Nasser Start in die Dampfbahnsaison

Der Ofen ist eingeheizt (Fotos: Manuela Kägi)

Der Start der Dampfbahn fiel nicht gerade ins Wasser; aber nass war er. Doch das liess die «Dampfbähnler» nicht verdriessen – und das Publikum auch nicht. Die Dampfbahn Zürcher Oberland bleibt ein beliebtes, sonntägliches Ausflugsziel.

«Es kann nur noch besser werden»; unter dieses Motto hätte man den Saisonstart des Dampfbahnvereins Zürcher Oberland stellen können – jedenfalls (sau-)wettermässig. Das nasskalte Frühlingswetter war wirklich nicht einladend. Auch Lokführer Wädi (Walter) Schmid schaute besorgt auf die Strecke: Ob die «Hinwil», die Dampflok, es wohl schafft, die steile Strecke von Bauma nach Neuthal hinauf? Oder kommt sie auf den nassen Schienen ins Schleudern und bleibt stecken? Und das bei seiner zweitletzten Fahrt als Lokführer. Immerhin beträgt die Steigung 29 ‰ und ist damit steiler als die Gotthardstrecke. Der Rangiertraktor steht jedenfalls bereit, um der betagten Dampflok zu Hilfe zu eilen. Doch es ging ohne Probleme; nach der stärksten Steigung streckte Wädi Schmid den erhobenen Daumen aus dem Lokomotivfenster. Auch auf der Rückfahrt von Hinwil nach Bauma schaffte sie es; die Steigung ist dort zwar nicht stärker, aber bedeutend länger.

Eine neue Fahrsaison mit Höhepunkten

Der Start in die neue Saison ist – trotz Wetterunbill – also gelungen. Die Saison bringt auch wieder Neues, wie Präsident Hugo Wenger zu berichten weiss. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei das Freilichttheaterprojekt «Spinnen im Neuthal», das ab Ende August den ganzen Monat September hindurch stattfinden wird. Ein Teil des Theaterabends findet in den Waggons der Dampfbahn zwischen Bauma und Bäretswil statt. «Das sind die ersten Nachtfahrten der Dampfbahn – jedenfalls Nachtfahrten mit Passagieren», ergänzt Hugo Wenger. Also für den Dampfbahnverein eine Premiere besonderer Art. Mit der Verbindung von Kulturerbe und zeitgenössischem Kulturschaffen betritt der Verein ebenfalls Neuland.

Ein weiterer Höhepunkt ist natürlich das traditionelle Fahrzeugtreffen im Oktober. Noch steht das Programm nicht fest, aber sicher wird die Gotthardbahn mit zwei Elektrolokomotiven vertreten sein: die Be 4/6, mit dem schönen Namen «Rehbock», die erste elektrische Lok am Gotthard aus dem Jahr 1920, und die legendäre Ae 6/6, die erste moderne elektrische Lok, die von 1952 bis 1966 gebaut und erst vor ein paar Jahren aus dem Dienst genommen wurde. Auch die Buchung vieler Extrafahrten von Firmen, Vereinen und Privatpersonen versprechen eine erfolgreiche Fahrsaison.

Längerfristige Projekte im Visier

Neben der aktuellen Saison stehen auch langfristige Aufgaben an, die zu lösen sind. Dafür strebt der Dampfbahnverein eine engere Vernetzung mit SBB, Kanton und Gemeinde an. «Es kann nicht sein, dass immer die Dampfbahn die zukünftigen Schritte allein anreissen muss», meint Hugo Wenger. Seit der Errichtung der Halle in Bauma, sei auch der Kanton aufmerksamer auf das Kulturgut Dampfbahn geworden. Man beginne jetzt, vermehrt gemeinsam zu planen. Als nächstes Grossprojekt steht die Gestaltung des Depotareals an; daran ist der Kanton durch das AWEL (Amt für Wasser, Energie und Luft) im Rahmen der Renaturierung des Tösslaufs hinter dem Bahnhof Bauma beteiligt, ebenso wie die SBB als Landbesitzerin.

Auch die SBB hat denkmalpflegerische Probleme zu lösen: so war vor zehn Tagen im «Tages-Anzeiger» zu lesen, dass der denkmalgeschützte Güterschuppen des Bahnhofs Wollishofen in Zürich der neuen Bahn-infrastruktur im Weg sei und die SBB dafür einen neuen Standort sucht. Dabei war auch von Bauma die Rede. Dieses Geschäft will Hugo Wenger aber vorerst einmal der SBB überlassen. Ideen und Skizzen für die Gestaltung des Areals sind schon vorhanden. «Eine Drehscheibe liegt schon bereit für den Einbau in die Gleisanlage», verrät Florian Vogel, Projektleiter für die Gestaltung des Depotareals. Eines ist sicher: Ein Ausbau des Depotareals ist aus Gründen des technischen Unterhalts des Fahrzeugparks wichtig. Aber auch optisch könnte er eine Verbesserung bringen. So toll die neue Bahnhofshalle auch ist, sie wirkt, jedenfalls wenn man von oben auf das Areal blickt, mit ihren Dimensionen ein bisschen wie ein Fremdkörper; ein Ausbau des Areals würde sie organischer einbetten.

Ungebrochenes Interesse

Dass die Weiterentwicklung der Dampfbahn Sinn macht, zeigt schliesslich auch das Publikums-interesse. Immer wieder erhält der Verein Anfragen für Führungen durch die Bahnhofshalle und das Bahnareal. Auch der diesjährige Saisonstart zeugt vom Interesse und der Beliebtheit der Dampfbahn. Trotz der misslichen Wetterbedingungen fuhren die unbeheizten Züge nicht leer durch die Gegend. Wenn der erste Zug auf der Fahrt von Bauma nach Hinwil noch mässig belegt war, so war er auf dem Rückweg schon recht gut besetzt. Bahnfreunde, Senioren und Seniorinnen und vor allem Familien mit Kindern, genossen die Fahrt durch den Regen hinter beschlagenen Scheiben – als hätten sie nur darauf gewartet, dass die Bahnsaison endlich losgeht.