissen Tasten, bluesig, swingend und aufmerksam begleitend. Das solide, rhythmische Fundament zu den Schlagern, Songs und Chansons steuerte Fridolin Blumer mit seinem sonor klingenden Kontrabass bei.

Die Sam Singers kleideten sich teilweise den Liedern entsprechend

Nach der Pause erschienen die Ladies in Blau, wiegten sich wieder im Takt oder versammelten sich hinter dem Flügel. Manchmal bedienten sie ein Schlagwerk, bliesen auf der Blockflöte oder pfiffen die Melodie. Mit zahlreichen bekannten Texten und einschmeichelnden Melodien, die es einfach machten, sich in Nostalgie und Erinnerungen zu suhlen. Als Zugaben strahlte «Es Sternli im grossen Sternenmeer» und zusammen mit «Veronika» kam der Lenz. Kurz – es war ein schmissiger Abend.