Lieber eine Solaranlage als Geld auf der Bank

Walter Ledermann vor seinem Haus, das energetisch saniert wurde (Foto: rl)

Walter Ledermann und seine Frau Luzia Brülisauer haben diesen Herbst ihr Haus energetisch sanieren lassen. Dafür erhalten sie voraussichtlich vom Kanton finanzielle Unterstützung.

Walter Ledermann ist in der Gemeinde kein Unbekannter. Über drei Jahrzehnte arbeitete er als Primarlehrer in Bauma. Noch heute begegnet man Ledermann öfters im Dorf. Im Gemeindehaus trifft man hie und da ebenfalls auf ihn, dort befindet sich nämlich das «Chronikarchiv Bauma», dem er als Präsident vorsteht.

Beheimatet ist der 73-jährige seit 1976 oberhalb von Bauma im Bungert in einem Haus, das im Innern durch sehr viel Tannenholz heraussticht. Parkettboden, Holzwände, Holzdach, Holzheizung, überall ist der natürlich nachwachsende Rohstoff vorzufinden. Wie modern und ökologisch dieses Haus ist, fällt wegen des Schnees, der auf dem Dach liegt, kaum auf. Erst vor wenigen Monaten haben Walter Ledermann und seine Frau Luzia Brülisauer «das Dach und die Wände saniert und eine Photovoltaik-Solaranlage auf dem Dach installieren lassen. Etwa 96 Prozent der Gebäudehülle wurden vom 11. September bis Mitte November energetisch saniert. Dadurch konnten sie den Wert des Hauses erhöhen und gleichzeitig sind sie durch die Solaranlage fähig, eigenen Strom zu produzieren.

EKZ Rechnung als Anstoss

Auf die Idee kam der seit 2006 pensionierte Senior, nachdem er anfangs Jahr die Rechnung der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) erhalten hatte und so auf einen Link gestossen war, der Werbung für energetische Sanierungen machte. Sofort erkundigte sich Ledermann und studierte verschiedene Sanierungsmöglichkeiten. Vom Hauseigentümerverband konnte er in Erfahrung bringen, dass es bei ökologischen Sanierungen möglich ist, Fördergelder des Kantons in Anspruch zu nehmen. Da das EKZ jedoch keine energetischen Sanierungen an älteren Gebäuden vornehmen wollte, mussten Ledermann und seine Frau sich selber nach einem Fachmann umsehen. Das Dach beinhaltete vierzigjährigen Eternit, der asbesthaltig war. Das Ehepaar fasste den Entscheid, die ganze Hülle des Gebäudes zu sanieren. Ebenfalls wollten sie nicht bloss den Eternit auswechseln und das Dach neu isolieren, sondern gleich noch eine Solaranlage installieren. Wenn sie schon eine Sanierung vornehmen, dann sollte es eine richtige sein, dachten sie sich.

Der Dachdecker Peter Rüegg, von der Rüegg Bedachungen AG in Bauma, war bereit, das Dach zu sanieren. Er ist ein ehemaliger Schüler von Ledermann. Am 11. September machte sich Peter Rüegg an die Arbeit. Das mit Hourdisplatten gedeckte Dach wurde neu isoliert und das Eternit durch neuen Faserzementschiefer ausgewechselt. Während die alte Isolation 7,5 Zentimeter dick war, was damals üblich war und bereits besser als vor der Zeit der Ölkrise 1973, besteht die jetzige Isolation aus insgesamt 20 Zentimeter festen und weichen Holzfaserdämmplatten. Zuletzt wurde innerhalb von wenigen Tagen die Solaranlage, welche insgesamt rund 20’000 Franken gekostet hat und circa 5000 Kilowatt Strom produziert, auf dem Dach installiert. Besonderes Augenmerk musste daraufgelegt werden, dass die Anlage so installiert wurde, dass der Schnee möglichst nicht vom Dach rutschen kann.

Kanton zahlt rund zehn Prozent

Der Kohlendioxidausstoss von Ledermanns Haus war bereits vor der Sanierung tief. «Ich heize zu 95 Prozent mit Holz, da ich eigenen Wald habe», betont der ehemalige Primarlehrer, der seit 1995 eine Holzheizung hat. Damals, nachdem sein Vater verstorben war, erbte Ledermann Wald und liess sich eine Holzheizung bauen. Diese produziert 95 Prozent der Heizenergie. Nur wenn Ledermann und seine Frau weg sind, kommt die Ölheizung zum Zuge, nämlich dann, wenn der Restspeicher aufgebraucht ist.

Ein wichtiger Faktor für die energetische Sanierung waren Kostenaspekte. Ledermann und seine Frau werden insgesamt rund zehn Prozent von den Gesamtkosten, welche sie für den Bau ausgegeben haben, vom Gebäudeprogramm des Kantons erhalten. In nächster Zeit wird Ledermann zusammen mit dem Dachdecker Rüegg nochmals eine genaue Flächenberechnung vornehmen, die aufzeigt, wie viele Quadratmeter energetisch saniert wurden.

Für jeden Quadratmeter werden 40 Franken ausbezahlt, da sowohl das Dach als auch die Wände saniert wurden; zusätzlich kommen noch weitere 20 Franken pro Quadratmeter dazu, weil insgesamt mehr als 90 Prozent der Gebäudehülle energetisch saniert wurden. Aber nicht bloss Kostenaspekte motivierten Ledermann zur Sanierung. Er sagte: «Wenn ich das Geld auf der Bank habe, erhalte ich 0 Prozent Zinsen, investiere ich dieses in eine Solaranlage, so produziere ich meinen eigenen Strom, den ich nicht zu zahlen habe, und gleichzeitig mache ich etwas Gutes für die Umwelt».

FÖRDERUNG VON ENERGETISCHEN SANIERUNGN
In der Schweiz werden energetische Sanierungen von Bund und Kanton durch das Gebäudeprogramm unterstützt. Das Programm wurde 2010 gestartet und fördert Investitionen in erneuerbare Ener- gien, in die Abwärmenutzung und die Optimierung der Gebäudetechnik. Das Gebäudeprogramm soll einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaziele leisten.

Weitere Informationen: www.dasgebaeudeprogramm.ch