Kinder gehen auf «Weltreise»

Konzentriert werden mit «Dot Painting» Aborigines-Symbole auf Rucksäcke gemalt (Foto: ek)

Etwa alle zwei Jahre organisiert die Primarschule Wila für die 1. bis 6. Klasse und den Kindergarten eine Projektwoche. Diese Woche war es wieder soweit. Unter dem Motto «Weltreise» lernten die Knirpse über Kontinente und Kulturen. 

In der Halle des Primarschulhauses Eichhalde wimmelten am Montagmorgen aufgeregte Kindsgigärtner zwischen den Primarschülern umher. Für sie war es eine ganz besondere Woche, denn sie durften zum ersten Mal die Schule besuchen, in der sie zusammen mit den 1. bis 6. Klässlern an der Projektwoche teilnahmen.

Alle zwei Jahre organisiert die Lehrerschaft für die Primarschule eine Projektwoche. Das Konzept ist jedes Mal ein neues. Mal blieben die Klassen unter sich und jede Lehrperson suchte ihr eigenes Thema aus, ein anderes Mal war der Circolino Pipistrello auf Besuch, der mit den Kindern Projekte durchführte. Bei der diesjährigen Projektwoche unter dem Motto «Weltreise» durften sich die Klassen und der Kindergarten bunt durchmischen. Ziel war es, den Kindern spielerisch einen ersten Eindruck über die fünf Kontinente zu geben, ihnen etwas über die Länder und Kulturen beizubringen.

Wo isst man Schnecken?

Um 8.20 Uhr trafen sich am Montagmorgen alle Kinder in der Halle. Mit einem Handzeichen der Lehrerinnen wird es beinahe ruhig im Saal und nach einer kurzen Begrüssung stimmten die Kinder gemeinsam ins Lied «Wer chunt mit go reise» ein. Während die Kindergärtner fröhlich mit den Pinguinen, die man am Nordpol besuchen möchte, mitquakten, gaben sich die «Grossen» etwas verhaltener. Sie waren sichtlich erleichtert, als die Singübung beendet war. Eine Gruppe der älteren Kinder hatte zuvor ein Quiz vorbereitet, welches nun gemeinsam gelöst wurde: Anhand von Fotos musste das zugehörige Land erraten werden. Schon beim ersten Bild mit gegrillten Schnecken und Froschschenkel wurde aus allen Ecken «Frankreich» gerufen, dass aber Legos nicht aus Lego-Land stammen, war für viele neu.

Nach einem weiteren Singeinsatz, konnten sich die Knirpse endlich in ihre Gruppen verteilen. Zur Kennzeichnung bekamen sie alle ein farbiges Armbändchen. An den fünf Vormittagen dieser Woche fanden die Workshops zu den Kontinenten statt, welche die Kinder in der Rotation alle durchliefen. Am Ende des Vormittags besuchte somit jedes Kind zwei Kurse zum jeweiligen Kontinent. In «Amerika» führte Tobias Koch die Kinder in die Kultur der Indianer Nordamerikas ein. Er zeigte ihnen eine nette Auswahl an kulturellen Dingen: Fell- und Knochenbesetzte Messer, Pfeile und Kult-Gegenstände.

Fremde Kultur interaktiv

Mit einem Fuchsfell über dem Kopf gab er den Schamanen und erklärte, dass die Indianer vor dem Singen rituellen weissen Salbei verbrennen. Nachdem die Kinder mehr oder weniger begeistert den Rauch geschnuppert hatten, lehrte er sie ein Liedchen: «Heja Heja Heja Heja Ho» sang er im vtypischem Singsang vor, und weiter: «für eusi Erde singed mir. Stei und Pflanze, Mensch und Tier». Um viertel vor zehn wechselte die Gruppe dann zu «Südamerika».

Bei Claudia Greuter landeten die Kinder in «Australien». Im Werkraum gab sie den Workshop «Dot Painting», in dem die traditionelle Punkt-Mal-Kunst der Aborigines, der Ureinwohner Australiens, vermittelt wurde. Als Vorzeigeobjekt brachte sie ein echtes Didgeridoo mit, das traditionelle Instrument der Aborigines. Es ist ein Blasinstrument aus Eukalyptusholz und mit der Dot-Technik bunt bemalt.

Die Kinder durften für sich auch einen kleinen Stoffrucksack bemalen. Aus den vielen Vorlagen wählten sie sich eines der Tier-Symbole aus, welche die Aborigines traditionell in ihren Bildern verwenden. Mit Textilfarbe und Wattestäbchen trugen sie hochkonzentriert ihr Känguru, Koala oder Schnabeltier durch Punkten auf dem Beutel auf. Im zweiten Teil von «Australien» gab es dann eine Werkstatt mit verschiedenen Posten, an welchen die Kinder Aufgaben zu Land und Aborigines lösen konnten und Sachen, die sie anschauen konnten, wie ein Youtube-Filmchen vom «lachenden Hans», der berühmte Kookaburra-Vogel, der mit seinem «Gelächter» schon manchen verdutzt hat.

Zauberei und Batik

An den Nachmittagen dann konnten sich die Schüler und Kindergärtner frei für verschiedene Workshops anmelden. In «Schweden» erfuhren sie mehr über das Land und machten selber schwedische Süssigkeiten, im «Val Müstair» lernten sie Romanisch und durften auch hier traditionelles Essen probieren. Auch in «Indien» und den «USA» wurde gebacken und genascht, in «Musik aus aller Welt» konnten die Kinder verschiedene Instrumente ausprobieren und lernten einen philippinischen Tanz. Für die grösseren gab es noch einen Workshop «Zauberei» und einen, in dem sie ihr T-Shirt mit Batik färben konnten.

Nächste Woche geht es wieder in den «normalen» Unterricht. Was die Projektwoche in zwei Jahren bieten wird, weiss die Lehrerschaft noch nicht. Aber sie freut sich zu sehen, dass sich auch ihre Zöglinge Freude an der Projektwoche hatten. Die Kontinente gehören noch nicht zu ihrem Schulstoff und so bekamen sie einen ersten malerischen und spannenden Eindruck von der grossen Welt.