Neuer «Sternen» in traditionellem Kleid

Der «Sternen» um die Jahrhundertwende. Nach diesem Bild wurde das neue Gebäude entworfen (Foto: zVg)

Die Baubewilligung für das neue Restaurant Sternen ist erteilt, die Baufreigabe absehbar, der Spatenstich auf Ende Sommer geplant.
Das geplante Gebäude orientiert sich optisch am alten – die Sternenberger sollen sich mit «ihrem Sternen» wieder identifizieren können.

Wenn Auswärtige heute im «Sternen», den sie im Film «Sternenberg» gesehen haben, einkehren wollen, treffen sie nach der kurvigen Fahrt durchs grüne Zürcher Oberland auf eine triste Brache, anstelle des erwarteten heimeligen Gasthauses. Marianne Brühwiler führt die verdutzten Ankömmlinge dann in das Haus nebenan, ihre Dependance, die zurzeit das provisorische Restaurant beherbergt. Denn vor eineinhalb Jahren ist dieses Sternenberger Wahrzeichen bis auf seine Grundmauern abgebrannt.

Seit 1996 ist Brühwiler Besitzerin des Restaurants Sternen, eines jahrhundertealten Wirtshauses. «Was gscheh isch, isch gscheh. – Vorwärts luege!» sagte sich Brühwiler, als sie vor der Brandruine ihres Hauses stand. Noch am selben Tag beschloss sie, den «Sternen» wiederaufzubauen. Denn die Seele dieses Hauses konnten die Flammen nicht vernichten und sie wollte sich und den Sternenbergern ihr gefallenes Stück Heimat wiedergeben.

Der «Sternen» bekommt seine Identität zurück

Das Anliegen, mit welchem Brühwiler und ihr Architekt, Stephan Weber von SRT der Architekten AG, den Neubau geplant haben, springt dem Betrachter der Bauzeichnungen gleich ins Auge. Weber nennt es «Identität stiften».

Als das friedliche Wirtshaus in Flammen aufging, war das nicht nur für Brühwiler und ihre Nächsten eine Tragödie. Für ganz Sternenberg war der Verlust dieses Hauses, zu dem alle irgendeinen Bezug hatten, eine emotionale Sache. Das ursprüngliche Gebäude ist in den Köpfen der Einwohner über Generationen verhaftet. Das alte Holzhaus gehört zur Dorfgeschichte und wurde über die Jahre auch von Auswärtigen mit malerischen Ausflügen, lustigen Ferienkolonien und frohen Festen in Verbindung gebracht. Für den Film «Sternenberg», den 2004 über 122000 Zuschauer sahen, war der «Sternen» Teil der Kulisse und erlangte dadurch endgültig schweizweite Bekanntheit. Der neue «Sternen» soll deshalb das Haus aus den Erinnerungen wiederspiegeln – seine Gäste und die Sternenberger sollen ihn wiedererkennen, ihn wieder als «ihren Sternen» annehmen können.

Auch wenn an der Grösse des Neubaus aus Kostengründen etwas eingespart werden muss, wird er dem einstigen Originalbau zum Verwechseln ähnlichsehen. Der «Sternen» wird wieder von einem Kreuzfirst überdacht. Die geschwungene Giebelfassade über dem Haupteingang ist eine unverkennbare Besonderheit im Tösstal. Die Fassade bekommt wie einst auch einen Schindelschirm. Jedoch wird dieser nicht überstrichen, sondern in Naturholz gehalten. Auch die Wetterschutzdächer, welche einst die Fenster vom Regen schützten, sind für die Fassade wieder vorgesehen.

Mit Hilfe von Bildern, die noch vor den letzten Renovationen geschossen wurden, konnten Teile des Hauses rekonstruiert werden, die in jüngster Zeit nicht mehr sichtbar waren. So der Strahlenbogen, der einst die ehemalige Tür zum Tenn schmückte und dann einem betonierten Eingang weichen musste. Links davon werden auch die drei nach oben runden Fenster wiedereingesetzt. Letztens waren sie zugemauert, in Zukunft werden sie die Öffnung zur neuen Terrasse sein.

Neu höher und rollstuhltauglich

Nach aussen neu erscheint der Haupteingang, der mit einer leichten Rampe rollstuhlgängig gemacht wird. Auch innen wird es einige Neuerungen geben, respektive das Gebäude komplett neu strukturiert. Ausser die Gaststube – das Wichtigste –, die wird sich wieder am selben Ort finden lassen, mit ein paar Sitzplätzen mehr. Dafür wird das «Bauernstübli» wegfallen müssen. Die Geschosshöhe wird der heutigen Norm angepasst. Wo einst das Tenn war, entsteht ein Treppenhaus mit Lift. Dazu wird es zur Übernachtung zwei Gästezimmer und zwei Studios geben. Und nicht zu vergessen, auch wieder eine Wirtewohnung.

Brühwiler ist schon ganz aufgeregt. Die beiden wichtigsten Sachen für ihr neues Reich hat sie bereits. Die Küche und den Kachelofen. Die Küche konnte sie diese Woche nach ihren Wünschen aussuchen, wonach ihr «en riesige Stei vom Herzen» genommen wurde. Für sie ist die Küche am wichtigsten, denn «ich bin ja Köchin», so Brühwiler. Die Aufteilung sei nun viel besser als früher und die Küche genauso, wie sie es sich immer gewünscht habe.

Ein Kachelofen mit Sternen

Dass es wieder einen Kachelofen gebe, stand für Brühwiler auch von Beginn weg fest – ohne, ginge nicht. Vor der Budgetierung des Neubaus rechnete sie noch damit, dass es für einen Kamin wohl nicht reichen würde, der Ofen deshalb elektrisch geheizt werden müsse. Doch diese Befürchtung wurde zerschlagen, denn das Budget stimmt und ihr Vater zahlt ihr etwas an den Ofen, denn ein Holzfeuer muss sein.

Den passenden Ofen fand Brühwiler sogar in Sternenberg. Das Teil war vor 30 Jahren der erste Ofen, mit dem Hafner Michel Kramer seine Hafnerei in Sternenberg öffnete. Ursprünglich stand er in einem Bauernhaus in Altlandenberg. Zum «Sternen» wird er nicht nur wegen seines nostalgischen Alters passen – der Ofen ist von 1856 – sondern besonders wegen der Kacheln. Mit einer Schablone aus Geissenleder wurde den grünen Kacheln dazumal ein feines Muster gegeben: Weisse Sterne.

Nachdem die Baubewilligung im April erteilt wurde, läuft dieser Tage die Rekursfrist aus. Dann können alle weiteren Vorkehrungen getroffen werden, damit der Baufreigabe und somit dem ersten Spatenstich nichts mehr im Weg steht. Voraussichtlich wird es Ende Sommer soweit sein. 2019 sollten die Sternenberger dann ihren Sternen wieder-
haben.