Neue Wege, neues Glück

Ehrlich gesagt, ich mag meinen Alltagstrott. Das selbe Spiel, Tag für Tag. Aufstehen, arbeiten, entspannen, schlafen… und wieder von Vorne. Ich meine es nicht ironisch, ich mag es wirklich!

In all den Jahren habe ich mir ein Leben aufgebaut, das mir Spass macht, in dem ich mich wohl fühle. Alles hat seinen Platz, die Abläufe sind immer die selben. Ich bin halt ein Gewohnheitsmensch. Am liebsten ist mir, wenn alles einfach ist, wie es ist. Die Routine gibt mir Sicherheit und diese tut mir gut. Veränderungen mag ich nicht. Ich bin gerne festgefahren und vielleicht auch etwas bünzlig.

So geniesse ich seit knapp einem Jahr die täglichen Spaziergänge mit meinem Hatschi. Er liebt es, stundenlang mit mir durch die Gegend zu laufen. Klein wie er ist, mag er doch ganz schön mithalten. So laufen wir auf unseren Hundespaziergängen immer die selben zwei, drei Runden. Mir gefällt es, weil ich doch immer wieder etwas Neues entdecke, mir die Jahreszeiten verschiedene Eindrücke servieren. Aber auch da: Ich bin einfach die Gewohnheit in Person. Ich komme selten auf die Idee, dass ich mal etwas Neues ausprobieren, einen anderen Weg einschlagen könnte. Die Macht der Gewohnheit siegt meistens. Das höchste der Gefühle was Veränderung abelangt ist, wenn ich in einem Anfall von Mut mal wieder meine Wohnung umstelle. Da kann ich ganz schön aus mir ausbrechen und mich verwirklichen. Das wars dann aber auch mit Mut zu Neuem. Und es kam auch schon öfters vor, dass ich zwei Wochen später wieder umstellte, weil es mir doch nicht passte. Hahaha, äs chogä Züüg…

Und dann zeigt mir das Leben neue Wege

Und dann zeigt mir das Leben plötzlich wieder, dass es eben doch wichtig ist, dass man neue Wege geht, den Mut dafür aufbringt. Dass man die Gewohnheit durchbricht und einfach mal macht. Egal was. Egal, wohin der Weg führt. Nicht nur, aber auch, auf Spaziergängen. Mit Mut voranschreiten, dem Leben folgen. So, wie es meine Tochter macht. Sie hat diese Woche ihre Lehre zur Fachfrau Gesundheit begonnen. Ein neuer Weg, weg von der Gewohnheit, hinaus in ein neues Leben. Ihre Freude, ihr Elan, da staune ich! Sie geht den neuen Weg ohne Ängste, ohne Zweifel. Ich glaube, dass ich als Mami – und eben Bünzli – mir viel mehr Gedanken mache darüber, wohin ihr Weg sie führen wird. Das Leben ist halt nicht planbar.

Während ich unter der Woche Tag für Tag meine gewohnten Spaziergänge mache, ist mein Partner am Wochenende dann der, der die neuen Wege einschlägt, meine Gewohnheit durchbricht. Er ergreift die Initiative, serviert mir Ideen, wie ich sie niemals selbst hätte. So gehen wir spontan durch irgendein Gebüsch und landen an einem wunderschönen Weiher, sonnen uns auf einem Bänkli und geniessen das Leben. Unzählige, wundervolle Plätze haben wir so schon entdeckt zusammen. Und ich bin ihm unglaublich dankbar dafür, dass er mir zeigt, was das Leben neben meiner Gewohnheit und Routine zu bieten hat. Ich wusste gar nicht, wie wunderschön das Tösstal neben meinem geliebten Turbenthal ist! Was da alles zum Vorschein kommt, direkt vor der Haustüre, das ist einfach der Wahnsinn! Wälder, Aussichten, Weiher, Bäche, Hügel… Einfach traumhaft! Egal welches Wetter, welche Jahreszeit. Es ist jedes Wochenende einfach toll, etwas Neues zu entdecken und ich merke, dass ich Spass daran finde, die neuen Wege zu gehen. So kommt es, tatsächlich wahr, immer wieder mal vor, dass ich zu den gewohnten Wegen unter der Woche auch einen neu kennengelernten einschlage und mich von Herzen freue, wie schön das Tösstal doch ist.

Die Macht der Gewohnheiten durchbrechen

Und so sollte es doch auch mit dem Leben sein. Die Macht der Gewohnheit durchbrechen. Die Routine weglassen und etwas wagen, sich am Leben erfreuen. Deshalb habe ich, mutig wie ich anscheinend doch sein kann, auch ganz spontan Ferien gebucht. Die letzten Jahre war ich immer an ein und der selben Stelle am Vierwaldstädtersee campen mit meinen Kindern. Tagelang waren wir auf dem selben Campingplatz, im selben Zelt, an ein und demselben Platz. Jahrelang. Dieses Jahr stiegen wir einfach in ein Flugzeug und genossen herrliche Tage auf Zypern. Lagen am Strand, genossen das Nichts-tun und hatten eine wunderschöne Zeit. Ich gebe zu, ich habe den Campingplatz in Brunnen schon etwas vermisst… Aber einen neuen Weg einschlagen hat gut getan. Ich bin irgendwie auch stolz, dass ich den Mut hatte, einfach mal etwas anderes zu tun. Ohne gross darüber nachzudenken. Einfach machen, dem Ruf des Lebens folgen, einfach sein.

Ich habe, einmal mehr, erkannt, dass sich die schönsten und besten Dinge hinter der Gewohnheit verstecken. Dass man manchmal die Konfortzone verlassen muss, um die besten Erlebnisse zu haben. Dass das wahre Leben nicht aus Routine bestehen sollte. Und dass sowieso selten im Leben etwas einfach bleibt, wie es ist. Dinge verändern sich, Umstände verändern sich und wir selber verändern uns. Und ich glaube, dass das ganz gut ist so. So werde ich auch weiterhin neue Wege beschreiten und das Leben und das Tösstal von einer anderen, einer neuen Seite kennen lernen. Und mich selbst vielleicht auch ein bisschen.