Kurze aber intensive Diskussion über das Hallenbad

Am 24. September sind die Baumer Stimmbürger an die Urne gerufen, um einen Grundsatz-Entscheid über das Hallenbad zu fällen (Fotos: hug)

Am Dienstag präsentierten die Verantwortlichen die Eckpunkte der bevorstehenden Hallenbad-Abstimmung in Bauma. Rund 40 interessierte Bürger fanden hierfür den Weg in den Saal des Gasthauses zur Tanne. Für Diskussionen sorgte nebst den Kosten und der Finanzierung auch eine mögliche Etappierung.

Mit der Vorlage zur Sanierung des Hallenbades kommt in Bauma am 24. September ein Grossprojekt an die Urne. Auf dem Tisch liegen zwei Varianten. Eine Variante «Bestand» mit Investitionskosten von rund neun Millionen und ein Variante «Erweiterung» für rund 13,5 Millionen Franken. Die Kostengenauigkeit beträgt jeweils 25 Prozent. Die Wahl einer Variante ist aber nicht der einzige Entscheid, den die Stimmbürger am 24. September zu fällen haben.

In einem ersten Schritt wird den Bürgern die Grundsatz-Frage vorgelegt, ob das Hallenbad überhaupt saniert werden soll. Wird diese mit einem Nein beantwortet, erübrigt sich auch der in einem zweiten Schritt erfragte Entscheid über die Variante. In diesem Fall würde das Hallenbad nämlich geschlossen. Dabei sei mit Rückbaukosten von etwa einer Million Franken zu rechnen, erklärte Gemeinderätin Heidi Weiss (EVP) an einer Informationsveranstaltung am Dienstag im Saal des Gasthauses zur Tanne vor rund 40 Interessierten. Die Ressortvorsteherin Gesellschaft und damit Zuständige für das Hallenbad erklärte, dass in diesem Betrag weder die Kosten für eine Umnutzung noch für die Verlagerung des Schwimmunterrichts der Baumer Schulkinder enthalten sei.

Gelernt aus dem Gemeindehaus-Debakel

Ebenso unterstrich Weiss, dass diverse Nutzergruppen bei einer Schliessung «kein Zuhause mehr haben». Seien es Kinder, Familien, die örtliche Sektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft aber auch diverse Kursbesucher zum Beispiel des Aqua-Fit. Der Baumer Gemeinderat, der am Dienstag fast vollständig anwesend war, empfiehlt unter anderem deshalb, bei der Grundsatz-Frage ein Ja in die Urne zu legen, damit das «Halli» erhalten bleibt. Dieses Vorgehen sei auch «dem Debakel um die Sanierung des Gemeindehauses» geschuldet, erklärte Schulpräsident Rudolf Bertels (FDP) in der anschliessenden Diskussion. Die Frage, welche Variante zu bevorzugen ist, lässt der Gemeinderat aber offen.

Möglich wäre, dass sich der Gemeinderat schlicht nicht auf eine Variante einigen konnte. Denn diese differieren in wesentlichen Punkten. Bleibt bei der Variante «Bestand» der Grundriss des Bades ähnlich wie heute, ist bei der Variante «Erweiterung» beim heutigen Bistro-Standort ein Spielbecken für Kinder angedacht und bei der Terrasse ein Nichtschwimmerbecken mit verstellbarem Hubboden. Die neu drei Becken würden eine bessere und vor allem parallele Nutzung ermöglichen. Ausserdem wären unterschiedliche Wassertemperaturen realisierbar. Das Bistro würde bei beiden Varianten in den Eingangsbereich verlegt. Bei der Variante «Bestand» hätte es neu aber nur noch rund 15 anstatt wie bis anhin circa 60 Plätze. Bei einer Erweiterung würde es ebenso kleiner, aber ein wenig grösser als bei der Variante «Bestand» ausfallen.

Mehr Eintritte im Defizit eingerechnet

Der Gemeinderat rechnet aufgrund von Erfahrungswerten mit einer Zunahme der Besucherzahlen bei der Variante «Erweiterung», die diverse Attraktivitätssteigerungen enthält. Und dass diese Zunahme bis zu zehn Jahre anhält. Demgegenüber schnellten bei der Variante «Bestand» die Eintritte zwar kurz in die Höhe, nähmen dann aber rasch wieder ab. Interessant scheint in diesem Zusammenhang die Betrachtung des jährlichen Defizites des Hallenbades nach der Realisierung einer der Varianten. Das durchschnittliche, jährliche Defizit von 2011 bis 2015 betrug 250’000 Franken. In dieser Rechnung sind nebst dem ganzen Bistro, das heute defizitär ist, unter anderem auch die Einnahmen von den Eintritten, die Besoldungen des Personals und diverse Sachaufwände enthalten.

Wie Finanzvorstand Jürg Bosshard (parteilos) erläuterte, rechnet man bei der Variante «Bestand» mit einem jährlichen Defizit des Hallenbades von rund 220’000 Franken. Die rund 30’000 Franken seien der Verkleinerung des Bistros zu verdanken, dessen Defizit dadurch auch kleiner werde. Bei der Variante «Erweiterung» rechnet die Gemeinde mit einem jährlichen Defizit von rund 400’000 Franken. Auf das Votum eines Bürgers erklärte Bosshard, dass in den 400’000 Franken auch die zusätzlichen Eintritte eingerechnet sind, mit denen man aufgrund der Attraktivitätssteigerung rechnet. Unter anderem entstehe bei dieser Variante mehr Personalaufwand.

Ebenso sind die totalen Aufwände pro Jahr bei der Variante «Erweiterung» mit 980’000 Franken um einiges höher als bei der Bestandes-Variante mit 610’000 Franken. Nebst dem Defizit sind darin unter anderem auch die jährlichen Abschreibungen enthalten, die bei der Erweiterung mit grösseren Investitionskosten eben auch jährlich höher ausfallen. Umgerechnet entsprechen die 980’000 Franken einer Belastung von rund fünf, die 610’000 Franken rund drei Steuerprozenten. Weil das jetzige Hallenbad bereits ganz abgeschrieben ist, kostet es den Steuerzahler heute gut ein Steuerprozent.

Weiter sei bei beiden Varianten eine gewisse Vorfinanzierung mittels Steuererhöhungen möglich, sagte Bosshard. Die bei der Variante «Bestand» angedachten rund zwei bis drei Steuerprozente summierten sich über vier Jahre zu rund 1,6 bis 2,4 Millionen an Angespartem. Bei der Erweiterung wird mit einer Erhöhung von rund drei bis fünf Steuerprozent zwecks Vorfinanzierung kalkuliert.

Etappierung ist teurer

Generell wurde der Sanierungsbedarf des 1973 eröffneten Hallenbades am Dienstag in der anschliessenden Diskussion von den Anwesenden nicht in Frage gestellt. Das Bad wurde zwar in den 1990er-Jahren um einen Anbau ergänzt, aber nie umfassend saniert. Diverse Anlageteile haben das Ende der Lebensdauer erreicht. Vor allem die Lüftung, aber auch die Badewasseraufbereitung und die Beckenauskleidung seien zu erneuern, erklärte Raffael Husa von der Firma Beck Schwimmbadbau AG. Die Winterthurer Firma hat eine Bestandsaufnahme des Hallenbades durchgeführt. Weiss ergänzte, dass das Wasser im Becken seit fünf Jahren nicht mehr abgelassen wurde, weil ansonsten alle Keramikplatten abfallen würden. Vorschrift wäre jedoch ein jährlicher Ablass des Wassers.

Ein Bürger wollte aber wissen, ob die Sanierung nicht in Etappen geschehen könne und dies nicht günstiger wäre. Und ob eine «Ausdünnung» des Projektes «Bestand» möglich sei. Husa erklärte, dass die Firma Beck eine ganzheitliche Betrachtung vorgenommen habe. Ausserdem hingen viele Anlagen zusammen, weshalb ein Gesamtsanierung Sinn mache und auf längere Sicht günstiger sei.

Anlass zu einer Frage gab auch die kürzlich von Arthur Manz, dem langjährigen Hallenbad-Leiter, in einem Interview mit dem «Tößthaler» gemachte Aussage, dass rund um das Bad ein Parkplatzmangel herrsche. Heidi Weiss bestritt dies und verwies auf die Parkplätze an der Altlandenbergstrasse vis à vis des Zentrums Grosswis. «Wer ins Hallenbad geht, um sich sportlich zu betätigen, ist sicherlich bereit, rund 200 Meter zu laufen.»

Jemand, der mit Herzblut dabei ist

Werner Berger, Präsident der IG pro Bauma, fragte, ob immer noch und auch bei der Variante «Bestand», ein Chromstahl-Becken geplant sei. Husa antwortete, dass dies noch nicht definitiv entschieden und vieles noch offen sei. Berger sagte, dass die IG pro Bauma die Variante «Erweiterung» für völlig überrissen hält, sich aber für den Bestand des Hallenbades ausspricht. Dass es aber ein Chromstahl-Becken braucht, bezweifelte Berger. Heute laufe im Hallenbad vieles in Richtung weniger Aufwand, was aber letztlich teurer sei. «Was wir im Hallenbad brauchen, ist Führungspersonal, das mit Herzblut bei der Sache ist.»

Schliesslich wollte ein Bürger wissen, weshalb die Kostengenauigkeit 25 Prozent beträgt. Husa antwortete, dass dies auf die Phase zurückzuführen sei, in welcher sich das Projekt befindet. Und er fügte mit Blick auf die Variante «Bestand» an, dass «wir mit den neun Millionen ziemlich nah dran sind.» Der Votant zog das Fazit, dass es also nachher, wenn das Projekt konkreter werde, auf die Kostendisziplin zu achten gelte. Heidi Weiss fügte zum Schluss an, dass nach einem Ja zum Erhalt des Hallenbades und zu einer Sanierungsvariante der Bürger noch weitere Male über das Projekt befinden kann. Einerseits über den Projektierungskredit und schliesslich an der Urne über den definitiven Baukredit.

 

SCHULSCHWIMMEN
Sowohl bei der Variante «Bestand» als auch bei einer Erweiterung wird mit einer Bauzeit von rund einem Jahr gerechnet. Während dieser Zeit bleibt das Bad vollständig geschlossen. Wie einem Informationsblatt der Gemeinde mit den wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Sanierung des Hallenbades zu entnehmen ist, wird gemäss aktuellen Abklärungen der Schulverwaltung der Schwimmunterricht für die Baumer Schulkinder in dieser Zeit eingestellt. Gemäss kantonalem Lehrplan sind 90 Lektionen Schulschwimmunterricht in acht Schuljahren Pflicht. Derzeit werden in Bauma etwa 290 Lektionen erteilt.
Rolf Hug
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