Noch zwei Jahre warten bis zum Direktanschluss nach Zürich

Die Doppelstockzüge der 3. Generation von Stadler Rail werden ab Dezember 2018 in den Stosszeiten zwischen Zürich und Wila verkehren (Foto: SBB)

Ab Dezember 2018 erhalten Turbenthal und Wila mit der neuen S11 in den Hauptverkehrszeiten einen direkten Anschluss nach Zürich. Für das Tösstal bedeutet dies ein Novum.

Am Sonntag wird mit dem Fahrplanwechsel der Betrieb durch den neuen Gotthard-Basistunnel offiziell aufgenommen. Die Fahrt von Zürich nach Lugano dauert dann nur noch zwei Stunden und acht Minuten. Doch auch im Tösstal bleibt die Zeit nicht stehen: Was schon lange gewünscht wurde, wird in zwei Jahren, im Dezember 2018, Realität: Turbenthal und Wila erhalten in den Hauptverkehrszeiten (6 bis 8 Uhr sowie 16 bis 19 Uhr) einen direkten Anschluss nach Zürich.

Ohne Umsteigen von Wila nach Zürich

Diese Neuerung im Zürcher S-Bahn-Netz wird mit grösseren Umstellungen verbunden sein. Neu wird die S11, nicht mehr die S12, nach Seen fahren und darüber hinaus nach Sennhof-Kyburg. Bekanntlich sind in Sennhof in den letzten Jahren zahlreiche neue Wohnungen entstanden und weitere sind zurzeit entlang der Tösstalstrasse in Bau. In den Hauptverkehrszeiten wird die S11 über Sennhof-Kyburg hinaus nach Turbenthal und Wila verlängert. Die Fahrt zwischen Wila und Zürich wird 48 Minuten dauern. Die S11 wird nach Sennhof-Kyburg die Stationen von Kollbrunn und Turbenthal bedienen, wie vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) zu erfahren ist. Zurzeit wird abgeklärt, ob die S11 auch in Rikon Halt machen kann, ohne die Fahrplanstabilität zu beeinträchtigen. Schon jetzt ist klar, dass ein Halt in Rämismühle-Zell wegen eines Trassenkonflikts nicht möglich ist.

Doch weshalb wird die S11 nur bis Wila fahren? Aus betrieblicher und wirtschaftlicher Sicht sei Wila ein idealer Endpunkt für diese Linie, sagt ZVV-Sprecherin Manuela Engeli auf Anfrage. Bei einer Weiterfahrt der S11 nach Bauma würde zum einen eine zusätzliche Zugskomposition benötigt, zum andern ergäben sich sehr lange Wendezeiten. Der Bahnhof Wila sei auch deshalb eine zweckmässige Endstation, da dort kein zusätzlicher Infrastrukturausbau zum Wenden der Züge notwendig sei.

Mit der S11 werden erstmals Doppelstockzüge auf der Bahnstrecke im Tösstal verkehren. Dabei werden die neusten blau-weissen Doppelstöcker von Stadler Rail (3. Generation) eingesetzt. Verbesserungen wird auch die bestehende S-Bahn-Linie S26 erfahren: Diese wird ab Dezember 2018 im exakten Halbstundentakt zwischen Winterthur und Rüti verkehren. Dies gewährleistet bessere Verbindungen für die Gemeinden im Tösstal sowohl Richtung Winterthur, als auch Richtung Rüti/Wetzikon. Derweil wird entlang der gesamten Bahnlinie zwischen Winterthur und Rüti gebaut, um die Infrastruktur an diese neuen Anforderungen anzupassen. Bis Ende 2018 werden insgesamt sechs Bahnhöfe ausgebaut: Sie werden einerseits behindertengerecht gestaltet und, wo nötig, zu Kreuzungsstationen erweitert. Zurzeit wird der Bahnhof Saland zur Kreuzungsstation umgebaut. Dazu gehört der Bau eines neuen Aussenperrons, der Ausbau des Hauptperrons sowie die Erstellung einer neuen Personenunterführung. Diese Arbeiten werden bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Im 2018 sind dann auch die Bahnhöfe Steg und Gibswil mit dem Ausbau an der Reihe: Beide Stationen werden behindertengerecht gestaltet und erhalten neue Perronanlagen.

Grosse Investition in die Region

Die SBB investiert insgesamt 54 Millionen Franken in den Ausbau der Tösstallinie zwischen Winterthur und Rüti. Die Finanzierung erfolgt über den Rahmenkredit für die 4. Teilergänzung der Zürcher S-Bahn. Dieser Kredit wurde im Oktober 2010 vom Kantonsrat gutgeheissen. 40 Prozent der Kosten übernimmt der Bund mit Mitteln aus dem Programm für den Agglomerationsverkehr.

Kommentar
Hartnäckiges Engagement Nachdem rund 25 Jahre lang vor allem die Zentren vom Ausbau der Zürcher S-Bahn profitiert haben, wird endlich auch in die Infrastruktur der Region investiert. 54 Millionen Franken sind eine ansehnliche Summe. Das Tösstal erhält damit ab Dezember 2018 einen durchgehenden, exakten Halbstundentakt zwischen Winterthur und Rüti sowie in den Stosszeiten erstmals eine Direktverbindung zwischen Zürich und Wila. Dies ist das Resultat eines langen und hartnäckigen Engagements der Tösstaler Gemeinden, um bessere S-Bahn-Verbindungen zu erhalten. Dieses Engagement war wichtig und richtig, denn es erlaubt ein massvolles Wachstum. Dank diesem wird das Tösstal als Wohnregion aufgewertet. Sichtbar wird dies bereits an den zahlreichen Wohnbauprojekten, die zurzeit zwischen Sennhof und Bauma realisiert werden. Sichtbar wird dies ebenfalls an den vielen bestehenden Häusern, die aktuell saniert oder renoviert werden. Diese Entwicklung ist aber auch eine Herausforderung, denn je mehr die Tösstaler Gemeinden dank der S-Bahn zusammenrücken, desto wichtiger wird die Koordination und Kommunikation bei überkommunalen Aufgaben.