Kollbrunn erhält eine Gemeinschaftspraxis

Gesundheitsvorstand Bruno Vollmer, Beat Gloor, Daniel Hardegger, Gemeindepräsident Martin Lüdin(von links) (Foto: md)

Im Oktober 2019 wird in Kollbrunn eine ärztliche Gemeinschaftspraxis eröffnet. Die treibenden Kräfte sind zwei Tösstaler Ärzte,
die ihre Praxen zusammenführen. Der Gemeindepräsident von Zell stellte den Kontakt her.

Im Tösstal ist das Thema ärztliche Grundversorgung stets aktuell: Einerseits wird die Bevölkerung immer älter und braucht deswegen eine intensivere ärztliche Betreuung, anderseits ist es ganz allgemein schwierig, junge Ärztinnen und Ärzte zur Gründung einer eigenen oder zur Übernahme einer bestehenden Praxis zu motivieren. So kann es sein, dass etablierte Ärzte keine Nachfolger für ihre Praxis finden. An verschiedenen Orten im Tösstal besteht zurzeit die Gefahr einer ärztlichen Unterversorgung. In Wila ist im Rahmen einer Neuüberbauung im Ortszentrum auch die Eröffnung einer Gemeinschaftspraxis vorgesehen. Zurzeit werden Kapitalgeber aus der Bevölkerung gesucht («Der Tößthaler» berichtete).

In Kollbrunn wird im Oktober 2019 in der zurzeit in Bau befindlichen Überbauung «Verdeblù» eine neue Gemeinschaftspraxis eröffnet. Dies kündigten am vergangenen Freitag der Gemeindepräsident von Zell, Martin Lüdin, und die beiden Tösstaler Ärzte Beat Gloor, Turbenthal, und Daniel Hardegger, Rämismühle, an. Einen wichtigen Anteil am Zustandekommen dieses Vorhabens hatte die Gemeinde Zell: Der Gemeinderat hat es sich in seiner aus dem Leitbild abgeleiteten Vierjahresplanung 2016 bis 2019 ausdrücklich zur Aufgabe gemacht, zur Entstehung einer Gemeinschaftspraxis Hand zu bieten. Der Kontakt zwischen den beiden Ärzten kam durch Vermittlung des Zeller Gemeindepräsidenten zustande. «Die Gemeinde Zell wird mittelfristig auf 6700 Einwohner anwachsen. Dies bedeutet, dass sich der Gemeinderat auch über eine entsprechende ärztliche Versorgung Gedanken machen musste», sagte Lüdin anlässlich der Medienorientierung vom Freitag. Schnell sei auch klar gewesen, dass es darum gehen musste erfahrene Ärzte zusammenzubringen, die Interesse an der Gründung einer Gemeinschaftspraxis hätten, ergänzte der Gemeindepräsident.

Praxis in Rämismühle schliesst

Unabhängig voneinander wurden Beat Gloor und Daniel Hardegger bei der Gemeinde vorstellig. Gemeindepräsident Martin Lüdin brachte die beiden zusammen. Nach intensiven Abklärungen stand fest, dass Gloor und Hardegger dieselben Vorstellungen von ärztlichem Engagement und der Führung einer Gemeinschaftspraxis hatten. Beide werden deshalb Teilhaber der Tösstal Praxis AG sein. Gloor führt bereits in Turbenthal eine Arztpraxis und Hardegger in Rämismühle. Ihre Gemeinschaftspraxis wird die Standorte Kollbrunn und Turbenthal umfassen. Hardegger wird seine Praxis von Rämismühle nach Kollbrunn verlegen und die Leitung dieses Standorts übernehmen. Gloor wird weiter in Turbenthal praktizieren. Mittel- und langfristig möchten die beiden Praxisinhaber an beiden Standorten je drei bis vier Ärzte beschäftigen und ihnen auch Schritt für Schritt die Möglichkeit geben, als Teilhaber in die Praxis einzusteigen. Dieselbe Möglichkeit der Teilhabe möchten sie allen Praxis-Angestellten bieten. Die Praxis Kollbrunn wird ihren Standort im Gewerbebau der Überbauung «Verdeblù» haben, die zurzeit zwischen der Tösstalstrasse und der Töss erstellt wird.

Unabhängig von Konzernen

Für die Räumlichkeiten in Kollbrunn konnten Gloor und Hardegger einen langfristigen Mietvertrag abschliessen. In die Einrichtung der neuen Praxis werden sie rund eine halbe Million Franken investieren. «Weil wir selbst Eigentümer sind und jungen Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit bieten, sich an der Praxis zu beteiligen, können wir die Einhaltung unserer berufsethischen Standards besser garantieren als eine Praxis, die von einem gewinnorientierten Konzern betrieben wird», unterstrich Gloor. Dies sei auch nachhaltiger, doppelte Hardegger nach, denn mit der Aufnahme junger Ärzte als Teilhaber werde die Nachfolgefrage bereits frühzeitig gelöst. Beide sind überzeugt, dass dieses Betriebsmodell der klassischen Einzelpraxis oder der Konzernpraxis weit überlegen sei, einerseits punkto Unabhängigkeit und anderseits punkto Attraktivität der Arbeitsbedingungen.

Für Gemeindepräsident Martin Lüdin ist das Vorhaben der beiden Tösstaler Ärzte die optimale Lösung für die Gemeinde Zell: «Ich bin begeistert, dass sich zwei etablierte Ärzte zu diesem Schritt entschlossen und die Finanzierung selbst auf die Beine gestellt haben. Ausserdem freut es mich, dass ich dazu Hand bieten konnte ein Ziel aus unserer Vierjahresplanung zu erreichen.» 

 

Guter Draht zu Jungärzten
Die Tösstal Praxis AG engagiert sich in der Berufsausbildung für medizinische Praxisassistentinnen sowie die Ausbildung von Medizinstudenten und Fachärzten. So absolvieren Medizinstudenten der Unis von Zürich und Bern ihre Praktika im Töss-tal. Damit verfügt die Gemeinschaftspraxis über einen guten Draht zu potenziellen künftigen Mitarbeitern. Beat Gloor und Daniel Hardegger möchten jungen Ärztinnen und Ärzten den Einstieg in die Praxistätigkeit erleichtern. Sie haben damit die Möglichkeit, im Team und im Angestelltenverhältnis zu arbeiten, auch in individuellem Tempo und in Teilzeitarbeit, und schliesslich begleitet in die Selbständigkeit überzugehen. (md)