Karl Müller – erfolgreicher Landwirt und Gemeinderat

Karl Müller bei seinen Mastkälbern (Fotos: tb)

Karl Müller ist ein vielseitig beschäftigter Landwirt. Er leitet nicht nur den modernen Grossbetrieb, sondern ist auch im Landwirtschaftsproduktehandel tätig, sorgt für die Schneeräumung in der Gemeinde Schlatt und engagiert sich seit 24 Jahren als Gemeinderat.

Oberschlatt – Fährt man von Unterschlatt in Richtung Oberschlatt, sticht einem auf der rechten Seite der langgezogene Stall des Landwirtschaftsbetriebes der Familie Müller ins Auge. Auf diesem modernen Landwirtschaftsbetrieb, der in dritter Generation geführt wird, lebt Karl Müller mit seiner Familie. Mit Jahrgang 1956 ist er in Oberschlatt auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen und hat die Primarschule in Unterschlatt und die Oberstufe in Elsau besucht. Um einmal in die Fussstapfen seines Vaters zu treten, absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre, die er später noch mit der Meisterprüfung vervollständigte. 

Der Ehe mit Christine Jucker, die er 1980 heiratete, entsprangen eine Tochter und zwei Söhne. Alle Kinder sind noch mit der Landwirtschaft verbunden. Während die Tochter Barbara zusammen mit ihrem Mann und den sechs Kindern auf einem Bauernhof in Unterschlatt lebt, arbeiten beide Söhne im Familienbetrieb, den er 1982 von seinem Vater übernommen hat. Zusammen mit dem älteren Sohn Rolf, der ebenfalls eine Landwirtschaftslehre gemacht hat und zusammen mit seiner Familie im Stöckli lebt, bildet Karl Müller eine «Generationengemeinschaft», das heisst, sie leiten den Landwirtschaftsbetrieb gemeinsam. Sein jüngerer Sohn Beat ist gelernter Landmaschinenmechaniker und damit eine wertvolle Hilfe für die Betreuung des grossen Maschinenparkes und der technischen Anlagen. Neben einem festangestellten Arbeiter und einem Praktikanten unterstützen auch seine Frau und die Schwiegertochter den Familienbetrieb.

Vom Bauer zum Landwirtschaftsunternehmer

Es ist imposant, was aus dem kleinen Bauernhof mit ursprünglich 18 Kühen geworden ist. Seit der Erweiterung 2012 präsentiert sich eine moderne Landwirtschaftsanlage mit dem alten Wohnhaus und den zu Kälbermastboxen ausgebauten alten Stall. Neben anderen Gebäulichkeiten und dem Stöckli prägt der langgezogene Stallkomplex für die 100 Kühe den Betrieb (siehe Kasten). Der Kälbermastbetrieb besteht aus sechs Boxen mit Auslauf, wo die zum Teil dazugekauften Tränkkälber mit der hauseigenen Milch aufgezogen werden, bis sie dann nach ungefähr 180 Tagen an Grosskunden geliefert werden. Der Kuhstall wurde nach neuesten Erkenntnissen erstellt, was seinen Preis hatte. Doch Karl Müller hatte den Mut, kräftig zu investieren, und das Risiko hat sich gelohnt. Der Laie kann nur staunen, wie die Computertechnik in der Landwirtschaft Einzug gehalten hat. So trägt jede Kuh ein Band mit einer Nummer, mit dem sie per Computer überwacht und ihre Milchmenge festgehalten wird. Die Kühe können sich selbständig und je nach Bedürfnis zu den beiden Melkrobotern begeben, wo sie gemolken und mit Kraftfutter belohnt werden.

Handel mit diversen Landesprodukten 

Dass Müller ein «Krampfer» ist, zeigt sich in seiner Nebentätigkeit als Händler von Landesprodukten, die der Tierernährung dienen. So lässt er Biertreber (Malz), ein Nebenprodukt vom Brauprozess, durch spezielle Lastwagen an Kunden in der ganzen Schweiz transportieren. Ein weiteres Produkt sind die Zuckerrübenpressschnitzel, ein Nebenprodukt bei der Zuckerproduktion. Zur Erntezeit werden davon selber über 200 Fuhren an Kunden im Kanton Zürich oder in den umliegenden Kantonen ausgeführt. Auch mit Heu und Stroh wird gehandelt, um die vielen Kunden zufrieden zu stellen. Dass mit dieser Handelstätigkeit auch Büroarbeit anfällt, ist logisch. So sitzt Karl Müller oft am Sonntagmorgen in seinem Büro und erledigt Bestellungen und Fakturen, während er für die Buchhaltung und andere Schreibarbeiten eine temporäre Fachkraft anstellt.

Im Dienste der Gemeinde

Da Schlatt keinen festangestellten Gemeindearbeiter hat, ist die Gemeinde auf Privatpersonen angewiesen, die die anfallenden Arbeiten ausführen. Karl Müller ist neben Strassenunterhalt vor allem für den Winterdienst verantwortlich und hat sich den nötigen Maschinenpark für die Schneeräumung und das Salzen der Gemeindestrassen angeschafft.

Aber auch politisch engagiert sich Müller. Seit 1994 ist er Mitglied des Gemeinderates Schlatt und wurde soeben in stiller Wahl für eine siebte Amtszeit bestätigt. 20 Jahre lang war er Vorsteher der Ressorts Werk und Forst / Landwirtschaft. Das letztere betreut er immer noch, das Werk hat er mit dem Bereich Sicherheit (Feuerwehr / Polizei) ausgetauscht. Seine grösste Herausforderung in seiner bisherigen Amtszeit war die Sanierung der Kläranlagen in Unterschlatt und Waltenstein. Ein besonderes Anliegen war ihm die Strassennamen- und Nummergebung in der Gemeinde. Er begründet seinen Einsatz so: «Rettungsdienst und Feuerwehr sind auf eine klare Information angewiesen, wohin sie im Notfall ausrücken müssen.» Aber auch für die private Navigation war das ein wichtiger Schritt in die Zukunft und ist heute nicht mehr wegzudenken. 

Fünf Fragen an Karl Müller

Herr Müller, warum lieben und leben Sie Schlatt?

Wir leben auf dem Land, wo es ruhig ist und wo man von der Natur umgeben ist. Wenn man Lust auf Stadt hat, ist Winterthur nicht weit. Ich wurde hier geboren und bin vor allem auch von Berufes wegen als Landwirt in der Region verankert.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen nicht gefallen?

Es wäre wünschenswert, wenn man noch ein Restaurant hätte, wo man sich ungezwungen treffen könnte. Schade ist, dass die «Elgger Zeitung» und der «Tößthaler» nicht mehr zusammenarbeiten. In vielen Bereichen ist Schlatt in Richtung Eulachtal orientiert, so was Feuerwehr, Zivilschutz, Schule und Spitex betrifft. Informationen aus dieser Region in einer Lokalzeitung wären aber auch von Interesse.

Welches ist das schönste Ereignis in Schlatt, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Anlässlich der Schwimmbadeinweihung vor 50 Jahren gab es ein schönes Dorffest. Ich kann mich noch gut erinnern, wie zu unserem Gaudi die Schulpfleger mit einem Schulthek auf dem Rücken eine Länge schwimmen mussten.

Welches ist für Sie der schönste Ort in Schlatt? 

Auf der Hard hat man eine schöne Aussicht über die Gemeinde Schlatt.

Was wünschen Sie sich für Schlatt in der Zukunft?

Dass wir eigenständig bleiben oder wenn schon, dann sollte Schlatt in einer Grossfusion Eulachtal seinen Platz finden.