Kollbrunner wollen Zebrastreifen zurück

Yvonne Thalmann mit ihren beiden Söhnen vor dem Schulhaus Kollbrunn, wo es keinen Zebrastreifen mehr hat und auch keinen mehr geben soll (Foto: hug)

Kollbrunner Eltern haben innerhalb von drei Tagen gut 260 Unterschriften gesammelt, damit es in der entstehenden Tempo-30-Zone im Dorfzentrum von Kollbrunn wieder Zebrastreifen gibt. Der Gemeinderat Zell will vorerst abwarten.

Momentan herrscht im Dorfzentrum Kollbrunn eine rege Bautätigkeit. Die Arbeiten zur Ummodelung der Dorfstrasse mit heute Tempo 50 in eine Tempo-30-Zone im Rahmen des Betriebs- und Gestaltungskonzeptes sind in vollem Gange. Diverse Zebrastreifen sind seit Baubeginn ebenfalls verschwunden. Sowohl derjenige zwischen Schule und Kindergarten, als auch diejenigen an der Kreuzung beim Restaurant Frohsinn. «Schlicht inakzeptabel», findet Yvonne Thalmann die heutige Situation. Sie ist Geschäftsinhaberin des Blumen- und Geschenkeladens Bluemigs&meh beim Bahnhof Kollbrunn und zweifache Mutter. «Die Strassen werden chaotisch überquert. Die Kinder wissen nicht mehr, wo sie die Strasse überqueren sollen.»

Künftig soll es auch keine Zebrastreifen mehr geben. Denn solche sind in Tempo-30-Zonen nicht vorgesehen. Für die zweifache Mutter ein Katastrophe: «Nur Zebrastreifen sorgen für die nötige Verkehrssicherheit, auch bei Tempo 30. Die Kinder gehen dann in Gruppen über die Strasse, wie sie es bei der Verkehrsinstruktion gelernt haben.» Deshalb brauche es Zebrastreifen. Alles andere sei eine Gefahr für deren Sicherheit.

Eltern machen sich Sorgen

Zusammen mit anderen Eltern begann Thalmann Unterschriften zu sammeln. «Wir wollen die Zebrastreifen zurück», lautet die Forderung. In nur drei Tagen sind gut 260 Unterschriften zusammen gekommen. Gesammelt wurde unter anderem in Thalmanns Geschäft als auch beim Bahnhofskiosk. «Wir wollten möglichst früh auf diese Situation aufmerksam machen und unser Anliegen entsprechend möglichst breit abstützen», erklärt Thalmann. Die Listen habe man mit einem Brief beim Zeller Bausekretär Peter Obrist platziert. Ebenso hat das Elternforum Kollbrunn mit einem Schreiben nachgedoppelt.

Ihr sei zwar zu Ohren gekommen, dass die Chancen gering seien, etwas zu bewirken. Probieren wolle sie es trotzdem, sagt die zweifache Mutter. Denn das Thema beschäftige die Menschen in Kollbrunn sehr. Als Geschäftsinhaberin sei sie am Puls der Bevölkerung. Und es seien nicht nur Eltern, die sich Sorgen machten. «Auch ältere Menschen haben mir schon erzählt, dass sie sich nicht mehr ins Dorf trauten, weil die Verkehrssituation ohne Zebrastreifen sehr unübersichtlich ist.»

Langer Planungsprozess

Zells Gemeindepräsident Martin Lüdin versteht die Petitionäre. «Ich hätte wahrscheinlich auch unterschrieben.» Er findet es gut, dass Bürger aktiv an der Dorfgestaltung teilnehmen und ihre Interessen artikulieren, «anstatt die Faust im Sack zu machen». Wichtig ist ihm die Aussage, dass es sich bei der Dorfstrasse um eine Kantonsstrasse handelt und beim ganzen Projekt der Kanton federführend ist, im Speziellen das Tiefbauamt und die verkehrstechnische Abteilung der Kantonspolizei, welche vieles vorgebe. «Der Kanton ist Bauherr, nicht die Gemeinde.» Zwar nahmen in der Planungsphase in den Entscheidungsgremien, nebst Postauto Schweiz, der SBB und anderen, auch Vertreter der Gemeinde Platz. Die Gestaltungsspielräume seien aber sehr beschränkt. «Wir verfügen lediglich über ein Antragsrecht an den Kanton.» Ausserdem sei das Ganze verkehrstechnisch sehr anspruchsvoll und bedinge den Beizug von Experten.

Lüdin weist auch auf den langen Planungsprozess hin, welcher das Projekt durchlaufen hat. «Es war uns wichtig, die Bevölkerung frühzeitig in das Projekt einzubeziehen.» So fand die erste öffentliche Informationsveranstaltung im Mai 2013 statt. Anregungen aus der Bevölkerung konnten in dieser frühen Projektphase berücksichtigt werden. Nach der Übergabe der Projektverantwortung vom Amt für Verkehr an das Tiefbauamt des Kantons Zürich für die Ausführung wurde die Bevölkerung im November 2015 erneut einbezogen und über die Detailplanung informiert. Aus der öffentlichen Auflage Anfang 2016 resultierten keine Einwände aus der Bevölkerung, worauf das Betriebs- und Gestaltungskonzept Kollbrunn durch den Regierungsrat des Kantons Zürich festgesetzt wurde. An der Gemeindeversammlung vom 14. März 2016 wurde das Projekt erneut vorgestellt und der Kredit für den Kostenanteil der Gemeinde Zell, primär für Einmündungen der Gemeindestrassen, bewilligt.

Hoffen auf schleichenden Verkehr

Weil in Tempo-30-Zonen in der Regel keine Zebrastreifen vorgesehen sind, kann die Strasse überall überquert werden. Erlaubt wären Streifen in Ausnahmefällen einzig vor Schulen und Altersheimen. Im Umkreis von 50 Metern müssen diese dann aber zwingend zur Überquerung der Strasse benützt werden. Der Gemeindepräsident mutmasst, dass ein Zebrastreifen einzig zwischen Kindergarten und Schulhaus die Kinder noch mehr verwirren könnte, als gar kein Streifen. Auch stellt er sich die Frage, ob es mit dem Fussgängerstreifen nicht zu einer zu grossen Dichte an Markierungen und Signalisationen auf der Dorfstrasse komme.

Lüdin und der Gemeinderat warten nun erst einmal ab. «Momentan ist das Dorfzentrum Kollbrunn eine Baustelle. Ist die Tempo-30-Zone erst fertig, ergibt sich vielleicht ein anderes Bild.» Diverse Markierungen und Signalisationen werden in der nächsten Wochen noch erstellt, zum Beispiel die Eingangsportale, die die Tempo-30-Zone ankündigen mit entsprechenden Bodenmarkierungen. Die Markierungen «Schule» beim Schulhaus wurden letzthin aufgetragen. An dieser Stelle ist die Strasse zudem verengt und erhöht. Gewisse vorsorgliche Massnahmen hat der Gemeinderat aber getroffen, um sich die Option eines Zebrastreifens beim Schulhaus offen zu lassen. Zwei Bäume am Strassenrand wurden eigens noch nicht eingepflanzt. Und kommt der Gemeinderat dereinst zum Schluss, dass dort ein Zebrastreifen sinnvoll wäre, schätzt Lüdin die Chancen nicht schlecht ein, dass der Kanton dem Antrag der Gemeinde zustimmen würde.

Jedenfalls solle mit dem Betriebs- und Gestaltungskonzept das Dorfzentrum Kollbrunn verkehrsberuhigt und dem zunehmenden Schleichverkehr entgegengewirkt werden, erklärt Martin Lüdin. Dieser entsteht durch das Umfahren der bei Winterthur vielfach stauanfälligen A1. «Infolge der Verlangsamung im Dorfzentrum rechnet man mit einer signifikanten Verbesserung der Verkehrssicherheit und auch mit weniger Autos.» Er hofft, dass der Verkehr vielleicht dereinst durchs Dorf «schleichen wird». Ausserdem habe die Kantonspolizei bereits zugesichert, dass sie nach der Fertigstellung der Tempo-30-Zone Radarkontrollen durchführen werde.

KREISELGESTALTUNG
Ende September endete die Frist, um Ideen für die Gestaltung des Kreisels an der Kreuzung von Tösstal- und Weisslingerstrasse einzureichen. «Ich bin positiv überrascht, ob all der Ideen, die eingegangen sind», sagt der Zeller Gemeindepräsident Martin Lüdin. Wie viele es sind, möchte er noch nicht verraten. Nur so viel: Die Jury habe getagt und bereits denjenigen Wettbewerbsteilnehmern eine Absage erteilt, deren Vorschläge nicht in Frage kommen. Die verbleibenden Ideen werden nun auf ihre Machbarkeit hin überprüft und dem Kanton zur Bewilligung eingereicht. Danach tagt die Jury erneut. Der Sieger-Vorschlag wird am 2. Januar 2018 am Neujahrsapéro der Gemeinde Zell der Öffentlichkeit präsentiert.
Rolf Hug
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