Mit Einzelstücken in die Vergangenheit reisen

Manuela und Urs Wiederkehr sind passionierte Sammler von Raritäten vergangener Zeiten (Foto: sv)

In Rämismühle kann man neuerdings Raritäten aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert ergattern. Urs und Manuela Wiederkehr sind leidenschaftliche Sammler und präsentieren ihre Wertstücke nun in ihrem eigenen Geschäft.

Im Schaufenster von «Raritäten Wiederkehr» liegt ein grosses Paket mit einer roten Schleife. Im Gespräch erzählt Manuela Wiederkehr, dass sich darin ein Tretauto befindet, dass eine Kundin für ihren Freund bestellt hat. Da es ein Geburtstagsgeschenk ist, hat sie es eingepackt. Für ihre Kunden würden sie auch gerne einmal etwas mehr machen. «Dank unserem Hobby treffen wir sehr interessante und nette Leute, die unsere Begeisterung fürs Sammeln und für Vintage-Gegenstände teilen», sagt ihr Mann Urs Wiederkehr. Einige würden begeistert von ihren eigenen Sammlungen erzählen, die zum Teil kurios, aber doch spannend seien.

Erfolgreiche Eröffnung

Urs und Manuela Wiederkehr waren beide schon immer passionierte Sammler. Zunächst bewahrten sie ihre Raritäten bei sich zu Hause auf. Als es irgendwann zu viel wurde, entschieden sie sich dafür, die Gegenstände im Internet zu verkaufen. «Die Leute, die zu uns nach Hause kamen, meinten, wir würden ja in einem Museum leben, so viele Dinge hatten sich angestaut. Es wurde Zeit, nach einer Lagerfläche zu suchen», erklärt Urs Wiederkehr. In Rämismühle in Zell fanden sie das perfekte Ladenlokal. Die Eröffnung am 29. April verlief sehr erfreulich. «Wir waren positiv überrascht darüber, wie viele Leute erschienen sind und wie viel wir bereits verkaufen konnten», erzählen sie.

Bemerkenswert sei auch, dass die Kunden von weit weg zu ihnen kommen. «Gerade kürzlich kam ein Pärchen aus Basel zu uns. Wir sind überrascht, dass die Leute bereit sind, einen weiten Weg auf sich zu nehmen, um unseren Laden zu besuchen», so das Ehepaar. Sie sind stolz, dass «Raritäten Wiederkehr» schweizweit einer der wenigen Anbieter von authentischen Retro- und Vintage-Artikeln ist.

Staubig und rostig muss es sein 

Die Antiquitäten kauft das Ehepaar von privaten Händlern, Flohmärkten, Antiquitätenläden oder Antikmärkten im Ausland. In erster Linie müsse der Gegenstand beiden gefallen. «Staubig und rostig muss es sein», fügt Urs Wiederkehr hinzu. Beim Kauf achten sie auch darauf, dass die Sachen einzigartig sind und man sie kein zweites Mal findet. Urs Wiederkehr zeigt auf den Theaterscheinwerfer hinter sich. Dieser sei aus den Bremer Filmstudios und war bis Ende der 1970er-Jahre im Einsatz. Einzelstücke, wie dieses, mit einer eigenen Geschichte, seien für die zweifachen Eltern interessant. Die meisten Sachen stammen aus den 1950er- oder 1960er-Jahren, wie zum Beispiel das Karussell-Motorrad aus der deutschen Nachkriegszeit.

Es komme auch vor, dass sie von Leuten angefragt werden, ihnen etwas abzukaufen. So haben sie von einer älteren Dame aus Zürich einen kleinen Modell-Hutladen erhalten. «Sie hat diesen in den 60er- oder 70er-Jahren von Hand angefertigt. Das ist ein Einzelstück, dass man sicher nicht mehr findet», meint das Ehepaar.

Sie seien erstaunt und erfreut darüber, dass es immer noch viele Menschen gibt, die an Vintage-Gegenständen interessiert sind, obwohl wir in einer sehr modernen Welt leben, in der alles neu und perfekt sein soll. «Die Leute wollen Unikate, die ihr Zuhause einzigartig und gemütlich machen», sagt Manuela Wiederkehr. Obwohl vor allem der Onlineshop sehr gut laufe, kämen auch viele in den Laden, um die Gegenstände anzusehen und in den Händen zu halten.

Ein Stück Vergangenheit

Ihren Laden füllen sie immer wieder mit Gegenständen von zu Hause nach. Es sei jedoch nicht immer einfach, sich von den Stücken zu trennen. Auch die Kunden würden oft nostalgisch werden, wenn sie gewisse Teile mit ihrer Kindheit in Verbindung bringen. Ein Beispiel sind die Wisa Gloria Lastwagen. Die Schweizer Spielzeuge aus den 50er- und 60er-Jahren wurden von Wisa Gloria handgefertigt, bis die maschinelle Fertigung Überhand nahm. «Uns sind diese Modelle sehr wichtig und wir wollen nicht, dass sie in Vergessenheit geraten», so Manuela Wiederkehr.

Der Geschäftsbetrieb sei ein grosser Aufwand. Jeder Gegenstand wird vom Ehepaar persönlich eingekauft und transportiert. Schliesslich müssen die Teile fotografiert und online gestellt werden. Heute laufe sehr viel übers Internet und die sozialen Medien. «Alteingesessene Antiquitätenläden mit staubigen Porzellangegenständen gibt es heute nicht mehr», meint die Ehefrau. Trotzdem haben die Wiederkehrs Freude an ihrer Arbeit, das würden auch die Kunden merken. Mit ihren Raritäten ermöglichen sie es, ein Stück Geschichte in unserem modernen Zeitalter festzuhalten. Wer eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit machen möchte, kann jeweils am Samstagnachmittag oder nach Terminvereinbarung bei «Raritäten Wiederkehr» in Rämismühle vorbeischauen.