Lebendiges Schulareal

Mit Baustellenfotos ergänzte der Architekt während der Führung seine Erklärungen (Fotos: lk)

Nach der plangerechten Fertigstellung der Renovations- und Umbauarbeiten am Schulhaus Hirsgarten in Rikon konnte am Samstag dessen Einweihung gefeiert werden, mit einem Gang durch die neuen Räume, Erklärungen der Architekten und genüsslicher Verpflegung.

Der Zeller Gemeinderat und Liegenschaftenvorstand Ruedi Gähler eröffnete den kleinen Reigen der Ansprachen am Samstagvormittag, 3. Oktober 2015. Vor vier Jahren, am 30. September, wurde das erste Vorprojekt für die Schulanlage vorgestellt, welches damals noch von der Denkmalpflege betreffend den Hirsgarten-Bereich abgelehnt wurde. Dank guten Gesprächen und gegenseitigem Entgegenkommen konnte eine passende Lösung gefunden werden, die von der engagierten Baukommission in rund 90 Sitzungen perfekt umgesetzt wurde. Doch nicht nur das sanierungsbedürftige Schulhaus Hirsgarten, sondern auch bei allen anderen Gebäuden wurde gebaut, beispielsweise wurde beim Berg ein Lift angebaut und ein Teil der Terrasse zu neuen Räumen umgewandelt sowie beim Engelburg der Kellerbereich zu Schülerkafi und Schulküche umgebaut. Der alte Kindergarten wurde komplett umgenutzt und nächstens beginnt ja der Bau des zweiten Kindergartens.

Dagmar Müller, die Schulpflege-Vizepräsidentin, lobte in ihrer kurzen Rede die grosse Herausforderung des vergangenen Jahres für die Lehrpersonen und Schüler/-innen. Eine ganze Schule einpacken, zügeln, ein Jahr lang in provisorischen, jedoch liebevoll hergerichteten Zimmern unterrichten und dann wieder geordnet zurückzügeln in tolle neu eingerichtete Schulzimmer. Die Sekundarschule hatte ungewohnt kleine Kinder im Schulhaus und auf dem Pausenplatz.

Am 15. Oktober 1933 wurde das Schulhaus Hirsgarten eingeweiht, in den 50er Jahren wurde ein Trakt angebaut und letztmals in den 80er Jahren saniert. Nun, im Jahre 2015, sind im Schulhaus Hirsgarten sechs Klassenzimmer und Gruppenräume für die Primarstufe entstanden, eins davon wird dieses Schuljahr als Kindergarten genutzt. Neue Werken- und Handarbeitszimmer wurden aus den ehemaligen Garderoberäumen erstellt und die ehemalige Turnhalle hat sich in einen tollen Veranstaltungsraum mit Foyer, Bühne und Beamer verwandelt. Das alte Kindergartenhaus beherbergt den Mittagstisch für die Primarschüler/-innen und ab nächstem Jahr auch den Schulhort sowie im oberen Stock die Sonderräume wie beispielsweise der Schulsozialarbeit.

Aber auch die Sekundarschule wurde mit Spezialräumen aufgewertet: Eine zweite moderne Schulküche und eine Bibliothek sind neu entstanden, die rege genutzt werden. Im Lernatelier wird selbständiges Lernen geübt und das Schülerkafi bietet Platz für Mittagessen, Hausaufgaben machen und gemeinsames Spielen. Abends findet dort das Elternkafi mit Themenabenden statt. Das Schulareal Rikon ist auf dem neusten Stand, der Platz in und um die Häuser wirkt viel lebendiger und ist optimal für die Zukunft vorbereitet.

Renovation und Neubau für die Primarschule

Die interessante Führung mit den Architekten gab Einblicke in die architektonischen Überlegungen und die praktischen Einflüsse der Lehrpersonen. Das Schulhaus samt Turnhallenanbau wurde wieder in den ursprünglichen dezenten Grau-in-Grau-Ton umgewandelt. Die Fensterflächen konnten leicht vergrössert werden, da die klobigen Rollladenkästen entfernt wurden, statt den starren Rollladen wurde überall auf textilen grauen Sonnenschutz umgestellt. Die Steuerung der Sonnenstoren und des Lichts erfolgt automatisch je nach Helligkeit und kann natürlich von den Lehrpersonen übersteuert werden. Das gesamte Haus ist mit dem Lift rollstuhlgängig erreichbar, die Haustechnik wurde zeitgemäss erneuert, die Bodenbeläge vereinheitlicht zum angenehmen Linoleum und die Deckenbeleuchtung energetisch auf LED umgestellt. Neue Akustikdecken in den Zimmern und Gängen senken den Lärmpegel merklich und die neckischen kleinen Glaseinsätze neben den Klassentüren wirken auflockernd. In den Zimmern bieten zahlreiche Einbaukästen und Sideboards genügend Stauraum und durch die nicht bis zur Decke reichende Kastenhöhe wirkt dies nicht erdrückend. Die modernen Unterrichtsmittel wie Beamer oder digitale Hellraumprojektoren samt versenkten Leinwänden haben neben der bewährten schwarzen Wandtafel problemlos Platz und werden auch kombinierend eingesetzt.

Das Dach wurde komplett weggenommen, die Stahlstützen auf die neuen Anforderungen fürs normale Ziegeldach angepasst und die Glaskonstruktion zur Nordseite hin lockert auf. Es sind zwei helle Klassenzimmer entstanden, die sicherlich mit dem Glasteildach auch bei Regen eine besondere Atmosphäre bieten. Das Öffnen der grossen Fenster zur Lüftung ist nur von der Lehrperson möglich, der Aufenthalt auf der schmalen Dachterrasse kaum möglich, nicht gewünscht und nicht erlaubt. Der Glasbereich im Dach wurde farblich ans Ziegeldach angepasst, also sind sowohl die Stützen als auch der textile Sonnenschutz braun. Die Brüstung im Dachgeschoss strahlt jetzt noch in glänzendem Kupferton, der noch nachdunkeln wird.

Die ehemalige Turnhalle erlebt eine zweite sinnvolle Nutzung und wird neu zum Singsaal oder Veranstaltungsraum. Sie wurde ebenfalls mit Linoleumboden ausgerüstet, die mobile Bühne und das Klavier wurden vom alten Singsaal übernommen. Mit viel Holz an den Wänden und dem grossen Bühnenvorhang ist er nun bestens für zukünftige Anlässe vorbereitet. Ein fix installierter Beamer und die versenkte Leinwand gehören zur heutigen Grundausstattung für Veranstaltungsräume. Der ehemalige Geräteraum ist ein kleines Foyer geworden, sogar mit praktischer Teeküche, und dahinter befindet sich jetzt das Büro vom Hausmeister Michi Meister.

Die neue Turnhalle wurde mit veredeltem Sichtbeton ebenfalls auf die Grau-Ton-Vorgabe angepasst. Die halb-versenkte Halle ist innen im unteren Teil mit Holzlatten auflockernd und schallschluckend gestaltet mit grossen Fensterflächen obendrüber, die von allen vier Seiten Helligkeit reinbringen. Von aussen wirkt der Bau dezent und dank der Fenster wie durchsichtig. Im alten Kindergartenhaus wird im Erdgeschoss nun fast täglich für den Mittagstisch der Primarschüler/-innen gekocht. Die grosse Küche ermöglicht bequeme Rüstarbeiten und im grossen Esszimmer hat es genügend Raum zum Essen, Spielen und Hausaufgaben machen. Im oberen Stock sind die Räume für Sonderschulung und Schulsozialarbeit untergebracht. Der neue Kindergarten ist ja bereits am Rand des Schulareals untergebracht, dort entsteht in den nächsten Monaten ein neuer Anbau für den zweiten Kindergarten, der dann im Sommer 2016 in Betrieb genommen wird.

Der Zeller Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Sarah Deissler begeisterte  mit einem herbstlichen Auftritt
Der Zeller Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Sarah Deissler begeisterte mit einem herbstlichen Auftritt

 

Moderne Sekundarschul-Infrastruktur

Die neuen Richtlinien der Bildungsdirektion verlangen von allen Schulen dauernde Anpassung der Schulumgebung, so hatte die Sekundarstufe Zell bisher keine eigene Bibliothek und ein Lernatelier mit Laptops für selbstbestimmtes Lernen ist auch schon länger eine Vorgabe, die nun mit diesem kleinen Anbau umgesetzt wurde. Für die Verpflegung über Mittag wurde ein Schülerkafi mit kleiner Kochmöglichkeit und Mikrowelle eingerichtet und neu kochen sogar SchülerInnen des Freifachs Kochen für ihre Mitschüler. Durch die steigenden Schülerzahlen wurde eine zweite Schulküche nötig, die in den Kellerräumen unter dem Engelburgsaal eingebaut wurde. Selbstverständlich muss bei jedem Umbau an die Rollstuhlgängigkeit gedacht werden, sodass nun ein Lift beim Verbindungsgang steht.

Neugierig erkunden, wie heute ein Schulzimmer eingerichtet ist

Zahlreiche interessierte ehemalige und zukünftige Schüler/-innen besuchten den öffentlichen Einweihungsanlass der Schulanlage Rikon. Rüstige Seniorinnen, die schon bei der ersten Einweihung 1933 dabei waren ebenso wie Babys im Kinderwagen, die in den nächsten Jahren das Schulareal beleben werden. Marti Feucht erinnert sich, dass sie damals als junges Mädchen von Zell her mit dem Leiterwagen nach Rikon kam, um am grossen Einweihungsfest der Sekundarschule Hirsgarten dabei zu sein. Es war damals noch eine Sensation, dass es eine angebaute Turnhalle gab, denn in ihrer damaligen Primarschule in Zell wurde nur draussen geturnt. Auch an den Traktanbau in den 50er Jahren kann sie sich erinnern. Und Dorli erinnert sich noch zurück an die Zeit, als sie mit ihrer Familie im ersten Stock im alten Kindergartenhaus wohnte. Ein paar der alten Sitten wurden erzählt, ebenso die «Macken» der Lehrpersonen oder die kleinen Streiche, die gespielt wurden.

Gemütlich genoss man am letzten Samstagvormittag die wärmende Sonne, die leckeren Gratiswürste vom Grill wurden verspeist, die selbstgebackenen Kuchen gelobt und dazu ein feiner Kafi getrunken. In der neuen Turnhalle hatte der Turnverein Rikon einen kleinen Bewegungsparcours aufgebaut, der nicht nur von Kindern ausprobiert wurde. Zum Auftritt des Zeller Kinder- und Jugendchors unter der Leitung von Sarah Deissler füllte sich der Singsaal bis zum letzten Platz und die fröhlichen Lieder der Kinder wirkten ansteckend fürs begeisterte Publikum, das sich gerne in die Herbstferien-Stimmung versetzen liess.