Kuhn Rikon investiert ins Tösstal

Laut Projektleiter Paul Brunschwiler wird die neue Anlage 120 Pfannendeckel pro Stunde bearbeiten können (Fotos: md)

Für rund zwei Millionen Franken hat Kuhn Rikon neue, modernste Produktionsanlagen beschafft, mit denen Pfannendeckel geschliffen und poliert werden. Am Dienstag wurden die mehrere Tonnen schweren Bestandteile der neuen Anlage mit Sattelschleppern in Rikon angeliefert.

«Das Ziel ist, dass alle 30 Sekunden ein Pfannendeckel hergestellt wird», sagt Paul Brunschweiler, Projektleiter bei Kuhn Rikon für die Beschaffung der neuen, knapp zwei Millionen Franken teuren Produktionsanlage zum Schleifen und Polieren von Pfannendeckeln. Dank dieser neuen Anlage, die ab dem kommenden Sommer im Einsatz stehen wird, sollen in Rikon 105 bis 180 Pfannendeckel vom Band laufen – pro Stunde. Am Dienstag wurden die verschiedenen Bestandteile der Produktionslinie mit mehreren Lastwagen in Rikon angeliefert. Spezialisten der italienischen Herstellerfirma und der Transportfirma waren seit dem frühen Morgen damit beschäftigt, die teilweise mehrere Tonnen schweren Elemente von den Sattelschleppern zu heben und mit einem schweren Gabelstapler an ihren künftigen Standort in der Produktionshalle zu bugsieren.

Vollautomatische Bearbeitung

Die neue Produktionsanlage wird vollautomatisch arbeiten und von einem Bediener überwacht werden. Dieser entnimmt einer Gitterbox die noch «rohen» Pfannendeckel und legt sie auf ein Förderband. Ab hier läuft alles automatisch, erläutert Brunschweiler: «Die Pfannendeckel auf dem Band werden mit einer speziellen Vorrichtung so gewendet, dass sie von einem Roboterarm, der mit einem Saugnapf ausgerüstet ist, ergriffen werden können.» Dieser Roboter führt dann die Deckel der ersten Poliermaschine zu, welche die Innenseite bearbeitet. Die Maschine ist als Rundtisch mit fünf Aufnahmevorrichtungen gestaltet. Indem sich der Rundtisch dreht, wird jeder Deckel Schritt für Schritt von einer Bearbeitungsstation zur anderen geführt.

Mehr Produktivität und Qualität

An der ersten Maschine werden vier verschiedene Arbeitsschritte vorgenommen. Danach gelangen die Pfannendeckel über ein Förderband zur Poliermaschine für die Aussenseite. Ein weiterer Roboterarm bringt die Deckel an einer der sieben Aufnahmevorrichtungen an. Dann drehen sich diese im Kreis und durchlaufen nacheinander sechs Arbeitsschritte, bis sie auf Hochglanz poliert sind, wobei alle Schritte gleichzeitig ablaufen. Auf dieser Anlage können Deckel aus dem gesamten Sortiment von Kuhn Rikon bearbeitet werden. Die dazu notwendige Umrüstung der Produktionsanlage dauert lediglich 15 bis 30 Minuten. Dies ist möglich, weil die Anlage über verschiedene Schnellwechsel-Komponenten verfügt und die Bearbeitungseinheiten elektronisch eingestellt werden können.

Gleichzeitig wird eine neue, vollautomatische Waschanlage installiert, um die Pfannendeckel rückstandsfrei zu waschen und glanzzutrocknen. Nach der Wäsche werden die Deckel von einer weiteren Person auf die geforderte Qualität hin geprüft. Die gesamte Anlage findet Platz auf einer Fläche von 22 x 10 Metern. Sie ersetzt eine ältere Anlage aus dem Jahr 1977, bei welcher viele Arbeitsschritte noch manuell ausgeführt werden müssen. Die Mitarbeitenden, die an dieser Anlage arbeiten, haben dadurch mehr Zeit für Arbeitsvorbereitung und Überwachungsaufgaben.

Gutes Zeichen für das Tösstal

Bis Ostern soll die neue Polier- und Schleifanlage soweit eingerichtet sein, dass der Testbetrieb aufgenommen werden kann, bei dem auch die Feinabstimmung stattfindet. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit diesen neuen, hochmodernen Maschinen die Produktivität um 25 Prozent zu steigern», erläutert Projektleiter Brunschwiler. Dank der Automatisierung soll zudem eine konstantere Qualität erreicht werden.

Die Nachricht, dass Kuhn Rikon als einer der grössten Industriebetriebe des Tösstals einen namhaften Betrag in die Erneuerung seiner Produktionsanlagen steckt, darf als sehr erfreuliche Nachricht gewertet werden. Eine Investition in dieser Höhe in Rikon ist als Bekenntnis zum Produktionsstandort Tösstal zu werten. Die Evaluation der neuen Anlage begann bereits vor drei Jahren, sagt Brunschwiler. Zuerst wurde das Anforderungsprofil der Anlage erarbeitet. Danach wurden rund drei Dutzend Maschinenhersteller angeschrieben und gebeten, ihre Angebote einzureichen. Die Auswahl wurde schrittweise auf drei eingeschränkt. Im September 2016 wurde der Investitionsantrag freigegeben. Kuhn Rikon entschied sich für die Firma Cosmap aus Padua (IT): «Dieser Hersteller erhielt den Zuschlag, weil die Komponenten seiner Anlagen sehr hochwertig sind und damit für die Langlebigkeit seiner Produkte bürgen», unterstreicht Brunschwiler und ergänzt: «Ich bin zuversichtlich, dass wir die Einführung der neuen Anlage bis Ende des zweiten Quartals dieses Jahres schaffen werden.»

Eine mehrere Tonnen schwere Rundtischanlage wird vom Sattelschlepper gehoben
Eine mehrere Tonnen schwere Rundtischanlage
wird vom Sattelschlepper gehoben