Ja zum Hallenbad, aber ein Nein zur Erweiterung

Bei der Hallenbad-Abstimmung gibt unter anderem die Versetzung des Bistros Anlass zu Diskussionen (Foto: hug)

Hinsichtlich der Abstimmung über das Hallenbad vom 24. September wollte «Der Tößthaler» die Meinung der Baumer Ortsparteien wissen. Alle Befragten empfehlen die Variante «Bestand».

Im Hinblick auf die Abstimmung am 24. September hat «Der Tößthaler» alle Präsidenten der Baumer Ortsparteien angeschrieben und um eine schriftliche Antwort hinsichtlich der Parolen gebeten mit einer kurzen Begründung. Bis auf die SVP, die auch innert nützlicher Frist telefonisch nicht zu erreichen war, haben alle geantwortet. Und eins gleich vorneweg: Die Baumer Ortsparteien stehen hinter dem Hallenbad. In einem ersten Schritt wird den Bürgern am 24. September die Grundsatz-Frage vorgelegt, ob das Hallenbad überhaupt saniert werden soll. Bei einem Nein würde das Bad geschlossen. EVP, FDP und SP empfehlen bei dieser Frage ein Ja in die Urne zu legen und sprechen sich somit für den Erhalt und gegen eine Schliessung aus.

Für die EVP ist klar, weshalb das Bad saniert werden soll: Es erhöhe die Attraktivität von Bauma und biete Arbeitsplätze in der Gemeinde. Ausserdem werde es von Personen aller Altersgruppen rege genutzt. Auch aus Sicht der FDP stärkt das Hallenbad die Attraktivität von Bauma und sei deshalb zu erhalten. Das Hallenbad sei eine wichtige Sportstätte für Bauma wie auch für die umliegenden Gemeinden, schreibt FDP-Vorstandsmitglied Pius Renggli. «Ob mit dem öffentlichen Schwimmen, den Fitnesskursen, als Trainingsort für die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft oder auch mit dem Schulschwimmen, das Hallenbad wird vielfältig und von vielen Einwohner genutzt und geschätzt.»

Erweiterung kann nicht verantwortet werden

Ebenso herrscht bezüglich Sanierungsvariante unter den Baumer Ortsparteien Einigkeit. Auf dem Tisch liegen eine Variante «Bestand» mit Investitionskosten von rund neun Millionen und ein Variante «Erweiterung» für rund 13,5 Millionen Franken. Die Kostengenauigkeit beträgt jeweils 25 Prozent. Die Ortsparteien sprechen sich einhellig für die Variante «Bestand» aus. «Die Finanzen der Gemeinde Bauma sind knapp», schreibt EVP-Präsident Walter Schoch. Schon die Variante «Bestand» sei eine grosse Belastung für die Gemeinde. Bei der Variante «Erweiterung» müsste mit einem jährlichen Aufwand von einer knappen Million gerechnet werden, «was im Hinblick auf weitere notwendige Projekte nicht verantwortet werden kann».

Zur Erinnerung: Nebst den höheren Baukosten sind bei der Variante «Erweiterung» die totalen Folge-Aufwände pro Jahr gemäss Berechnungen der Gemeinde mit rund 980’000 Franken ebenso um einiges höher als bei der Variante «Bestand» mit etwa 610’000 Franken. Umgerechnet entsprechen die 980’000 Franken einer Belastung von rund fünf, die 610’000 Franken rund drei Steuerprozenten.

Für die FDP steht ebenfalls der Erhalt des Hallenbads im Vordergrund und sie befürwortet die Variante «Bestand». Die geplante Erweiterung sei nur mit einem deutlich höheren Steuerfuss zu erreichen. Renggli gesteht zwar ein, dass das Bad mit dem Erweiterungsprojekt sicherlich attraktiver werde, «jedoch werden die Mehreinnahmen die Mehrkosten bei weitem nicht kompensieren.»

Intensive Diskussion in der SP

Auch die SP spricht sich für die Variante «Bestand» aus. «Nach intensiver Diskussion sind wir zu diesem Schluss gelangt», sagt SP-Präsident Ernst Oertle auf telefonische Anfrage. Für die SP steht dabei im Vordergrund, dass man für die Menschen und Benutzer vor Ort etwas machen und das Bad nicht noch mehr Leute anziehen solle. Das Hallenbad werde heute geschätzt wie es ist. «Weshalb also mit einer Erweiterung ein finanzielles Risiko eingehen?», fasst er den Grundtenor bei den örtlichen Sozialdemokraten zusammen. Er persönlich hat sich zwar für eine Erweiterung stark gemacht. Diese sei langfristig die attraktivere Variante und steuertechnisch für den Normalverdiener im Rahmen, findet er, ist damit aber unterlegen.

Lob mit Zwischentönen

Die Parteien befürworten auch das Vorgehen der Gemeinde, zuerst eine Grundsatz-Abstimmung durchzuführen. Damit werde sichergestellt, dass das weitere Vorgehen auf Grundlage einer demokratisch legitimierten Entscheidung basiere, schreibt die FDP. Denn das Betreiben eines Hallenbades stelle eine freiwillige Aufgabe der Gemeinde dar. Ernst Oertle versteht, dass der Gemeinderat eine Grundsatz-Abstimmung macht. Wenn er Projekte ausarbeiten lasse, ohne die Einwilligung der Gemeinde einzuholen, «wird ihm dies nachher von gewissen Personen als Geldverschwendung ausgelegt». Und auch die EVP hält eine Grundsatz-Abstimmung für richtig, da es sich «um ein für unsere Gemeinde sehr grosses Vorhaben handelt». Ähnlich tönt es seitens IG Pro Bauma: «Das Volk darf diesmal über die Zukunft des ‹Halli› bestimmen, und nicht wie beim Gemeindehaus der Gemeinderat. Es geht schliesslich um sehr viel Geld, inklusive Planungskosten», schreibt IG-Präsident Werner Berger. Die IG hat sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt für den Erhalt des Hallenbades und die Variante «Bestand» ausgesprochen.

Lob gibt es für die Informationspolitik der Gemeinde. Die SP bezeichnet diese als «ausgezeichnet» insbesondere vonseiten Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) und der zuständigen Gemeinderätin Heidi Weiss (EVP). So gab es mit den Parteien im Sommer eine Aussprache und eine Vorinformation zur Hallenbad-Abstimmung. Pius Renggli schreibt, dass der Gemeinderat seine Lehren aus der mangelhaften Informationspolitik in Zusammenhang mit dem Sanierungsprojekt des Gemeindehauses gezogen und die Bevölkerung von Anfang an mittels Umfragen oder Arbeitsgruppen in die Entwicklung des Hallenbad-Projektes mit einbezogen habe. Die FDP befürworte eine offensive Informationspolitik und «sieht den Gemeinderat mit seiner Informationsstrategie für das Hallenbad-Projekt auf einen guten Weg». Und die EVP schreibt, dass die Bürger mittels Besichtigung, Infoveranstaltung und Infobroschüre «umfassend und gut informiert» wurden.

Auch die IG pro Bauma spürt den Willen zu informieren und schätzt dies sehr, wie sie schreibt. Schade sei nur, dass man sich so früh für die eine oder andere Variante entscheiden müsse. Und weiter: «Die Vorschläge sind nicht ausgereift und vieles muss noch sehr kritisch hinterfragt werden.» Berger gibt sich kämpferisch: «Wir werden da auf jeden Fall am Ball bleiben.»

Bistro-Neuausrichtung unumgänglich

Unter anderem kritisiert die IG einen möglichen Einbau eines Chromstahl-Beckens. Ebenso hält sie und ihr Vorstandsmitglied und langjähriger Hallenbad-Leiter, Arthur Manz, das Bistro bei einer Verlegung in den Eingangsbereich für zu klein. Bei der Variante «Bestand» hätte es neu nur noch 15 Plätze.

Anders sehen dies die Ortsparteien. Für die FDP ist eine Neuausrichtung der Verpflegung im Hallenbad unumgänglich. Die Erfahrung der letzten Jahre, insbesondere unter der Verantwortung von Arthur Manz, habe deutlich gezeigt, dass das Bistro in der heutigen Form kaum einem Bedürfnis entspreche und nur mit Steuermitteln betrieben werden könne. Und weiter schreibt Renggli: «Die geplante Organisation findet sich in vielen anderen Bädern und schafft die Voraussetzung, die Verpflegung wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben.» Die EVP verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass das Bistro an seinem jetzigen Platz defizitär sei und mit der Verlegung in den Eingangsbereich Personal eingespart werden könne. «Lieber 15 Plätze, die oft besetzt sind, als ein grosses Bistro, das wenig frequentiert wird.»

Bildschirmfoto 2017-09-08 um 09.12.35 Kopie

Rolf Hug
Über Rolf Hug 113 Artikel
Redaktor
Kontakt: Webseite