Keine Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen

Erich Pfäffli bei der Präsentation der Jahresrechnung. Zum letzten Mal leitete er die Delegiertenversammlung (Foto: wir)

Die Delegierten des Zweckverbandes Pflege und Betreuung mittleres Tösstal trafen sich am vergangenen Mittwoch zur Versammlung im Pflegezentrum Lindehus in Turbenthal. Haupttraktandum war die Abnahme der Jahresrechnung 2017. Eine Projektgruppe prüft die Zusammenlegung von ambulanter und stationärer Pflege.

Die Betriebe des Zweckverbandes umfassen die beiden Pflegezentren «Im Spiegel» in Rikon und «Lindehus» in Turbenthal. Die elf Delegierten des Verbandes setzen sich zusammen aus vier Vertretern aus Zell, drei aus Turbenthal sowie je zwei aus den Gemeinden Wildberg und Wila. Lediglich eine ferienbedingte Abwesenheit brauchte Betriebskommissionspräsident Erich Pfäffli zu vermelden und die zehn erschienenen Mandataren hatten bestimmt schon über schwierigere Themen als die aktuelle Jahresrechnung zu befinden. Für den Abschlusstag der Rechnung, den 31. Dezember 2017, herrschte in den beiden Pflegehäusern ein «Full House». Damit ist natürlich keine Kartenkombination aus dem Pokerspiel gemeint, sondern die Belegung der Pflegeplätze zu 100 Prozent. Dies ist gemäss Pfäffli ein bemerkenswerter Umstand, denn die Zeiten, zu denen man vor dem Eintritt in ein Pflegeheim auf eine Warteliste gesetzt wird, seien definitiv vorbei. Erwähnenswert zu diesem Punkt ist sicherlich die erhöhte Fluktuation. Gemäss dem Präsidenten ist dies die Folge des Leitgedankens, ein Pflegeheim möglichst nach zwei Wochen wieder zu verlassen. Jedoch: Die eintretenden Personen würden kränker und älter, was diesem Bestreben entgegenwirkt. 

Die beiden Heime beschäftigten Ende des vergangenen Jahres 133 Mitarbeiter, verteilt auf 97,9 Stellenprozente. Der Zuwachs um 11,6 Prozente (mit zunehmender Tendenz) betrifft genau zur Hälfte lernende Personen. Wie andernorts ist auch im Pflegebereich das Element Personal ein enorm kostentreibender Faktor. «Es herrscht ein Mangel an qualifiziertem Personal und Stellensuchende können sich aussuchen, wo sie gerne arbeiten würden», erläuterte Pfäffli. Besonders interessant im Jahr Null nach dem Umbau der beiden Pflegeheime ist der Blick auf die Investitionsrechnung: Der Saldo bleibt mit einem Betrag von 14,7 Millionen Franken rund 700’000 Franken unter Budget. Ein Ergebnis, zu dem man sämtlichen Beteiligten durchaus auch einmal gratulieren darf. Die Erfolgsrechnung weist für das vergangene Jahr bei einem Betriebsaufwand von 9,2 Millionen Franken einen Betriebsertrag von 9,6 Millionen Franken aus. Dies ergibt einen Deckungsbeitrag von knapp 400’000 Franken, an dieser Stelle wurde von den Verantwortlichen ein Betrag von lediglich 20’000 Franken budgetiert. Angesichts dieser Zahlen vermochte es nicht zu erstaunen, dass die Jahresrechnung von den Delegierten einstimmig angenommen wurde. 

Ein Wegweiser in die Zukunft

Erich Pfäffli formulierte den Auftrag der Zukunft an die Pflegeeinrichtungen deutlich: «Auch in der Pflege müssen wir gute Leistungen bringen und uns stetig verbessern, sonst sind wir chancenlos». Angeführt von diesem Grundgedanken stellte er das Projekt «Zukunft» vor. Es handelt sich dabei keinesfalls um ein kostensenkendes Projekt, vielmehr geht es darum, was aus Sicht des im Zentrum stehenden Patienten, verbessert werden kann. Eine vierköpfige Projektgruppe unter der Leitung von Theres Agosti Monn erhielt den Auftrag, zu prüfen, ob stationäre und ambulante Pflege, also Spitex und Pflegeheime, unter einem Dach angeboten werden soll. Die Gruppe brauchte dazu nicht aus dem Nichts zu arbeiten, denn zum einen ist dieser Auftrag bereits in den Statuten des Zweckverbandes verankert und zum anderen ist diese Idee andernorts bereits umgesetzt worden. Die Erkenntnisse, welche das Team aus seinen Nachforschungen schöpfen konnte, sind durchaus vielversprechend. Zur Schaffung eines solchen «Kompetenzzentrums mittleres Tösstal» müssen jedoch noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden, wie ein Delegierter es bildlich ausdrückte. Als grösstes Hindernis sieht Pfäffli den Umstand, dass im mittleren Tösstal die Versorgungsgebiete der stationären und ambulanten Pflege nicht deckungsgleich sind. Dennoch ist er überzeugt, dass auch dieses Problem in intensiven Gesprächen gelöst werden kann.

Ein wenig Wehmut zum Schluss

Zum Abschluss wurden einige Mitglieder durch die Versammlung verabschiedet. Ernst Scheurer und Peter Weber wohnten zum letzten Mal als der Delegierte der Versammlung bei und ihre Tätigkeit und ihr Einsatz für ihr Amt wurden herzlich verdankt. Genauso wie bei Sabine Oberländer, die aus der Betriebskommission ausscheidet. Pfäffli bedankte sich bei ihr im Namen des Zweckverbandes besonders für ihr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit und ihr grosses Mitwirken bei der Gestaltung des neuen Selbstbildes, der sogenannten Corporate Identity. Bruno Vollmer, Delegierter der Gemeinde Zell, übernahm schliesslich die Aufgabe der Verabschiedung von Erich Pfäffli. Mit einem kurzen Rückblick auf den Scherbenhaufen, wie die Presse die Lage im Jahre 2010 nannte, begann er seine Laudatio. Das Amt als Vorsitzender des damals gebildeten Lenkungsausschusses, die Festlegung der noch heute bestehenden Statuten nur drei Jahre später oder die Leitung des Sanierungsprojektes sind nur einige der Meilensteine im Wirken Pfäfflis für den Zweckverband. Sämtliche Verabschiedeten freuten sich über einen durch Heimbewohner zusammengestellten Geschenkkorb.