Mit zwei Heizkesseln dem Winter entgegen

Emil Ott, Verwaltungsratspräsident der Holzenergie Rikon AG, neben dem neuen Heizkessel (Foto: md)

Die Erweiterung des Wärmeverbundes Rikon geht in die Endphase: Seit kurzem ist in der Heizzentrale Rikon ein zweiter Heizkessel in Betrieb genommenen worden. Beide Kessel haben eine Leistung von je 1600 Kilowatt. Dank dieser Leistungssteigerung konnte nun auch Hinterrikon ans Fernwärmenetz angeschlossen werden.

Die Holzenergie Rikon AG hat die geplante Leistungsfähigkeit ihres Holzschnitzelkraftwerks in Rikon erreicht: Seit Anfang September ist ein zweiter Heizkessel mit 1600 Kilowatt Leistung betriebsbereit. Damit verdoppelt sich die zur Verfügung stehende Heizleistung. Der erste Heizkessel wurde vor einem Jahr in Betrieb genommen. Mit diesem wurde eine im Altersheim Spiegel betriebene alte Holzheizzentrale mit einer Leistung von 660 Kilowatt abgelöst. Während mehr als 25 Jahren wurden damit die Schulhäuser von Rikon, das Alterszentrum «Im Spiegel», das Gemeindehaus und die dazugehörigen Wohnungen sowie ein Einfamilienhaus beheizt.

Die Holzenergie Rikon AG hat dieses Leitungsnetz im Jahr 2014 übernommen und es kontinuierlich erweitert. Mit dem Anfang September in Betrieb genommenen zweiten Heizkessel wird auch die Anfang 2017 verlegte Fernwärmeleitung nach Hinterrikon, mit dem Tobelsteig und dem Mühleweg, mit Heizwärme versorgt. Insgesamt werden nun 24 Einfamilien- und 32 Mehrfamilienhäuser, die Firma Kuhn Rikon AG, die gesamte Schulanlage, die Gemeindeverwaltung und das Alters- und Pflegeheim «Im Spiegel» von der Heizzentrale aus mit Wärme beliefert. In der Kesselhalle hätte es noch Platz für einen dritten, kleineren Heizkessel mit einer Leistung von 300 bis 400 Kilowatt. Doch dies ist vorläufig noch Zukunftsmusik.

Energie aus der eigenen Gemeinde

Die Unternehmung Holzenergie Rikon AG wurde im Dezember 2013 gegründet und wird zurzeit von 39 Aktionären aus der Region getragen, erklärt Verwaltungsratspräsident Emil Ott bei einem Rundgang durch die Anlage. Meist handelt es sich um Waldeigentümer aus der Gemeinde Zell. Im Holzschnitzelkraftwerk soll vor allem Brennstoff aus der Gemeinde verfeuert werden. Für eine durchschnittliche Heizperiode sind laut Ott rund 8000 Kubikmeter Holzschnitzel notwendig. Der Holzschnitzelbunker neben der Heizzentrale fasst rund 800 Kubikmeter. «Wir sind eine waldreiche Gegend. Ein ansehnlicher Teil des hiesigen Holzes, es ist vor allem Laubholz, lässt sich als Energieholz nutzen.» Den Anstoss zur Gründung einer AG für die Wärmeversorgung gab die Entscheidung der Gemeinde Zell, die frühere Holzheizzentrale im Alterszentrum «Im Spiegel» mit Beginn der Renovation des Zentrums nicht mehr zu betreiben. So gründeten die Waldbesitzer die Holzenergie Rikon AG mit dem Ziel, das Fernwärmenetz auch künftig mit Holzschnitzeln zu beheizen. Ihr Engagement hat sich gelohnt: Sie erhielten den Zuschlag für die Lieferung von Fernwärme und ein anderes Projekt. Dieses sah die Produktion von Heizenergie mittels einer Grundwasser-Wärmepumpe vor, und wurde bereits wieder «ad Acta» gelegt.

Die beiden Heizkessel sind für eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Ein Heizkessel verfeuert pro Tag rund 40 Kubikmeter Holzschnitzel. Laufen die Heizkessel auf Hochbetrieb, muss alle zehn bis fünfzehn Tage der Holzschnitzelvorrat erneuert werden. Deshalb lagern bei der Heizzentrale noch rund 1000 Kubikmeter Rundholz als Wintervorrat. «Wenn nötig kann man dieses Rundholz mit einem grossen Häcksler an Ort und Stelle in Schnitzel verwandeln», verrät Ott. Die beiden Heizkessel können vom Lieferanten bei Bedarf auch ferngesteuert werden, um diese optimal einzustellen. Die Holzenergie Rikon AG beschäftigt insgesamt fünf Mitarbeiter im Nebenamt. Der Heizungswart Fredi Maino und seine zwei Stellvertreter sind für die Überwachung, den Unterhalt und die Reinigung der Heizkessel zuständig.

Geschlossener Heizwasserkreislauf

Wenn die neue Heizperiode beginnt, werden die beiden Heizkessel nur 60 Prozent ihrer Leistung benötigen, um die Wärmeversorgung sicherzustellen. «Wir haben genügend Reserven eingeplant, um bei grosser Kälte noch aufzudrehen», sagt Ott. Die Ausgangswärme des Heizwassers liegt bei 70 bis 75 Grad, die Rücklauftemperatur bei rund 50 Grad. Die Heizzentrale verfügt über einen Speicher mit 110’000 Liter Fassungsvermögen und läuft übrigens auch im Sommer, weil sie ja nicht nur Heizwasser, sondern auch Warmwasser produziert. Das entmineralisierte Heizwasser fliesst in einem geschlossenen Kreislauf. Kalkablagerungen im Leitungsnetz werden damit ausgeschlossen. Aus den beiden schlanken Kaminen steigt zum grössten Teil Wasserdampf in die Höhe, denn die Abgase der Heizzentrale werden mit zwei mächtigen Elektrofiltern, von denen jeder 50000 Franken kostet, gereinigt. Die Anlage in Hinterrikon entspricht damit den strengen kantonalen Luftreinhaltevorschriften. Insgesamt wurden laut Ott 3,5 Millionen Franken in die Heizzentrale investiert. Das Land, auf dem die Zentrale steht, ist von der Kuhn Rikon AG für 40 Jahre im Baurecht erworben.

Tag der offenen Tür am Samstag, 7. Oktober 2017 von 10 bis 16 Uhr