Junge Tösstalerin schreibt eigenes Theaterstück

Enola Stöckles Leidenschaft ist die Schauspielerei (Foto: sv)

Für Enola Beverly Stöckle ist die Schauspielerei eine Leidenschaft. Was sie am Theater fasziniert und wie sie dazu kam, ihr eigenes Theaterstück zu schreiben.

Enola Stöckle beschreibt mit glänzenden Augen ihre Leidenschaft fürs Theater: «Das Gefühl, wenn man mit Applaus belohnt wird, ist unbeschreiblich». Dies ist jedoch nur einer von vielen Gründen, warum sie die Schauspielerei liebt. Vor fünf Jahren hat Enolas Mutter, Manuela Kägi, sie beim Theater angemeldet. Enola war vom ersten Moment an begeistert und ist es noch heute. Enola als ambitioniert zu beschreiben, würde ihr nicht gerecht werden. Neben ihrer Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit, besucht sie noch die Berufsmaturitätsschule. Zusätzlich ist sie Mitglied beim Verein «Junges Theater Winterthur». Als wäre dies nicht genug, hat die junge Tösstalerin noch mehr vorzuweisen: sie hat bereits ihr erstes, eigenes Theaterstück geschrieben und Regie geführt. Die Erklärung für diese beeindruckende Leistung: masslose Motivation und Leidenschaft für die Schauspielerei.

Auf der Theaterbühne kann Enola abschalten

Für Enola bietet Schauspielerei die Möglichkeit, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Auf der Bühne schlüpft sie in verschiedene Rollen und verkörpert unzählige Charaktere. Die Schauspielerei stärkt auch das Selbstbewusstsein, es verändert das Auftreten im Alltag, meint Enola.
Alles Selbstbewusstsein schützt dennoch nicht vor Nervosität. Die Angst davor, Fehler zu machen, ist auch bei Enola präsent. «Man geht mit Respekt auf die Bühne, es kann immer etwas schiefgehen». Mit der Zeit wird es jedoch einfacher. Je mehr Erfahrung man auf der Bühne hat, desto besser geht man mit der Nervosität um, weiss Enola. Erfahrung hat sie mit ihren 17 Jahren bereits viel vorzuweisen; sie hat schon in Stücken wie «Best friends for never», «Die Welle» oder «Sorbitol» mitgespielt. Ihre bisher grösste Leistung ist ihr eigens geschriebenes Theaterstück «Geist, Seele, Gemüt, Zwerchfell». Enola und ihre Freundin Aranita Tahiraj hatten beide denselben Wunsch; ein eigenes Theaterstück zu schreiben. Spontan entschieden sie sich, ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Schnell wurde ihnen klar, wovon das Stück handeln soll. Da die bisherigen Aufführungen des «Jungen Theaters Winterthur» meist humorvolle Inszenierungen waren, wollten die beiden Schauspielerinnen ein etwas ernsteres Thema ansprechen. Protagonist ihres Stücks ist ein junger Künstler, der einen schweren Schicksalsschlag erleidet und davon psychisch krank wird. Auslöser und Verlauf der Psychose werden mit Einblick in die Vergangenheit des Künstlers mitverfolgt. Aufgeführt wird das Stück vom 19. bis 23. April im «Theater am Gleis» in Winterthur.

Ein eigenes Stück zu schreiben birgt viele Hürden

Ziel war es, dass sich die Zuschauer mit dem Thema identifizieren können, und ein Schicksalsschlag kann jedem wiederfahren. Mit diesem Stück wollen die beiden Freundinnen die Leute zum Nachdenken, aber auch zum Reden bewegen. Viele würden die Folgen unterschätzen, die ein solcher Schicksalsschlag haben kann, wenn man nicht darüber redet. Enola ist der Meinung, dass psychische Krankheiten nach wie vor ein Tabuthema sind. Menschen wollen vor der Gesellschaft ihre Stärken, nicht ihre Schwächen zeigen. «Mit diesem Stück wollten wir sagen; ihr seid nicht allein!». Eine der Schwierigkeiten für Enola und Aranita war es, ein realistisches Stück zu schaffen, da sie persönlich keine Erfahrung mit psychischen Krankheiten gemacht haben. Sie haben sich somit im Vorfeld gründlich informiert und Enola hat ebenfalls ihre Erfahrungen aus der Pflege miteingebracht, um so eine realitätsnahe Inszenierung zu schaffen. Auch der Schreibprozess an sich erwies sich als Herausforderung. Die Ideen, die man hat, in Worte zu fassen, sei nicht einfach, meint Enola. Dann noch Regie zu führen, erwies sich als weitere Hürde. Dennoch wollte sie bei ihrem Stück selbst als Regisseurin agieren. Das Stück liege einem so am Herzen, dass man es unbedingt nach den eigenen Vorstellungen verwirklichen will. Enola war es vor allem wichtig, motivierte Schauspieler zu finden, die mit Lust und Leidenschaft dabei sind. Dieses Ziel habe sie mit ihrem Team erreicht. Regie führen war für Enola eine spannende, neue Erfahrung. Dennoch bleibt die Schauspielerei ihre Leidenschaft.

Die Schauspielerei sollte ein Hobby bleiben

Hauptberuflich würde Enola die Schauspielerei nicht machen. In der Schweiz hätte man es ohnehin schwer, wenn man mit Schauspielerei Karriere machen wolle, meint sie. Wenn sie eine Chance in Hollywood bekäme, würde sie natürlich nicht nein sagen, fügt sie lachend hinzu. Fürs erste hat Enola jedoch andere Pläne, die kein Auswandern beinhalten. Zunächst möchte sie ihre Lehre mit Berufsmaturität abschliessen. Im Berufsfeld Pflege möchte sie jedoch nicht bleiben, sie sucht eine neue Herausforderung. Sie interessiert sich für ein Studium, hat sich aber noch für keine bestimmte Richtung entschieden. Nicht nur beruflich möchte Enola etwas Neues; sie möchte reisen und die Welt entdecken. Als erstes würde sie Amerika ansteuern. Danach will sie überall hin, wo es warm und sonnig ist, wie zum Beispiel Australien. Für Enola bleibt die Schauspielerei ein fester Bestandteil ihrer Zukunftspläne. Beim Theater entwickelt man sich weiter, man nimmt wertvolle Erfahrungen mit, weiss Enola. «Ich lege es jedem ans Herz, die Schauspielerei auszuprobieren». Viele Leute in ihrer Theatergruppe hätten es nie erwartet, sind aber jetzt total begeistert vom Theater. Das «Junge Theater Winterthur» ist stets auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Wenn man sieht, wie begeistert Enola über die Schauspielerei spricht, ist man definitiv geneigt, es selbst auszuprobieren. Enola Stöckle hat sich mit ihrem eigens geschriebenen Stück einen kleinen Traum verwirklicht – und inspiriert damit vielleicht auch andere, sich für ihre Leidenschaft einzusetzen.