Neue Grüngut-Lösung erst auf 2019 geplant

Am Workshop vergangenen Donnerstag diskutierten die Wildberger das Thema Grüngutentledigung in Gruppen und Themenblöcken )Fotos: pfe)

33 Bürger befassten sich am letzten Donnerstag mit der Grüngutentledigung in den drei Wildberger Dorfteilen. Ziel des Workshops war, das latente Problem der Grüngutentsorgung einer kompromissfähigen Lösung zuzuführen. Eine Arbeitsgruppe soll nun mehrheitsfähige Lösungsvarianten zuhanden der Bevölkerung ausarbeiten.

Im Wort Grüngutentsorgung steckt deutlich mehr als nur Grüngut und Entsorgung. Es geht um mehr als nur Entsorgen. Es geht auch um das Wie, also wie entsorgt wird. Und wo, und wann, und was das kosten darf. Sogar Soziales steckt in der Wortbildung. Zumindest für einige Einwohnerinnen und Einwohner aus Wildberg, wie aus verschiedenen Äusserungen im Rahmen des Workshops zum Thema Grüngutentsorgung abgeleitet werden kann. 33 Personen aus Schalchen, Ehrikon und Wildberg folgten am letzten Donnerstag dem Aufruf des Gemeinderates Wildberg und der Schewi-Brugg, sich mit der Grüngutentledigung in den drei Dorfteilen zu befassen. Ziel des Workshops war es, das in Wildberg latente Problem der Grüngutentsorgung einer kompromissfähigen Lösung zuzuführen. Ideen dazu waren gefragt.

Ein- und Ausgaben ändern jährlich

«Eine stolze Zahl von Teilnehmenden» sei dies, sagte Gemeindepräsident Dölf Conrad in seiner Begrüs-sungsrede in der Kirchenstube, zu der über den Erwartungen liegenden Anzahl Personen jeglichen Alters. Es sei in letzter Zeit in der Gemeinde zu kurz gekommen, die Stimme der Bevölkerung einfliessen zulassen, gestand das Gemeindeoberhaupt und versprach auch gleich Besserung: «Das wird sich aber ändern im Hinblick auf die neue Legislatur nach den Wahlen.»

Peter Weber als verantwortlicher Gemeinderat für das Ressort Gesundheit ging auf Eckdaten ein, die man kennen sollte, um an diesem Abend neue Ideen und praktikable Lösungsansätze auszuhecken. Die Gemeinde verzeichnete im Jahr 2016 Einnahmen von 105’000 Franken auf dem Konto Entsorgung allgemein, abgeflossen seien ab dem gleichen Konto rund 111’000 Franken. Die Differenz werde jeweils mit dem Spezialfinanzierungskonto «Abfallbeseitigung» ausgeglichen, das derzeit einen Saldo von gegen 107’000 Franken ausweise, zeigte der Ressortverantwortliche auf. «Dieses Konto brauchen wir als Schwankungsreserve, weil die Ein- und Ausgaben bei der Entsorgung jährlich ändern und wir nicht laufend die Gebühren anpassen wollen.»

Grüngutablieferstellen sind auch soziale Treffpunkte 

Nebst dem allwöchentlichen Einsammeln des Grünguts auf den Sammelplätzen in den Dorfteilen mit einer gewogenen Jahresmenge von 70 Tonnen würden noch weitere 60 Tonnen Grüngut pro Jahr im Tobelhof in Rikon direkt an der dortigen Sammelstelle abgeliefert, ergänzte Weber. Da das Gewicht des privat abgegebenen Materials oft zu hoch angegeben werde, zahle die Gemeinde für das privat abgegebene Material zu viel. Grüngut umfasse ausserdem einzig den Gartenabraum, nicht aber die Küchenabfälle, stellte Weber klar. In seinen Vorbereitungen für den Workshop habe er sich noch mit den Lösungen von Wila und Turbenthal befasst, die er dem Plenum kurz vorstellte.

Als Vorgabe des Gemeinderates sei zu beachten, dass alle Lösungsvorschläge und kreierte Varianten via Gebühren zu finanzieren sind und für alle drei Dorfteile passend sein müssten. Ferner merkte Weber an, dass mit der heutigen Version bei weitem nicht alle Leute in Wildberg unzufrieden seien, wie es aufgrund der negativen Reaktionen an der Gemeindeversammlung vom Juni 2017 den Anschein machte. Viele Personen hätten ihm mitgeteilt, dass die samstäglichen Sammeltreffpunkte im Rahmen der heutigen Grüngutsammlung jeweils auch soziale Kontakte bedeuten würden. «Man trifft sich nämlich und hat Zeit für einen Schwatz.»

«World Café» als noch ungewohnte Workshop-Form

Seitens Schewi-Brugg als federführender Organisation für den Workshop erklärte Sabine Oberländer den Ablauf. Es sind an verschiedenen Tischen insgesamt sieben Diskussionspunkte auf Plakaten vorbereitet, über die man sich äussern kann, präzisieren soll sowie weitere Anforderungen, Wünsche und Vorstellungen notieren möge. Die von Sabine Oberländer gebildeten Gruppen rotierten in regelmässigen Zeitabständen von einem Diskussionsthema zum nächsten und liessen sich vom jeweiligen «Themenverantwortlichen», der fix am Tisch verblieb, über das bisher Gesagte orientieren. Dank dieses Rotations-Prinzips war es möglich, an den bereits gefundenen neuen Ideen zum jeweiligen Thema weitere Anpassungen, Ergänzungen oder Wünsche anzuknüpfen.

Sabine Oberländer von der Schewi-Brugg fungierte als Gesprächsleiterin; rechts Gemeinderat Peter Weber, der unter anderem für die Grüngutentsorgung zuständig ist
Sabine Oberländer von der Schewi-Brugg fungierte als Gesprächsleiterin; rechts Gemeinderat Peter Weber, der unter anderem für die Grüngutentsorgung zuständig ist

Diese Form des «World Café»-Prinzips fand nach ersten Anlaufschwierigkeiten guten Anklang. Die Teilnehmenden vertieften sich engagiert in die Varianten- und Ideenausbrütung. Es herrschte eine gute, wohlwollende Stimmung. Man regte sich gegenseitig an, diskutierte Einwände, wühlte in der Erfahrungskiste und einigte sich auf zu notierende Formulierungen und Stichworte zum jeweiligen Themenschwerpunkt. Die anwesenden Gemeinderäte zeigten sich erfreut ob der lebhaften Lösungsfindung.

Nach 90 Minuten intensiver Debatten kristallisierten sich zu den vorgegebenen Themenschwerpunkten wie Termine, Sammelstandorte/Abholung/Anlieferung, Kosten und Sonstiges einige neue, interessante Ansätze heraus. Zahlreiche Teilnehmende brachten dennoch zum Ausdruck, dass das heutige Grüngutsammelsystem auch seine guten Seiten habe.

Arbeitsgruppe erarbeitet mehrheitsfähige Varianten 

Bevor Sabine Oberländer das Zepter wieder an den für die Entsorgung zuständigen Gemeinderat Peter Weber übergab, stilisierte sich eine neue Ausgangslage hervor: «Was machen wir jetzt mit diesen vielen neuen Anregungen, Ideen, Wünschen und Forderungen?» Das habe er sich auch überlegt, sagte Weber. Spontan könne man kein Fazit aus den vielen Ansätzen ziehen. Es sei geplant, so wiederholte Weber nochmals die Ausgangslage des Abends, dass der Gemeinderat mit den vielen ausgearbeiteten Ansätzen in Klausur gehe und einen Vorschlag der Bevölkerung unterbreite. Einige der Anwesenden schlugen jedoch eine andere Vorgehensweise vor: Peter Weber möge doch eine Arbeitsgruppe bilden, die sich mit dem «Stoff» von diesem Workshop-Abend auseinandersetze und zuhanden der Bevölkerung zwei bis drei mehrheitsfähige Varianten ausschaffe, über die die Stimmbürger dann zu befinden hätten. Es wurde befürchtet, so einige kritische Wortmeldungen, dass seitens Gemeindebehörde wieder im stillen Kämmerchen eine Lösung ausgebrütet würde, die dann schlussendlich doch niemanden befriedige. So geschehen im Juni 2017, als der Gemeinderat mit der damals präsentierten neuen Lösung die Erwartungen der Versammlungsteilnehmenden nicht erfüllte.

Weber sprang dankbar auf diesen Zug auf, wandte aber ein, dass mit diesem Vorgehen, der Bildung einer Arbeitsgruppe, der vorgesehene Fahrplan hinfällig würde. Angedacht sei nämlich gewesen, eine neue Lösung zur Grüngutentsorgung im Frühling 2018 in Kraft zu setzen. Weber entschied aufgrund der neuen Ausgangslage spontan, dass für das nächste Jahr noch das bisherige Regime für die Grüngutentsorgung gelten würde. Damit schienen sich die meisten der Anwesenden abfinden zu können. Verlangt wurde noch, dass die im Vorfeld des Workshops von Stefan Temperli eingereichte Lösung bekannt gemacht würde, was der anwesende Initiant auch gleich gerne tat. Temperlis Idee wird von der neuen Arbeitsgruppe Grüngutentsorgung ebenfalls mitberücksichtigt. Die kurze Umfrage zeigte eine gute Befindlichkeit mit dem weiteren Vorgehen in der Akte Grüngutentsorgung in Wildberg. Der Grundtenor am Schluss war: «Lieber erst 2019 eine neue und gute Lösung, als eine schnelle und wieder nur halbbatzige.». Und: «Die der Bevölkerung vorzulegenden neuen Varianten müssen ein Preisschild haben.» Und einig war man sich auch darüber, dass wer die Chance nicht wahrnimmt, an neuen Lösungen mitzuarbeiten, nehmen müsse, was die in der Gemeinde Aktiven erschaffen. Ganz nach dem Motto: Wer stimmt, bestimmt.