Mehrheitlich positives Echo für Kirchenfusion

Der Entscheid über den Zusammenschluss der Kirchgemeinden Turbenthal und Wila fällt Anfang 2018 (Fotos: Archiv tth)

Die reformierten Kirchen von Turbenthal und Wila möchten fusionieren. Vor kurzem fanden in beiden Gemeinden Mitwirkungsanlässe statt. Der «Tößthaler» hat die beiden Kirchenpflegepräsidentinnen Erna Brüngger und Marianne Heusi befragt.

Erna Brüngger, Kirchenpflegepräsidentin der reformierten Kirchgemeinde Turbenthal und ihre Amtskollegin aus Wila Marianne Heusi standen dem «Tößthaler» Red und Antwort zu den Mitwirkungsanlässen über die geplante Kirchenfusion. Diese stösst auf ein mehrheitlich positives Echo, auch wenn kritische Fragen nicht ausblieben.

Wie kommt es, dass die Bereitschaft, die Kirchgemeinden Turbenthal und Wila zu fusionieren, auf so offene Ohren stösst?

Erna Brüngger: Verschiedene Gründe sind denkbar. Ich nehme zum Beispiel an, dass vielen bewusst ist, dass die Mitgliedersituation der Kirchen ein Handeln unumgänglich macht. Am Mitwirkungsanlass war spürbar, dass viele bereit sind zu einer Verbesserung dieser Situation beizutragen und allenfalls zu diesem Zweck auch die eigene Komfortzone zu verlassen.

Marianne Heusi: Wir freuen uns natürlich über alle offenen Ohren. Die Gründe kenne ich nicht wirklich. In der Kirchenpflege ist uns bewusst, dass wir auf andere zugehen müssen. Deshalb machten wir uns in der Kirchenpflege Wila bereits 2013 erste Gedanken, wie wir uns auf den Weg machen können, solange wir Spielraum haben, um die neue Form aktiv zu gestalten. Zu warten, bis wir zu Veränderungen gezwungen sind, weil der gesellschaftliche Wandel es erzwingt, ist für uns keine Option. Wir versprechen uns von einem Zusammengehen vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten in den verschiedenen Handlungsfeldern.

Erna Brüngger, Kirchenpflegepräsidentin von Turbenthal
Erna Brüngger, Kirchenpflegepräsidentin von Turbenthal

 

Wie war die Stimmung der Teilnehmenden an den Mitwirkungsanlässen? War den Tenor eher positiv oder skeptisch?

MH: Es gab beiderlei Stimmen. Die Schlussvoten an beiden Orten machten uns jedoch Mut, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

EB: Ehrlich gesagt habe ich mit mehr Bedenken, Vorbehalten und Skepsis gerechnet. Ich empfand die Stimmung sehr wohlwollend gegenüber den Absichten und dem Vorgehen der beiden Kirchenleitungen.

Welche Argumente wurden von den Teilnehmern für oder wider die Fusion vorgebracht?

MH: Als Vorteil wurde genannt, dass ein Pfarrteam statt einer einzelnen Pfarrperson unterschiedlichere Menschen ansprechen kann und die Pfarrpersonen die eigenen Stärken besser zum Nutzen aller einbringen können. Daneben bestehen natürlich Ängste, dass gewisse Angebote in einer zusammengeführten Gemeinde nicht mehr vor Ort angeboten werden. Als Beispiel für ein Angebot, das unbedingt vor Ort sein sollte, wurden manche Seniorenanlässe genannt. Kultur- oder Bildungsangebote im anderen Dorf zu besuchen, ist jedoch ohne weiteres möglich, Wilemer und Turbenthaler tun dies bereits gegenseitig.

EB: Dass in einigen Bereichen Synergien genutzt und dadurch Einsparungen erreicht werden können, wurde ebenfalls als Vorteil angesehen.

Die Rede war z.B. von der einfacheren Suche nach Behördenmitgliedern in einem grösseren Gebiet, der Zusammenlegung von Sekretariats- und Verwaltungsaufgaben oder dass der gesellschaftlichen Vielfalt gemeinsam besser entsprochen werden kann. Eine der wenigen genannten Befürchtungen bezog sich darauf, dass der «Dörfligeist» Leute an einem freiwilligen Engagement in der zusammengelegten Gemeinde hindern werde. Eine gegenseitige Annäherung mit verstärkter Zusammenarbeit sei auch ohne Gemeindezusammenschluss möglich. Der vorgeschlagene Zeitrahmen wurde von einigen als zu stressig empfunden.

Marianne Heusi, Kirchenpflegepräsidentin von Wila (Fotos: zVg)

Was ist Ihre Haltung? Welche Vorteile hat eine Fusion Ihrer beiden Kirchgemeinden?

MH: Um eine Zusammenarbeit kommen wir bei den schwindenden Mitgliederzahlen nicht herum. Dass Zusammenarbeit angesagt ist, bestreitet kaum jemand. Wenn wir aber jedes gemeinsame Unterfangen in den verschiedenen Behörden koordinieren müssen, wird es entweder unverbindlich und schläft immer wieder ein oder es wird reichlich kompliziert. Mit einer gemeinsamen Struktur lässt sich vieles klarer regeln oder in direktem Kontakt erledigen. Dadurch werden Kräfte frei zur Gestaltung von Angeboten und diakonischen Aufgaben. Auch die vorhandenen Ressourcen können gemeinsam effizienter und vielfältiger genutzt werden. Hinzu kommt, dass sich aktuell die Mitglieder der beiden Kirchenpflegen und die Pfarrpersonen der beiden Gemeinden gut miteinander verstehen und daher motiviert sind, eine neue, gemeinsame Kirchgemeinde zu gestalten.

EB: Die Antwort meiner Amtskollegin entspricht ganz und gar meiner Auffassung. Wenn wir Mittel und Kräfte zusammenlegen ist das die geeignetste (Re-)Form, um den Herausforderungen zu begegnen, die eine heutige Kirche bewältigen muss. Die zu gestaltenden neuen, gemeinsamen Strukturen ermöglichen erst ein neues Verständnis von «Wir». Die Partner werden zwar nach wie vor ihre Eigenheiten haben, aber Kirche leben «wir alle».

Die Kritiker der Fusion fürchten, dass die Freiwilligenarbeit zum Erliegen kommt. Können Sie diese Befürchtung nachvollziehen?

EB: Ich erhoffe und verspreche mir das Gegenteil. Viele Erfahrungen zeigen, dass sehr gerne Freiwilligenarbeit geleistet wird, wenn die Aufgabe passt und der Rahmen stimmt. Diese Voraussetzungen sind in einer grösseren Gemeinde eher gegeben.

MH: Nachvollziehen kann ich die Befürchtungen schon, teile sie jedoch nicht. Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Freiwilligenarbeit in der grösseren Gemeinde attraktiver wird. Ein Teil der Freiwilligenarbeit wird in den einzelnen Dörfern bleiben, ein anderer Teil wird für Aktivitäten, die in grösserem Rahmen angeboten werden, nötig sein. Das spricht unterschiedliche Personen an, von denen die einen vielleicht ausserhalb der Kirchgemeinde aktiv würden, wenn das Engagement, das in der kleinen Kirchgemeinde gefragt ist, ihnen nicht entspricht.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

 

Chronologie des Fahrplans
Juni 2015: Die Kirchgemeindeversammlungen der reformierten Kirchen Turbenthal und Wila heissen die Aufnahme von Zusammenarbeitsgesprächen gut. September 2015: Erste gemeinsame Sitzung der reformierten Kirchenpflegen Turbenthal und Bauma. Herbst 2015: Bildung einer Steuergruppe Turbenthal-Wila. Sie besteht aus den beiden Kirchenpflegepräsidentinnen und den Pfarrpersonen der beiden Gemeinden. 2016: Kontakte zu den reformierten Kirchgemeinden von Sitzberg, Wildberg und Zell. November 2016: Treffen der Kirchenpflegen von Turbenthal, Wila, Wildberg, Sitzberg und Zell. 2017: Bildung von Arbeitsgruppen zu Inhalts- und Verwaltungsfragen, gemeinsame Sitzung der Kirchenpflegen Turbenthal und Wila mit Arbeitsgruppenmitgliedern. April 2017: Mitwirkungsanlässe in Turbenthal und Wila. August/September 2017: Beschlüsse der beiden Kirchenpflegen. 30. Oktober 2017: öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung. Januar 2018: Kirchgemeindeversammlungen: Entscheid über die Zusammenführung der reformierten Kirchgemeinden Turbenthal und Wila. Wahl der neuen Kirchenpflege per Anfang 2019.