Kunst erleben und selber schaffen

Unter Anleitung von Thomas Fritz entsteht ein Hufeisen (Foto: map)

Bereits zum dritten Mal organisierten Lisalotta Braun, Jacqueline Büchi und Liselotte Pohl eine Kunstausstellung mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern in Wila. Neu war in diesem Jahr die Möglichkeit, die Techniken, mit der die gezeigten Kunstwerke hergestellt worden waren, in Workshops selber auszuprobieren.

Wer den Weg am Fuss des Rosenbergs betrat, wurde von einem Torbogen mit regenbogenfarbigen Wollquasten begrüsst. Unter der Anleitung von Lisalotta Braun hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pro Senectute Stubete im alten Primarschulhaus verschiedene Kunstwerke geschaffen. Ein Holzrechen mit einem Gewebe zwischen den Zacken, ein Jaucheschöpfer mit Sonnenbrille und Rastalocken oder ein umstrickter Dreschflegel geleiteten die Besucherinnen und Besucher auf einem «Kunstweg» zum Rosenberg hinauf. Oben stellten die Künstlerinnen und Künstler einerseits ihre Werke aus, andererseits boten sie Workshops an, in denen sie die Besucherinnen und Besucher in ihre Techniken einführten. So konnten Gross und Klein selber tätig werden und eigene Kunstwerke erschaffen.

Glasperlen und Holzskulpturen

In der Metallwerkstatt des Rosenbergs zeigten Corina Rufibach und Chantal Guntern, wie bunte Glasperlen entstehen. Mit einem Eingasbrenner werden die farbigen Muranoglasstäbe geschmolzen und um einen Metallstab gedreht, der mit einem Trennmittel bestrichen ist. So lassen sich die Glasperlen wieder vom Stab lösen und dieser hinterlässt ein Loch. Aus den Perlen entstehen im Atelier von C & C Pearl Things Ketten, Ohrhänger, Schlüsselanhänger und andere Dekorationsartikel, auch in Kombination mit anderen Materialien, wie zum Beispiel farbigen Federn.

In der Holzwerkstatt führte Bruno Lüscher in die Kunst des Holzschnitzens ein. Nach der groben Bearbeitung mit der Bandsäge erfolgte die Ausarbeitung mit verschiedenen Handschnitzwerkzeugen. So hat eine Besucherin aus einem Holzklotz einen Osterhasen herausgearbeitet.

Gegensätzliche Bilder

Im Fabriksaal zeigten Alexandra Fink und André Gutzwiller ihre gegensätzlichen Bilder. Während Alexandra Fink mit der Kartonschabtechnik in reinem schwarz/weiss arbeitet, erstellt André Gutzwiller seine Bilder mit der Kamera. In der Masse gegenständlicher Bilder, die uns täglich umfluten, will André Gutzwiller unser Auge verwirren und uns zwingen, inne zu halten und seine Bilder genauer zu betrachten. Zeigt das Bild einen Strand, Wolken oder ein Gebäude? Jede und jeder sieht etwas anderes und ist hingerissen von der beruhigenden Wirkung der Bilder.

Alexandra Fink kann mit ihrer Kartonschabtechnik nur schwarz und weiss darstellen. Wo auf dem schwarzen Karton mit einem spitzen Messer die Farbe entfernt wird, erscheint der weisse Untergrund. Der Rest bleibt schwarz. Grautöne können nur mittels feiner Striche oder Mustern erstellt werden. Die Technik konnte am Stand von Alexandra Fink ebenfalls ausprobiert werden.

Wolle und Beton

Im Raum, in dem der historische Peitschenwebstuhl steht, wurden textile Kunstwerke gezeigt: Lisalotta Braun, Jacqueline Büchi und Liselotte Pohl zeigten ihre Filzkunstwerke. Daneben war es möglich, selber eine Blume oder einen Zauberstab zu filzen. Kathrin Wüest zeigte ihre Kleider und Schals. Bei ihr war es möglich Amedisli aus Spitze zu nähen.

In der Schmiede stellte Michelle Baumgartner ihre Kunstwerke aus Beton aus. Die Besucherinnen und Besucher gossen dort mit schnellhärtendem Beton kleine Eulen, Hasen oder Froschkönige, die sie am selben Tag nach Hause nehmen konnten. Bei Erika Waldvogel wurden in einer Pet-Flasche Gestecke gestaltet. Umhüllt von Bananenblättern entstanden aus verschiedenen Blumen, Blättern und Fruchtständen persönliche Kunstwerke, für sich selber oder zum Verschenken. An der Esse arbeitete Thomas Fritz und schmiedete mit den kleineren Kindern Hufeisen, mit den grösseren Brieföffner, die schon fast wie Messer wirkten.

Crêpes und eine Feuerkugel

Susanne Keller, die viele noch als Schulsozialarbeiterin an den Schulen in Wila kennen, bot im Hof Crêpes an, deren Füllungen ein Kunstwerk für den Gaumen darstellten. Ein Café im Fabriksaal sorgte für das leibliche Wohl der Gäste. Dort las Beatrice Romang am Samstagabend eine Kurzgeschichte von Pedro Lenz. Mit ihrem passenden Dialekt und ihren gekonnten Betonungen brachte sie die Geschichte des Erzählers und seiner Grossmutter den Leuten nahe und sorgte für viele Lacher.

Die Feuerkunst von Bruno Lüscher war für viele der Höhepunkt der Ausstellung. Dieses Jahr verwendete der Feuerkünstler eine kugelförmige Grundform aus Metall, die er mit Holzstäben füllte. So entstand ein Gebilde, das wie ein Seeigel aussah. Bruno Lüscher und seine Kinder entzündeten die Skulptur am äusseren Rand der Kugel. So fand das Feuer seinen Weg in die Mitte, bis die ganze Skulptur lichterloh brannte und nur noch eine verbogene Metallkugel übrigblieb. Die nächste Kunstausstellung auf dem Rosenberg findet vom 24. bis 26. November statt. Dann zeigt die Künstlergruppe Rosenberg ihre Kunstwerke.