Mit wiederentdeckter Natürlichkeit zum Erfolg

Malermeister Sergio Borgo setzt auf ökologische Farben (Foto: sl)

Seit über 40 Jahren im Geschäft und regional verankert: Das Malergeschäft Borgo. Im Gespräch erzählt uns Malermeister Sergio Borgo von den Freuden, aber auch der einen oder anderen Tücke seines Berufsalltags.

Kollbrunn – Sergio Borgo erzählte dem «Tößthaler» wie er vom Deckhand zum Malermeister wurde.

«Der Tößthaler»: Herr Borgo, was hat sie dazu bewegt eines Tages zu sagen: «Doch, ich möchte Maler werden»?

Sergio Borgo: Das war mir ganz am Anfang noch gar nicht so klar. Da aber mein Vater bereits das Malergeschäft besass und ich zuerst noch so unschlüssig war, was ich machen sollte, hat sich das am Ende auch ein bisschen ergeben. So entschied ich mich für die Ausbildung zum Maler.

Nach dem höheren Abschluss als Malermeister haben Sie dann also das Geschäft ihres Vaters übernommen?

Eigentlich schon während dieser Zusatzausbildung. Zuvor habe ich aber noch andere Dinge ausprobiert. Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang Versicherungen verkauft und war sogar einmal Deckhand (Matrose) auf einem Schiff. Dann plante mein Vater, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen und fragte mich, ob ich bereit wäre, dass Malergeschäft zu übernehmen. Und das war der Moment, als ich mir sagte: Klar, das mache ich. 1995 wurde das Geschäft dann auf mich überschrieben und ich dachte mir, wenn ich schon ein Geschäft leite, möchte ich auch wirklich alles Nötige wissen. So habe ich mich zusätzlich für die Malermeisterschule in Zürich angemeldet.

Ein wie grosses Team sind sie jetzt?

Wir sind zu sechst. Drei gelernte Maler, ein Lehrling, ich und meine Frau, die einen Grossteil der Arbeiten im Büro erledigt. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, nur einen Lehrling auf einmal auszubilden. So kann man sich gezielt auf eine Person konzentrieren. Der Lehrling hat in unserem kleinen Betrieb die Möglichkeit, mit jedem Mitarbeiter mitzugehen und die verschiedenen Vorgehensweisen kennen zu lernen.

Was sind denn ihrer Meinung nach die besten Voraussetzungen, um Maler zu werden?

Man muss sicher körperlich fit sein, denn es ist ein fordernder Beruf. Man sollte sich aber auch konzentrieren können, um Feinarbeiten auszuführen. Das Farbempfinden spielt sicher auch eine Rolle – es gehört zum kreativen Teil. Ich persönlich mag es ebenfalls, kreativ mit Farben und Formen zu arbeiten. Es gibt natürlich auch die sehr technische Seite des Berufs und Betriebe die sich konkret darauf spezialisieren. Irgendwann fördert man dann seine Stärken. So entwickelt sich das Profil eines Mitarbeiters: Jemand ist vielleicht mit Feinarbeiten begabt, jemand anderes ist besser bei gröberen Arbeiten einsetzbar. Auf jeden Fall sollte man zuerst schnuppern, denn es gibt leider auch viele Klischees über den Malerberuf, die nicht stimmen.

Was für ein Klischee zum Beispiel?

Dass es stinkt. Ja, tatsächlich, das mit dem Stinken. Dabei hat sich in den letzten Jahren einiges in Bezug auf Umweltschutz und Lösemittel getan. Wir arbeiten zu 90 Prozent mit wasserverdünnbaren Farben – das riecht längst nicht mehr so wie früher.

Auf ihrer Webseite liest man auch vom Gebrauch von ökologischen Farben – ein Anliegen?

Zuerst einmal finde ich es generell wichtig, dass man eine gewisse Standardqualität anbietet. So muss sich kein Kunde mit der Frage auseinandersetzen: «Ist das jetzt giftig oder nicht?» Ich gehe den vertretbaren Weg. Zusätzlich bieten wir besonders ökologiebedachten Kunden eine Linie, die konkret auf diese Thematik ausgerichtet ist. Da haben wir auch einen Lieferanten, der sich darauf spezialisiert hat. Dieser verwendet für Bindemittel zum Beispiel Lein- oder Sojaöl. Eine gute Sache.

Klingt nach einer innovativen Idee?

Das sind eigentlich ganz alte Techniken. Jetzt sind sie gerade wieder im Trend, aber im Grunde genommen hat der Mensch diese Techniken schon vor Urzeiten entdeckt. Mit der Industrie gingen diese ein wenig verloren; plötzlich wurden einfachere Herstellungswege entdeckt, mit gleichbleibender Qualität. Heute ist allerdings das Bedürfnis nach dem Natürlichen wieder gross. Der Kunde möchte nicht einfach eine Kunststoffhaut über die Wand gezogen bekommen, da kann das Ganze nicht mehr richtig «atmen».

Nicht nur die Ökologie liegt ihnen besonders am Herzen, sondern auch Kinder. Sie veranstalten Kinder-Mal-Tage in Weisslingen?

Ich weiss gar nicht mehr, wie lange wir das bereits anbieten. Wir wurden einmal angefragt, ob wir nicht auch am Sonntagsverkauf teilnehmen möchten. Am Anfang haben wir einfach nur ausgestellt und uns präsentiert. Dann hat sich das allerdings immer mehr zu einem Kinder-Malen entwickelt. Jetzt ist das unsere Haupttätigkeit dort, dass Kinder malen und schablonieren können. Und auch die Erwachsenen sind begeistert, sie wollen oft sogar selber mitmachen.

Frage zum Schluss: Hatten sie auch schon Aufträge die sie extrem forderten, die schwierig waren?

Bei einem Auftrag war die Isolation schlecht verarbeitet und wir mussten die oberste Schicht entfernen. Darunter fanden wir ein riesiges Wespennest. Die Wespen waren zum Glück nicht mehr im Nest, aber der Fall wurde noch komplizierter, als wir Ungeziefer fanden, das sich an anderen Stellen festgefressen hatte. Das gab eine Menge Arbeit, auch andere Experten habe ich dazu geholt. Es gäbe noch andere Beispiele. Was aber für mich zählt, ist in jedem Fall am Ende eine gute Qualität abzuliefern. Das Vertrauen der Kundschaft ist für ein regionales Unternehmen sehr wichtig und macht mich als Inhaber stolz.