Korben: ein leises Handwerk

Das Endprodukt: Körbe in verschiedenen Grössen (Fotos: pa)

Wie jedes Jahr sitzt auch diesen Herbst der Korbflechter Heinz Lippuner an seinem Stand am Baumer Märt. Dabei hat er immer einen Korb in Arbeit und die Marktbesucherinnen und -besucher können ihm beim Korben zuschauen.

Es gibt Tätigkeiten, die sich nicht von Maschinen ausführen lassen. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass der Rohstoff, das Material, welches für diese Tätigkeit benutzt wird, derart unterschiedlich und uneinheitlich ist, dass es sich der maschinellen Bearbeitung entgegenstemmt. Die Gegenstände, die aus solcher Tätigkeit entstehen, können nur durch Gegenstände aus ganz anderem Material ersetzt werden: Kartonschachteln, Stofftaschen, Plastikboxen sind maschinell gefertigte Ersatzprodukte für geflochtene Körbe. Sie dienen alle als Transport- oder Aufbewahrungsbehältnisse; sie sind − mehr oder weniger − stabil und leicht.

Seltene und teure Handarbeit

Geflochtene Körbe sind Handarbeit und Handarbeit ist teuer. So kommt es, dass in vielen Haushalten Korbwaren sehr selten geworden oder gar ganz verschwunden sind. Die wenigen Korb- und Flechtgestalter (so die offizielle Berufsbezeichnung), die es in der Schweiz noch gibt, haben ihren Tätigkeitsbereich deshalb ausgeweitet. Neben Körben produzieren sie Einrichtungs- und Dekorationsgegenstände oder auch Sichtschutzelemente, Gartenzäune und ähnliches.

In Bauma lebt und arbeitet einer der wenigen Flechter, die ausschliesslich Körbe herstellen – ein Korbmacher eben. Heinz Lippuner flicht Körbe für die verschiedensten Nutzungen: «Ich produziere Gebrauchsgegenstände.» Einkaufskörbe, Beeren- und Apfelpflückkörbe, kleine Bogenkörbe, grosse Holzkörbe und Wäschezainen in allen Grössen.

Mehr Hobby als Nebenberuf

Der gelernte Maler besuchte vor gut zwanzig Jahren einen Flechtkurs bei Bernard Verdet. Verdet ist einer der wenigen Flechtmeister in der Schweiz; er unterrichtet heute sowohl in Frankreich an der Ecole nationale de Vannerie als auch in Brienz an der Holzbildhauerschule, der einzigen Schule in der Schweiz, die professionelle Flechtausbildung im Rahmen einer Lehre anbietet; zurzeit gibt es in der Schweiz gerade mal drei Lehrlinge. Verdet führte in den 1980er Jahren zusammen mit seiner Frau Regula den Laden des Heimatwerks Bauma.

Ruhiges und konzentriertes Arbeiten: Heinz Lippuner beim Flechten
Ruhiges und konzentriertes Arbeiten: Heinz Lippuner beim Flechten

Durch diesen Kurs ist das Korbflechten für Heinz Lippuner zu einer Art Nebenberuf geworden. «Eher ein Hobby», korrigiert er; Aufwand und Ertrag halten sich gerade so die Waage. Das liege vielleicht auch daran, dass er mehr Handwerker als Geschäftsmann sei, meint er selbstkritisch mit einem Schuss Ironie. Jährlich besucht er etwa zehn Märkte, darunter natürlich auch den Baumer Märt. Da bietet er seine Ware an und baut sich seinen Kundenkreis auf. Die Märkte sind zudem eine willkommene Gelegenheit, sein Handwerk zu präsentieren und demonstrieren: Statt hinter einem Stand zu stehen und zu warten, arbeitet er an seinen Körben.

Wenig Werkzeug in einer kleinen Werkstatt

Dass dies gut möglich ist, zeigt sich auch beim Besuch in seiner Werkstatt − fast müsste man sagen Werkstättchen. Zum Korben braucht es weder viel Platz noch viel Werkzeug: eine Gartenschere, eine Ahle und ein Schlageisen. Auch das Material, die Weidenruten, braucht wenig Platz; es lehnt draussen im Hof an der Hauswand. Mehr Platz beansprucht einzig die grosse Wanne, in der die Weidenruten eingeweicht werden − während ein bis zwei Stunden die entrindeten Ruten und mindestens zwei Wochen die ungeschälten, die für Holzkörbe gebraucht werden, weil sie stabiler sind. Für die Arbeit braucht es einen niedrigen Tisch und einen niedrigen Stuhl, weil ein Teil des Materials am Boden liegt. Das ist’s. Die Körbe, die Heinz Lippuner zum Verkauf auf die Märkte mitnimmt, brauchen vermutlich mehr Platz im Auto.

Natürlich gibt es noch weitere Werkzeuge für die Korbmacherei, alte und sehr seltene, die heute gar nicht mehr hergestellt werden. Sie dienen zu Vorbereitungsarbeiten, zum Spalten und Entrinden von Weidenruten. Doch diese Werkzeuge braucht Heinz Lippuner selten. Er kauft das Rohmaterial, die Weidenruten, in unterschiedlichen Längen fertig zubereitet ein, in Lichtenfels, der Hauptstadt der Korbmacher in Oberfranken, Bayern. Das Material stammt grossen Teils aus Spanien oder auch aus Osteuropa: Weiden werden dort in grossen Plantagen gezogen und maschinell geerntet und die Ruten anschliessend auch maschinell entrindet und nach Bedarf gespalten. Nur die Weidenruten für die grossen Holzkörbe, die nicht geschält werden, besorgt er sich bei Bauern in der Region.

Leise und schnell wächst das Geflecht

So sitze ich denn bei Heinz Lippuner in seiner kleinen Werkstatt und schaue ihm bei der Arbeit zu. Es ist ein stilles, ruhiges, aber flinkes und konzentriertes Arbeiten. Keine Maschine lärmt, nur zwischendurch das Knipsen der Gartenschere, wenn er vorstehende Rutenenden abknipst, oder ein paar leise Schläge mit dem Schlageisen, um das neu entstandene Geflecht fester zusammenzupressen. Eine meditative Arbeit, bei der man zusehen kann, wie ein Geflecht entsteht und wächst − und ich staune, wie schnell es wächst.