«Kantonsratspräsident war zwar das Höchste, aber nicht das Bedeutendste»

Robert Hux: «Es gibt Dinge, die sollte der Staat nie aus der Hand geben.» (Foto: ww)

Als Landesring-Politiker gehörte Robert Hux 17 Jahre dem Zürcher Kantonsrat an, 1987/88 war er dessen Präsident. Mit Alfred Gilgen, Sigmund Widmer oder Monika Weber war diese Partei damals eine starke Kraft. Auf der kommunalen Ebene wirkte Hux in Schlatt als Schulpräsident. Für die Politik, die sein Leben prägte, verspürt der 92-Jährige heute kaum mehr Emotionen, für den Sport aber immer noch.

Fast wäre es kürzlich zu einem «Sportunfall» gekommen: Beim Besuch des B-Junioren Fussballspiels Seuzach-Wallisellen, wo zwei seiner Enkel spielten, stolperte Robert Hux und stürzte. Er blieb aber unverletzt, doch seine Frau Nelly, die ihn halten wollte, zog sich eine schmerzhafte Rippenverletzung zu. «Beim Sport werde ich immer noch emotional», lacht er. Nebst Fussball liebt er Tennis, das er bis ins hohe Alter selbst spielte. Er freut sich über die Erfolge von Stan Wawrinka und Roger Federer, ärgert sich aber über die weniger stabile Belinda Bencic.

Begeistert erzählt er vom beruflichen Engagement seiner Söhne und den fussballerischen Leistungen eines Enkels, der bei Winterthur in der U-18 spielt. Kommt das Gespräch auf die Politik, so wird er ruhiger. Nein, aufregen tue er sich nicht mehr über das, was in der Politik laufe, obgleich er einzelne Entscheide nur schwer nachvollziehen könne.

Einstieg als Schulpräsident

In die Politik eingestiegen ist Robert Hux als Schulpräsident. Hier wirkte er an der Schaffung der Oberstufenschulgemeinde Elsau-Schlatt mit und war damit ein Vorreiter einer Gemeindefusion. «Das war ein sinnvoller Zusammenschluss, der sich sehr bewährte», sagt er und verweist auf die dornenreichen Fusionspläne im Tösstal. Das Bildungswesen lag ihm, dem langjährigen Professor für Deutsch, Englisch und Staatskunde am Technikum Winterthur, naturgemäss sehr nahe.

Als er 1971 in den Kantonsrat gewählt wurde, befand sich der Landesring der Unabhängigen (LdU) im Hoch. Der Schwerpunkt der politischen Arbeit von Robert Hux lag beim Steuerrecht, wo er sich für den Abbau der Steuerunterschiede und mehr Steuergerechtigkeit engagierte. Der Niedergang des Landesrings in den Achtziger- und Neunzigerjahren war für Robert Hux ein schmerzlicher Prozess. «Es gab leider zu viele verschiedene Kräfte, die zum Auseinanderfallen der Partei führten.» Nach seinem Rücktritt aus dem Kantonsrat im Jahre 1988 verliess auch er die Partei, weil er deren Wortführer nicht mehr folgen wollte.

Nach Zittersieg auf den «Bock»

1987 wählte ihn der Kantonsrat zu seinem Vizepräsidenten. In der Regel rückt dieser im folgenden Jahr als Präsident nach. Doch dieser Sprung auf den «Bock», wie man den Präsidentensessel nennt, wäre ihm beinahe misslungen. Bei den Erneuerungswahlen 1987 war sein Sitz im Wahlkreis Winterthur-Land gefährdet. Die Grüne Partei war im Vormarsch und der LdU-Sitz gefährdet. Schliesslich reichte es aber ganz knapp, vor allem wegen der breiten Unterstützung in seiner Wohngemeinde sowie durch die Evangelische Volkspartei. So durfte Hux beruhigt der sicheren Wahl zum Kantonsratspräsidenten entgegenblicken.

Berechtigter Stolz schwingt mit, wenn er heute von seinen Auftritten als höchster Zürcher erzählt. «Das Präsidium war die Krönung meiner politischen Arbeit, aber nicht das Bedeutungsvollste.» Er habe es zwar genossen, an unzähligen Ereignissen den Kanton zu repräsentieren. Der politische Einfluss sei aber in der Kommissions- und Ratsarbeit bedeutender gewesen.

Nahe der FDP – aber sozialer

Dem Landesring war er beigetreten, weil er in der sozialen Marktwirtschaft eine sinnvolle Perspektive sah und auch weil ihn das Wirken des Parteigründers Gottlieb Duttweiler faszinierte. «Meine Gesinnung lag nahe bei den Freisinnigen», präzisiert er seinen politischen Standort, «aber mit einer deutlich stärkeren sozialen Komponente.» Diese Haltung basiere auf seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen. Deshalb habe er sich auch für vermehrte Steuergerechtigkeit im Kanton Zürich eingesetzt. «Es gibt Leute, die nicht auf der Sonnenseite unserer Gesellschaft leben, denen muss angemessen geholfen werden.» Was heute in gewissen Managementkreisen der Wirtschaft laufe, erfülle ihn mit Sorge. Deshalb habe er kürzlich auch gegen die Privatisierung des Kantonsspitals Winterthur gestimmt: «Es gibt Dinge, die darf der Staat nicht aus der Hand geben.»

Wenn Robert Hux von Benachteiligten redet, dann meint er auch die Frauen. Schon als junger Mann setzte er sich vehement für das Frauenstimmrecht ein. Heute bedauert er, dass viele junge Frauen an der Politik desinteressiert sind, sei man doch mit der Gleichberechtigung bei weitem noch nicht am Ziel.

Politik als Schule der Bescheidung

Hux bezeichnet seine politische Arbeit als «Schule der Bescheidenheit». Wer in die Politik eintritt hat Ideen und Visionen. Rasch kann es dann zum Frust kommen, denn unser politisches System ermöglicht nur kleine Schritte. Das habe er lernen müssen. Und je länger er politisiert habe, umso klarer sei es ihm geworden, dass dieses System gut sei für unser Land. «Langsame Politik ist meist gute Politik», davon ist er überzeugt. Wichtig sei ihm auch immer gewesen, dass man trotz unterschiedlicher Meinungen anständig umgegangen sei miteinander. «Deshalb spürte ich eigentlich nie feindseliges Denken rund um mich herum.»

Nach seinem Rücktritt aus dem Kantonsrat und der späteren Pensionierung hat er alle andern Mandate nach und nach abgegeben, zuletzt als 70-Jähriger die Funktion als Bankrat der Zürcher Kantonalbank. «Einige grösseren Reisen, viel Lesen und ein breites Interesse für alles, was rundum passiert, ermöglichten mir einen schönen dritten Lebensabschnitt», sagt er zufrieden. So schrieb er «Standpunkt»-Artikel für den «Tößthaler», nimmt noch immer an der Jassmeisterschaft Elsau teil und pflegte die persönlichen Kontakte zu Leuten aus der Politik, beispielsweise mit Alfred Gilgen und Monika Weber.

Ins «Stöckli» gezogen 

Wer sich politisch engagiere, müsse auf eine verständnisvolle Familie zählen können, sagt Robert Hux. Viele Jahre lebte er mit seiner Frau Nelly und den zwei Söhnen im attraktiv gelegenen Haus zwischen Waltenstein und Schlatt. Die zunehmenden Altersgebresten veranlassten ihn vor zehn Jahren, in eine Parterrewohnung nach Elsau zu zügeln. Zusammen mit seiner Frau Nelly, mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist, bestreitet er mit Spitex-Unterstützung den Alltag. Bereichernd sind für ihn die guten Kontakte zu den Familien seiner beiden Söhne und vor allem zu seinen sechs Enkelkindern. Geistig ist Robert Hux noch immer fit und seine Ansichten weiss er nach wie vor sehr pointiert zu vertreten.

«Das Leben ist ruhiger geworden, aber ich geniesse noch viele schöne Momente», sagt der rüstige Neunziger, dem Gehör und Gehen etwas Mühe machen. Er holt Kaffee und Kuchen und aus dem Kasten ein Kirschwasser des Jahrgang 2006. »Von selbst gepflückten Kirschen in Schlatt», schmunzelt er. Im leicht abgewetzten Gläschen mit dem Zürcher Kantonswappen – aus seiner Präsidentenzeit – schmeckt es köstlich.

Werner Wäckerli

Werner Wäckerli wohnt in Wila und war von 1974 bis 1979 und von 1981 bis 1984 Redaktor beim «Tößthaler».

DIE SCHWARZE SPINNE
Einst populäre Persönlichkeiten, die im Tösstal eine Rolle spielten, sind von der öffentlichen Bildfläche verschwunden. Was machen diese Leute heute, wie denken sie über ihr damaliges Wirken und die heutige Welt? «Der Tößthaler» hat einige Frauen und Männer herausgegriffen und mit ihnen Gespräche geführt. Heute mit Robert Hux aus Schlatt.