Jürg Bosshard deutlich gewählt

Mit einem deutlichen Resultat zieht Jürg Bosshard neu in den Gemeinderat Bauma ein (Foto: Massimo Diana)

Der parteilose Jürg Bosshard hat das Rennen um den freien Baumer Gemeinderatssitz deutlich für sich entschieden. Er distanzierte René Schweizer (SVP) um über 500 Stimmen.

Der neue Gemeinderat von Bauma heisst Jürg Bosshard (parteilos). Er hat im zweiten Wahlgang vom Sonntag 1093 Stimmen erhalten und damit seinen letzten
verbliebenen Konkurrenten René Schweizer (SVP) klar hinter sich gelassen. Dieser erhielt 567 Stimmen. Damit erbt Bosshard den Sitz der im letzten Juni zurückgetretenen Marianne Heimgartner (EVP) und der Gemeinderat ist wieder komplett. Die Stimmbeteiligung lag bei 51,81 Prozent.

Dass der Abstand so deutlich ausfiel, überraschte beide verbliebenen Kandidaten. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Jürg Bosshard mit seinem Resultat auf Nachfrage. «Ich gehe davon aus, dass die SVP und die EVP nicht geschlossen hinter René Schweizer standen», erklärt Boss-hard seinen Vorsprung. «Rein arithmetisch hätte ich ja fast keine Chance gehabt.» Zwar schwang Bosshard bereits im ersten Wahlgang von Ende November mit 663 Stimmen oben aus; gefolgt von René Schweizer mit 431 Stimmen. EVP-Kandidatin Barbara Koch erzielte 316 Stimmen, der parteilose Patrick Diener 252. Beide zogen ihre Kandidatur aufgrund des enttäuschenden Resultats zurück. Die EVP stellte sich daraufhin hinter René Schweizer. Rein rechnerisch kommen EVP und SVP auf eine Mehrheit in Bauma, zumindest war dies bei den letzten Kantonsrats- und Nationalratswahlen der Fall. Zusätzlich warb auch der Gewerbeverein in Inseraten für René Schweizer als neuen Gemeinderat.

Kombination tönte gut

Bosshard demgegenüber erhielt Sukkurs von der FDP. «Dass mich die FDP unterstützte, hat mir sicherlich Stimmen gebracht.» Zudem sprachen sich neu Gemeindepräsident Andreas Sudler und auch die IG Pro Bauma für den Bankfachmann aus. René Schweizer gratuliert Jürg Bosshard zu seinem Resultat. «Ich wünsche ihm viel Erfolg und Glück in seinem Amt.»

Auf sein eigenes Resultat angesprochen, antwortet Schweizer: «Ich finde es schade, dass ich nicht gewählt wurde. Aber ich trage meine Niederlage sportlich.» Den deutlichen Abstand erklärt er sich einerseits mit Bosshards Kombination «Bankfachmann/Ressort Finanzen», die sicherlich «gut tönt». Andererseits diagnostiziert er eine geringere Wertschätzung der Bürger gegenüber den etablierten Parteien im Vergleich zu früher. Das Phänomen, dass immer mehr Parteilose gewählt werden, ähnle der Begeisterung für Erst-August-Vulkane. «Alle sind davon schnell begeistert und haben Freude. Aber sie erlöschen auch schnell wieder. Und was folgt dann?», fragt der Inhaber der Konditorei Voland. «Parteien sorgen demgegenüber über lange Zeit für Konstanz.»

Für Schweizer war es bereits der zweite Anlauf in den Baumer Gemeinderat, der erfolglos endete. Ob er noch ein drittes Mal antreten wird, lässt er offen. Gespannt ist er darauf, wie sich die Situation 2018 präsentieren wird. Dann finden die Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörden statt. «Ich hoffe, dass dann die über 1000 Stimmbürger bereit stehen, die nun für einen Parteilosen votiert haben. Bereits wir von der SVP, als grösste Baumer Partei, bekunden ja teilweise Mühe, genügend Kandidaten für die Ämter zu portieren.»

Votum gegen etablierte Parteien?

Ob das deutliche Resultat ein Votum der Bürger gegen die etablierten Parteien gewesen sein könnte, wollte «Der Tößthaler» von Schweizer wissen: «Vielleicht. Das wäre möglich.» Dass ihm das Engagement der EVP geschadet haben könnte, glaubt er nicht. «Es mag aber sein, dass es SVPler gibt, denen das nicht gepasst hat.» Schweizer übt auch Selbstkritik: «Vielleicht müsste ich lieber und angenehmer sein. Aber ich habe nun einmal eine klare Meinung, die ich aber immer anständig vertrete.» Er will nun mehr Zeit in seine Arbeit investieren.

Bis Jürg Bosshard sein Amt antreten kann, wird es noch ein Weilchen dauern. Er rechnet damit, dass es etwa Ende Februar so weit sein wird; nach der Publikation der Ergebnisse und dem Ablauf der darauffolgenden Rekursfrist. Als erstes will er sich gründlich in die Dossiers einlesen. «Ich will das Vertrauen der Stimmbürger mit guter Arbeit erwidern», so der neu gewählte Gemeinderat.

Rolf Hug
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