Kindergärtler müssen in der Kälte auf Schulbus warten

Der Schulbus holt die Kinder fahrplanmässig um 12.10 Uhr ab. Bei starkem Verkehr kann es aber auch länger dauern (Foto: md)

Seit Anfang Januar werden die Kinder des Kindergartens Haselhalden, welche auf dem Schulbus angewiesen sind, sofort nach Schulschluss auf den Weg zur Bushaltestelle geschickt. Dort müssen sie nicht selten bis zu 20 Minuten auf die Ankunft des Busses warten. Auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

«Aus anstellungsbedingten Gründen ist es mir nicht mehr möglich, die Schubi-Kinder bis 12 Uhr im Kindergarten zurückzuhalten. Sie werden ab sofort um 11.50 Uhr, mit den anderen Kindern, verabschiedet werden.» Dieses Schreiben erhielten am 8. Januar etwa zehn Kinder des Kindergartens Haselhalden, welche auf den Schulbus angewiesen sind. Seither werden diese Kinder um zehn vor zwölf auf den Heimweg, respektive auf den Weg zur Bushaltestelle geschickt, die sich beim «Löwen» in Juckern befindet. Um diese Strecke von weniger als 250 Meter zurückzulegen, benötigen die Kinder wenige Minuten. Der Bus kommt fahrplanmässig um 12.10 Uhr – falls es die Verkehrsverhältnisse erlauben. Gar nicht so selten kommt es aber vor, dass die Kinder bis 12.20 Uhr auf die Ankunft des Schulbusses warten müssen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, wie sie zu dieser Jahreszeit regelmässig im oberen Tösstal herrschen, ist dies nicht unbedingt angenehm. Ausserdem sind die Kindergärtler während dieser Zeit nicht beaufsichtigt.

Eine Woche krank

Die Mutter eines fünfjährigen Mädchens, das dem Kindergarten Haselhalden zugeteilt ist, beschwert sich beim «Tößthaler» über diese neue Praxis: «Meine Tochter hat wiederholt darüber geklagt, dass sie beim Warten friert. Sie war im Januar bereits zweimal krank, einmal während einer vollen Woche.» Nun holt ihr Vater sie in der Haselhalden ab, muss aber deswegen die Arbeitszeit nachholen. «Ich finde das nicht in Ordnung», kritisiert die Mutter, «wir zahlen schliesslich Steuern.»

Rudolf Bertels, Gemeinderat und Schulpräsident von Bauma, bestätigt den Sachverhalt gegenüber dem «Tößthaler». Es sei richtig, dass die Kindergartenkinder des Haselhaldenschulhauses zehn bis 20 Minuten warten müssten: «Wenn sich am Bahnübergang Juckernstrasse der Verkehr zurückstaut, bleibt der Schulbus stecken und kommt entsprechend verspätet an.» Die Kinder seien dann zwar unbeaufsichtigt, aber sie warteten in der Gruppe, sagt Bertels und ruft in Erinnerung, dass die Schulpflege auf eigene Kosten den Transport von Schulkindern zu übernehmen hat, wenn für diese der Weg wegen seiner Länge und/oder der Gefahren nicht zumutbar ist. Um die pünktliche Abholung der Haselhalden-Kindergärtler zu garantieren, müsste ein zweiter Schulbus angeschafft werden, was mit zusätzliche Kosten verbunden sei. Die Alternative dazu sei, für die betroffenen Kinder einen Mittagstisch im Kindergarten anzubieten. Beide Entscheidungen liegen in der Kompetenz der Schulpflege.

Bedingt durch ihre Gliederung in verschiedene Ortschaften und durch die Lage ihrer Schulhäuser müssen Kindergarten- und Schulkinder immer wieder Schulhäusern zugeteilt werden, die zu weit von ihrem Wohnort gelegen sind, um zu Fuss erreicht zu werden. Das Schulweg-Reglement der Gemeinde Bauma legt fest, dass täglich vier Mal eineinhalb Kilometer Schulweg als zumutbar gelten. Dieser Massstab beruht auf mehreren Entscheiden des Bundesrats über die zulässige Länge von Schulwegen. Die Gemeinde Bauma führt deshalb zurzeit zwei Schulbuslinien: Die Eine führt von Saland über Juckern und Altlandenberg nach Bauma und von dort weiter nach Seewadel und in die Wellenau. Eine zweite Route bedient die Höfe der ehemaligen Gemeinde Sternenberg. Total zählt Bauma an die 500 Kindergarten- und Schul-
kinder.

Dritter Kindergarten erst 2019

Die zentraler gelegenen Kindergärten im Schulhaus Altlandenberg und Bauma Zentrum sind bereits voll belegt, erklärt Schulpräsident Bertels, während in den beiden Kindergärten im Schulhaus Haselhalden noch Plätze frei waren. Trotzdem ist die Situation mit den weiten Schülertransporten unbefriedigend. Die Situation könnte sich verbessern, sobald in der Schulanlage Altlandenberg ein dritter Kindergarten eingeführt werden könne. Dieser soll in einem Provisorium untergebracht werden. Dies wird aber nicht diesen, sondern im Spätsommer 2019 der Fall sein, lässt Bertels durchblicken. Dies würde die Situation im Altlandenberg entschärfen. Dort ist die Zahl der Kindergarten- und Schulkinder innert kurzer Zeit von 100 auf 120 gestiegen.

Wie sich zeigt, gibt es für die lange Wartezeit der Haselhalden-Kindergärtler auf ihren Schulbus zahlreiche, nachvollziehbare Erklärungen, seien diese finanzieller oder betrieblicher Natur. Trotzdem wirkt es etwas stossend, dass für zehn Kindergärtler keine unkomplizierte Lösung möglich scheint, um diesen das Frieren an der Schulbus-Haltestelle zu ersparen.