Leben, wie die Maus im Käs

Das unternehmerische Wirte-Paar Katrin und Stefan Böni vor ihrem Zuhause, dem «Tulpenbaum» (Foto: ek)

Bei den Bönis in ihrem Gästehaus zum Tulpenbaum wird Tradition zur Innovation – ihr Erfolgsrezept.
Das fröhliche Ehepaar verwirklicht sich Tag für Tag und gestaltet seinen Gästen so ein einzigartiges Umfeld.

Katrin und Stefan Böni wollten einfach ihre Wohnsituation verändern. Er ist ein Turbenthaler Ureinwohner, sie lebte in Meilen. Durch eine Anstellung ist Katrin damals ins Tösstal gekommen und bei ihm da «hängen geblieben». In der Tierwelt stiessen sie auf ein Inserat für ein damals unbewohnbares, altes Bauernhaus in Neubrunn. Sie kauften es. Nicht wegen dem Haus, wegen dem Ort. Vorerst waren sie völlig planlos. Bönis wollten erst mal zwei, drei Jahre im neuen Daheim wohnen. Es würde sich bestimmt zeigen, was aus dem Haus und ihnen selbst werden würde. Katrin hatte schon bald die zündende Idee: Ein Bed and Breakfast (B’n’B) – das Gästehaus zum Tulpenbaum. Das ist bis heute ihr grosses Glück.

Im September 2010 eröffnete das fröhliche Paar ihr B’n’B «Gästehaus zum Tulpenbaum». Stefan findet Katrins Idee, zusammen daheim zu arbeiten, grossartig. So verlegten sie im Januar 2011 auch Stefans Käseladen von Turbenthal in den Keller des «Tulpenbaums». Laut Stefan eine «Schnapsidee», denn da hinten gibt es keine Laufkundschaft. Doch das Ziel, mindestens einen Drittel der früheren Einnahmen zu machen, haben sie erreicht. «Wir haben viele gute Kunden aus der Gegend. Für unsere Fonduemischung kommen sie sogar von weit her – ist ja auch die Beste der Welt», meint Stefan Böni verschmitzt. Nebst Stolz für sein immenses Käse-Sortiment beschwingt seine Stimmung auch unverkennbar die innige Freude, die er an seiner Arbeit hat. Die grosse Nachfrage ermutigte die Bönis dieses Jahr noch zur Eröffnung eines kleinen Bistros. Serviert wird Fondue, Raclette und verschiedene Plättli – perfekt für einen Abstecher während der Wanderung durchs schöne Bergland.

Im Winter trifft man im Tulpenbaum fast jeden Abend eine Gruppe, die zum Fondue- oder Raclette-Essen vorbeikommen. Man kann sich durch das Sortiment von über 20 Sorten Raclette-Käse durchprobieren. Die Käse sind von «natürli» aus dem Zürcher Oberland und aus dem Bernbiet. Darunter gibt es Exoten: «Knütschgelbe» Safrankäse, solche mit Pinienkernen, Fenchelpollen, Lavendel und Bergheu. Auch Muskatblüten und Zitronenmyrthe – dieser schmecke ganz frisch, wunderbar nach Zitrone-, oder Schafskäse. Alle Käse im Sortiment wurden handwerklich mit Heumilch hergestellt.

Böni unterstützt die Heumilchproduktion mit seinem freiwilligen Fair-
trade-Programm «1 Stutz für d’Milch». Die Bauern bekommen heute für die Milch lediglich noch 70 Rappen pro Liter – einen Liter benötige man für die Produktion von 100 Gramm Rohmilchkäse. Böni möchte, dass der Bauer für seinen Aufwand mindestens einen Franken bekommt. Um auf den gewünschten Gewinn zu kommen, stockt Böni auf Wunsch den regulären Verkaufspreis pro 100 Gramm Käse um 30 Rappen auf, die er den Bauern direkt ausbezahlt. Nicht alle Käser sind mit dabei. Einige fürchten, dass der Käse wegen dem erhöhten Preis vom Kunden verschmäht würde. Also ist es manchmal schwierig, die Leute für sein Projekt zu motivieren. Dennoch glaubt Böni, dass die meisten Kunden das bezahlen können und auch möchten und hofft, dass das Label weiter ausgebaut werden kann.

Das Gästehaus zum Tulpenbaum glänzt nicht nur durch die grosse Käsevielfalt. Katrin und Stefan Böni konnten sich in ihrem Reich verwirklichen und das ist auch als Gast spürbar. Das modern gebaute Holzhaus wirkt traditionell und ist heimelig anmutend. Ein angenehmes Farbkonzept zieht sich auch durch die Gästezimmer. Die «Le Corbusier»-Farbtöne wurden nach dem «Feng Shui»-Prinzip angewendet und verleihen den Räumen eine beruhigende Atmosphäre. Dazu ist ein Baum inmitten des Gästeraums ein urchiger Blickfang. Aber auch bei den Bönis war aller Anfang nicht ganz einfach. «Wir hatten einen steinigen Weg. Ein so abgelegener Käseladen ist nicht das Einfachste Unterfangen. Die ersten zwei, drei Jahre mit dem Tulpenbaum, bis wir eine gewisse Be-
kanntheit erlangten, waren sehr schwierig.» Türöffner war die online-Plattform www.booking.com. Bönis sind für diese Lösung sehr dankbar. So wird das familiäre Gästehaus in Neubrunn, dessen Gastgeber alte Tradition innovativ zum Erfolgsrezept machen, nun aus der ganzen Welt gefunden.

Am Ende des Interviews zückt Böni sein Natel: «Jetzt muss ich Ihnen aber noch ein Foto zeigen!» Auf dem Bild steht das Ehepaar, in ihrer Mitte der Hollywood Star Keanu Reeves. Während dem gesamten Gespräch wurde der Besuch des «Matrix»-Stars mit keinem Wort erwähnt. Womit andere vielleicht gerne etwas angeben würden, tun sich die Bönis bescheiden. Reeves war in Turbenthal auf Geschäftsreise und kehrte abends zum Fondue im Tulpenbaum ein. «Er war ein sehr ‹gmögiger› Gast» erzählt Katrin Böni, etwas verlegen, aber schmunzelnd.

Das Interview

«Der Tößthaler»: Wie haben Sie sich kennengelernt?

Stefan Böni: Ein paar Tage nachdem ich im Dezember 1998 meinen Käseladen in Turbenthal eröffnet habe, ist Katrin da aufgetaucht. Für‘s Geschäft – damals arbeitete sie bei EKZ Eltop – machte sie Besorgungen für den Päckli-Sunntig. Dann kam sie immer öfter… ich dachte noch, die kauft mehr Käse als sie eigentlich braucht.
Katrin: Ein Jahr später kamen wir zusammen. (Zu Stefan) Der grosse Finanzeinbruch für dich… (sie lachen beide)
Stefan: Ja, natürlich wollte sie dann nicht mehr für ihren Käse zahlen.
Ich habe so meine beste Kundin verloren.

Wie gestalten Sie Ihr Sortiment im Laden?

Bönis: Wir haben innovative Nischenprodukte, auch von jungen Produzenten, die es (noch) nicht an jeder Ecke gibt. Viele kommen irgendwann auch zu den Grossverteilern. Dann nehme ich sie halt wieder aus dem Sortiment. Aber ich habe grosse Freude, wenn ich mithelfen kann, ein Produkt soweit aufzubauen, dass es weiter rauskommt. Wir finden für uns immer wieder etwas Neues und das spornt mich an.

Was können sie zu einem guten Käse empfehlen?

Stefan Böni: Zu einem guten Käse gehört eine gute Kartoffel. Zum Beispiel von www.Bergkartoffeln.ch – Irrsinnig! Dann natürlich ein feiner Schweizer Wein, wie die hier im Laden von Nadine Saxer.

Gibt es regelmässige Anlässe im Tulpenbaum?

Katrin Böni: Jeden zweiten Dienstag wird hier gemeinsam der Handarbeit gefrönt. Selber bin ich eine leidenschaftliche Patcherin. Alle die gerne nähen, stricken und dergleichen sind herzlich willkommen hier zusammen zu Kuchen und Tee zu schnäderen und zu werken. Im Frühling machen wir seit vier Jahren auch eine Kräuterwanderung nach dem Motto «Pflücken-Essen-Geniessen» mit anschliessendem Essen.

Habt ihr auch mal berühmte Gäste?

Bönis: Ja, Hollywood-Star Keanu Reeves war mal hier zum Fondue-Essen. Er war wegen seiner Motorrad-Firma geschäftlich in Turbenthal. Hier haben wir auch einen Pneu-Abdruck von Tom Lüthi’s Töff an der Wand, der im Gesellschaftsraum gestanden hat. Oesch’s die Dritten waren auch schon da und Gardi Hutter übernachtete letzten Freitag nach ihrem Auftritt im Gehörlosendorf auch hier. Aber es kommen immer spannende Leute. Nicht nur Berühmte. Auch unsereins hat viel zu erzählen – da sind wir immer wieder überrascht.

Zur Person
Stefan (54) und Katrin (56) Böni Zusammen seit 1999, geheiratet 2008 Er ist gelernter Käser, Sommelier Maître Fromagier und Swiss Wine Professional Sie ist ursprünglich Papeteristin und hat mit 45 die Bäuerinnenschule absolviert Sein Lieblingsessen: Käse(!) in allen Varianten Weitere Info: www.tulpenbaum.ch