Neues Jagdgesetz unter Beschuss

Das neue Jagdgesetz kommt bei Jägern schlecht an (Foto: Adobe Stock Fotos)

Am Entwurf des neuen kantonalen Jagdgesetzes hagelt es von allen Seiten Kritik, auch von den Gemeinden Turbenthal und Bauma. Turbenthal spricht von einer erstaunlichen «Machtkonzentration» beim Kanton. Die Gemeinde Bauma lehnt den Entwurf vollständig ab.

Anfang Jahr wurden im Kanton Zürich die Jagdreviere neu versteigert. Dies geschieht alle acht Jahre. Im Normalfall bewirbt sich für ein Revier eine Jagdgesellschaft, also eine Gruppe von Jägern mit Fähigkeitsausweis. Dass sich zwei Jagdgesellschaften für ein Revier bewerben, kommt zwar vor, ist aber eher selten. Und spektakuläre Bieteraktion gibt es sowieso kaum, denn der Kanton legt die Mindest- und Maximalgebote für ein Revier fest. Bei diesen Versteigerungen führen heute die Gemeinden Regie. Sie organisieren diese und ebenso erhalten sie einen Fünftel der Pachtzinseinnahmen.

Momentan wird das kantonale Gesetz über die Jagd und den Vogelschutz überarbeitet. Geht es nach dem Entwurf des Kantons zum neuen Gesetz, dessen Vernehmlassung Mitte Juli endete, soll sich zukünftig einiges ändern. So soll neu der Kanton die Jagdreviere einteilen. Diese Einteilung soll nach jagdlichen und wildbiologischen Kriterien erfolgen und sich nicht mehr hauptsächlich an den Gemeindegrenzen orientieren. Ebenso sollen die Reviere nicht mehr versteigert, sondern zu einem festen Revierpreis (Pachtzins) vergeben werden. Diese Vergabe soll neu durch die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons vorgenommen werden. Weil bereits heute bei vielen Versteigerungen nur eine Jagdgesellschaft bietet, komme dies schon jetzt einer Vergabe gleich, argumentiert der Kanton.

Kritik von allen Seiten

Dass Handlungsbedarf besteht, bestreitet fast niemand. Das heutige Jagdgesetz stammt aus dem Jahr 1929 und ist damit eines der ältesten noch geltenden Gesetze des Kantons Zürich. Es genügt in vielerlei Hinsicht den heutigen Anforderungen nicht mehr. Einerseits bestehen verschiedene Widersprüche zur eidgenössischen Gesetzgebung, andererseits haben sich die jagdlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahrzehnten ebenso stark verändert.

Breite Kreise lehnen den jetzigen Entwurf aber ab oder üben zumindest deutliche Kritik. So etwa der Verein Jagd Zürich, in dem gemäss Eigenangaben etwa 80 Prozent der Zürcher Jägerinnen und Jäger zusammengeschlossen sind. Den Verein stört unter anderem, dass neu der Kanton die Reviere vergibt und diese einteilen kann. Die direkten guten Beziehungen der Jagdgesellschaften zu den Gemeinden sowie der Erhalt der Gemeindeautonomie seien höher zu bewerten, schreibt der Vorstand in seiner Stellungnahme im Rahmen der Vernehmlassung. Interessant ist, dass der neue Gesetzesentwurf aus der Küche der Baudirektion von SVP-Regierungsrat Markus Kägi kommt, der selber passionierter Jäger ist.

Auch der Waldwirtschaftsverband Kanton Zürich, der die Interessen der Zürcher Waldeigentümer vertritt, ist mit dem Entwurf unzufrieden. Nach Auffassung des Vorstandes wurde mit dem Entwurf die Chance verpasst, die Waldeigentümer generell besser in die Belange der Jagd einzubinden.

Gemeinden hätten nichts mehr zu sagen

Zur Vernehmlassung eingeladen wurden unter anderem auch die Gemeinden. Der Gemeinderat Turbenthal kritisiert am Entwurf vor allem die Verschiebung der Befugnisse zum Kanton. Der Gemeinderat spricht von einer für den Kanton Zürich erstaunlichen «Machtkonzentration» beim Amt für Landschaft und Natur (ALN), habe doch die Gemeindeautonomie traditionell eine starke Stellung. Das ALN ist in der Baudirektion eingegliedert und unter anderem für die Jagd zuständig. Auch Turbenthal fordert einen besseren Einbezug der Waldeigentümer.

Ebenfalls geäussert hat sich der Gemeinderat Bauma. Er lehnt den Gesetzesentwurf vollständig ab. Andreas Sudler, Baumer Gemeindepräsident und passionierter Jäger, spricht auf Anfrage mit Blick auf das neue Gesetz von einer «Verstaatlichung» der Jagd. Vor allem die Reviervergabe neu durch den Kanton ist ihm ein Dorn im Auge. Er gibt zwar zu, dass es heute mangels Konkurrenz kaum zu echten Versteigerungen der Reviere kommt. «Tritt aber ein Fall von Konkurrenz ein, zum Beispiel zwischen einer einheimischen und auswärtigen Jagdgesellschaft, dann wollen wir als Gemeinde bestimmen, wer das Revier erhält», sagt er und fügt warnend an: «Entscheidet erst der Kanton, sei es gut möglich, dass unter Umständen eine auswärtige Gruppe das Revier erhält. Wir als Gemeinderat würden eine einheimische Jagdgruppe einer auswärtigen natürlich vorziehen, da die örtliche Vernetzung sehr wichtig ist vor allem in der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft aber auch mit der Bevölkerung.»

Ebenso stört den passionierten Jäger, dass die Gemeinden bei der Reviereinteilung neu «nichts mehr zu sagen hätten». Dies, obwohl die Gemeinden und Verantwortlichen vor Ort «besser über die Verhältnisse Bescheid wissen, als jemand aus Verwaltung, der in der Stadt Zürich sitzt.» Und letztlich gehe das neue Gesetz für die Gemeinde auch finanziell nicht auf. So soll neu der gesamte Pachtzins an den Kanton gehen, heute erhalten die Gemeinden ein Fünftel. «In Bauma entspricht das rund 3000 bis 5000 Franken im Jahr. Das ist nicht viel, aber immerhin», gibt der Baumer Gemeindepräsident zu Bedenken. Dass die Gemeinde mit dem neuen Gesetz im Gegenzug weniger Aufwand hätte, glaubt er ebenso wenig. Ausserdem ist er davon überzeugt, dass mit dem neuen Gesetz die Verwaltung des Kantons aufgestockt werden müsste und insgesamt alles teurer würde.

Zahlreiche Rückmeldungen erhalten

Bei der Baudirektion sind im Rahmen der Vernehmlassung zahlreiche Rückmeldungen zum Gesetzesentwurf eingegangen. Wie Mediensprecher Wolfgang Bollack auf schriftliche Anfrage hin schreibt, werde sich die Baudirektion zur inhaltlichen Kritik am Gesetzesentwurf aber nicht äussern. Die Würdigung der Antworten obliege dem Regierungsrat. Die Direktion wertet die Antworten momentan aus und schaltet voraussichtlich Anfang September einen Bericht darüber im Internet auf.

Nach der Auswertung überarbeitet die Baudirektion den Gesetzesentwurf und unterbreitet ihn voraussichtlich Anfang 2018 dem Regierungsrat. Dieser beschliesst dann über den neuen Gesetzesentwurf und unterbreitet diesen mit einem Antrag dem Kantonsrat. Aufgrund der breiten Kritik, vor allem durch die betroffenen Kreise, dürfte das Gesetz in der heutigen Form, wohl bereits im Kantonsrat wenig politische Überlebenschancen haben.

Weitere Neuerungen
Nebst der Änderung der Reviervergabe und -einteilung neu durch den Kanton, will der Entwurf zum neuen Jagdgesetz die jagdliche Aus- und Weiterbildung stärker gewichten. Die bisherige Regelung, wonach Personen ohne jagdliche Ausbildung für bis zu sechs Tage im Jahr als Jagdgäste eingeladen werden können, soll aufgehoben werden. Weiter sollen Jagdberechtigte zum Besuch von Weiterbildungskursen verpflichtet werden können. Und künftig muss jede Jagdgesellschaft mindestens eine besonders ausgebildete Person bezeichnen, welche die revierinterne Jagdaufsicht wahrnimmt. Die Jagdaufseherprüfung soll entsprechend angepasst werden.
Rolf Hug
Über Rolf Hug 106 Artikel
Redaktor
Kontakt: Webseite