Lehrer mischen Wahlkampf auf

Die Fischenthaler Lehrerschaft, hier im Bild das Schulhaus Schmittenbach, will einen Wechsel im Schulpräsidium (Fotos: Archiv tth)

Um das Fischenthaler Schulpräsidium kommt es am 22. April zur Kampfwahl. Die amtierende Präsidentin Judith Rüegg wird von Michaela Oberholzer Huber herausgefordert. Interessant dabei ist, dass fast die gesamte Fischenthaler Lehrerschaft öffentlich für die Herausfordererin auf deren Wahlflyer wirbt.

Zwei Personen kandidieren für das Präsidium der Fischenthaler Schulpflege am 22. April. Nicht ungewöhnlich, denkt man sich. Zumal es sich bei den beiden Kandidatinnen um die heute amtierende Schulpflegepräsidentin Judith Rüegg und das Schulpflegemitglied Michaela Oberholzer Huber handelt, die beide bereits im November 2016 für das Schulpräsidium kandidierten. Rüegg, damals bereits Mitglied der Schulpflege, machte mit genau 80 Stimmen mehr das Rennen um das Präsidium vor Oberholzer Huber, die damals aber problemlos neu den Sprung in die Schulpflege schaffte.

Heute scheint die Ausgangslage ein wenig anders zu sein, unter anderem aufgrund eines mitunter pikanten Sachverhalts. Auf dem Wahlflyer von Michaela Oberholzer Huber ist nämlich fast die gesamte Fischenthaler Lehrerschaft aufgeführt. Betitelt ist die knapp 30 Namen umfassende Liste gleich neben dem Porträt-Foto von Oberholzer Huber mit «Von den Lehrpersonen unterstützt». Die gleichen Lehrer erscheinen in gleicher Form auch auf dem ähnlich gestalteten Wahlflyer von Sonja Wildhaber, die erneut für die Schulpflege kandidiert. Auf den Flyern der anderen kandidierenden Schulpflegemitglieder und der wieder antretenden Präsidentin Rüegg sind keine unterstützenden Lehrer aufgeführt.

Gesamte Situation ist schwierig

Das wirft Fragen auf und führt zuweilen auch zu Empörung. So schreiben zum Beispiel die in Steg wohnhaften Lukas Walder, Katharina und Patrik Graf, in einem gemeinsam verfassten Leserbrief (im heutigen «Tößthaler» auf Seite 2), dass es gar nicht gehe, wenn sich Lehrpersonen in offizieller Mission in den Wahlkampf der Schulpflege einmischten. «Die Schulpflege ist ja schliesslich das Aufsichtsorgan der Schule.» Und weiter: «Das ist ja, als wenn sich die Schulkinder ihre Lehrer selber aussuchen könnten.»

Auch Petra Orlando ist «sehr irritiert» ob der Lehrpersonen auf den Flyern und findet die gesamte Situation «schwierig». Sie ist Vize-Präsidentin der Schulpflege und kandidiert ebenfalls wieder für einen Sitz. «Als ich die Flyer das erste Mal gesehen habe, war ich einfach nur baff und fragte mich, was das soll.» Erstens weil die Schulpflege das Aufsichtsorgan der Lehrerschaft und ein solches Vorgehen wohl einmalig für Fischenthal sei. Und zweitens, weil es weder Streit innerhalb der Schulpflege noch zwischen der Schulpflege und der Lehrerschaft gebe. «Manchmal hat die Schulpflege eine andere Meinung als die Schulleitung oder die Lehrer. Ebenso gibt es auch innerhalb der Behörde manchmal unterschiedliche Meinungen. Aber das ist ja völlig normal und bis anhin haben wir uns immer wieder gefunden», sagt Orlando. Für sie ist fragwürdig, was sich Michaela Oberholzer Huber wie auch Sonja Wildhaber erhoffen, wenn die Lehrpersonen als Unterstützer auf ihren Flyern platziert sind. Als amtierende Vize-Präsidentin der Schulpflege gibt Orlando in dieser Angelegenheit auch zugleich Auskunft für Judith Rüegg, die als aktuelle Schulpräsidentin keine Stellungnahme zu diesem Sachverhalt abgeben möchte. 

Alte Denkmuster zurücklassen

Doch weshalb stellt sich die Lehrerschaft fast geschlossen explizit hinter Oberholzer Huber? In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben die Lehrer, wie unlängst der «Zürcher Oberländer» berichtete, unter anderem, dass sie Michaela Oberholzer Huber als eine sehr umsichtige Schulpflegerin erlebt hätten, die durch ihren eigenen beruflichen Hintergrund sehr viel Wissen und sehr viele Ressourcen einbringe, zuhöre, Schlüsse ziehe und aktuelle Bedürfnisse aller Betroffenen, vor allem aber der Eltern und der Kinder aufnehme und verantwortungsvoll angehe. «Wir sehen es als Chance, den Augenblick zu nutzen, alte Denkmuster zurückzulassen und gemeinsam mit einem fortschrittlichen Präsidium nach vorn zu schauen und uns auf den Weg zu machen.» Ausserdem stehe die Schule derzeit mehr denn je vor vielen inhaltlichen Herausforderungen, welche Offenheit, Transparenz und eine gemeinsame Haltung von Lehrerschaft, Schulleitung und Schul-behörde erforderten.

Michaela Oberholzer Huber hat die Lehrer gerne auf ihre Wahlwerbung genommen. Diese seien mit der Frage auf sie zugekommen, wie sie sie unterstützen könnten. Auf die Frage nach dem Weshalb kann auch sie nur mutmassen. «Die Lehrer wünschen sich wahrscheinlich nach den vielen Veränderungen in den letzten Jahren einen Neuanfang.» Hierfür liefert Oberholzer Huber, die selber Lehrerin ist, gleich ein Rezept: Die Schulpflege müsse strategisch und die Schulleitung und Lehrerschaft operativ tätig sein. Das sei in Fischenthal bis heute noch nicht richtig aufgegleist. Es liege ihr aber fern, Judith Rüegg schlecht zu machen. Sie habe einfach Interesse an deren Amt. «Ich bin in Fischenthal aufgewachsen und will mich mit vollem Herzblut dafür einsetzen, dass die Schule in Fischenthal bleibt», sagt Oberholzer Huber. Auf die Frage, wie sie die Wirkung ihres Flyers auf einen Aussenstehenden einschätzt, antwortet sie: «Ich würde dies als eine Art Hilfeschrei der Lehrer interpretieren.»

Angst um Zukunft der Gibswiler Schüler

Befeuert wird der Wahlkampf auch noch von einem anderen Thema: Der Zukunft der Gibswiler Schüler. Bis zur sechsten Klasse gehen diese momentan im nahegelegenen Schulhaus Ried in der Gemeinde Wald zur Schule. Hierfür besteht zwischen der Schule Fischenthal und Wald ein Vertrag, der 2011 von der Fischenthaler Gemeindeversammlung für zehn Jahre abgesegnet worden ist und 2022 erstmals kündbar wäre. Dieser Schulvertrag hat in den letzten gut zwei Jahren immer wieder für Diskussionen gesorgt.

In Gibswil herrscht die Befürchtung, dass die Schüler dereinst nach Fischenthal in die Schule gehen sollen. Und so weibeln die beiden Gibswiler Sacha Derungs-Engler und Martin Weisskopf Engler in einem auf dem Blog Pro Fischenthal aufgeschalteten Wahlflyer ebenso für die Wahl von Oberholzer Huber und Wildhaber. Letztere ist übrigens die einzige in Gibswil wohnhafte Kandidatin für die Schulpflege, für den Gemeinderat kandidiert sogar gar niemand aus Gibswil. In ihrem Flyer schreiben Derungs-Engler und Weisskopf Engler, dass Schulpräsidentin Judith Rüegg «unverändert das klare Ziel» verfolge, «die Gibswiler Schüler nach Fischenthal zu verlegen».

Auf entsprechende Passage angesprochen, sagt Judith Rüegg, dass es nicht ihre Absicht sei, einen solchen Plan zu verfolgen und auch nicht zwingend, den Schulvertrag mit Wald zu kündigen. Es sei aber die Pflicht der Schulpflege, die Kosten der Schule zu optimieren. Der Schulvertrag mit Wald und die daraus entstehenden Kostenfolgen machten einen beträchtlichen Anteil des Schulbudgets von Fischenthal aus und ist deshalb genauestens zu durchleuchten. Wünschbar wäre aus Rüeggs Sicht etwa eine Klärung des Verrechnungsmodus, der für Fischenthal transparenter ist. Das weitere Vorgehen bezüglich Schulvertrag stehe aber noch am Anfang und sei für die bald anbrechende Legislatur traktandiert. «Natürlich wird nach einer für alle Beteiligten bestmöglichen Lösung gesucht.» Weiter sagt Rüegg, dass über eine Änderung letztlich nebst dem Gemeinderat vor allem die Stimmbürger noch befinden könnten.

Sacha Derungs-Engler wiederum ist von diesen Aussagen Rüeggs «überrascht», denn sie widersprächen dem, was sie bisher anlässlich der Veranstaltungen kommuniziert habe. «Gegen eine Klärung des Verrechnungsmodus hätten wir in Gibswil gar nichts. Aber bei uns herrscht aufgrund des bisherigen Verhaltens des Gemeinderats und der aktuellen Schulpräsidentin klar der Eindruck, dass der Schulvertrag mit Wald aufgelöst werden soll und die Gibswiler Schüler unbedingt nach Fischenthal in die Schule gehen sollen.» Wie anlässlich der Infoveranstaltung vom 22. November 2017 selbst vom beigezogenen Berater Rudolf Bertels eingeräumt worden sei, bringe eine Verlegung der Schüler nach Fischenthal kaum finanzielle Vorteile. Und Sacha Derungs-Engler gibt weiter zu bedenken, dass in Gibswil viele Neuzuzüger schulpflichtige Kinder haben. «Müssten die Gibswiler Primarschüler nach Fischenthal in die Schule, würde Gibswil massiv abgewertet.»

Angesichts der Tatsache, dass der Schulvertrag mit Wald am Ende der nächsten Legislatur erstmals kündbar ist, wird die Diskussion um die Zukunft der Gibswiler Schüler nach den Wahlen unabhängig von deren Ausgang weitergehen. Trotzdem darf man gespannt sein, wer am 22. April das Rennen um das Schulpräsidium macht.

Rolf Hug
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