Irritierender Spendenaufruf

Mittels eines eigenartigen Flyers wurde in Kollbrunn zum Kleiderspenden aufgerufen (Foto: Kai Hicks)

Immer wieder landen komische Bettelbriefe in Briefkästen. So jüngst auch in der Kollbrunner Sunnewis-Überbauung.

Die Bewohner der Sunnewis-Überbauung in Kollbrunn hatten vorletzten Freitag einen kleinen Flyer im Briefkasten, der zum Spenden von Kleidern, Schuhen, Gürteln, Taschen und Plüschtieren aufruft. Daran war mit einer Büroklammer ein grüner, unbeschrifteter Plastikbeutel geheftet. Weiter stand auf dem kleinen Zettel in Grossbuchstaben: Abholtag Freitag, 21. April. Der Beutel solle bitte vor 9 Uhr gut sichtbar an die Strasse gestellt werden. Gesammelt werde für Kriegskinder und Obdachlose aus der Ukraine.

Oben links ist ein Schweizer Kreuz eingefügt, wahrscheinlich um Vertrautheit zu schaffen und zum Spenden zu animieren. Doch der Flyer ist gespickt mit Rechtschreib- und Kommafehlern. Zudem ist nicht ersichtlich, wer hinter der Sammelaktion steckt. So weit so unspektakulär. Doch hätte man nun mitmachen, seine Kleider in diesen Beutel packen und an die Strasse stellen sollen? «Wir würden davon abraten», sagt Stefan Oberlin, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich auf Anfrage. Grundsätzlich seien Spendenaktionen etwas Gutes. Und entsprechende Sammlung auch nicht verboten. Doch sollten sich die Initianten gemäss Oberlin deutlicher zu erkennen geben und mehr Angaben von sich preisgeben. Ansonsten wisse man gar nicht, wem das Gespendete zu Gute komme.

Vorsicht bei fehlender Transparenz

Ähnlich tönt es von Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer. Die Zewo ist die Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen und verteilt entsprechende Gütesiegel. Ziegerer rät beim Spenden generell zur Vorsicht, wenn die Transparenz fehlt. «Vertrauenswürdige Organisationen informieren offen und klar über ihre Tätigkeit, die Verwendung der Mittel und über ihren Hintergrund.» Als Spender solle man sich zudem ein Bild davon machen können, wer sammelt und wofür die Spenden eingesetzt würden. «Wir empfehlen die Kleidersammlungen von zertifizierten Hilfswerken mit Zewo-Gütesiegel zu unterstützen», so die Geschäftsleiterin. Zum Beispiel die regelmässigen Kleidersammlungen von zertifizierten Hilfswerken mit Texaid oder Tell-tex.

Auch in der Zeitschrift «Beobachter» wurde schon mehrfach vor zum Teil dreisten Spendenaufrufen gewarnt. Wahrscheinlich würden viele Menschen gerne Geld, Nahrung oder Kleider für Menschen in der Not spenden. Und vielleicht war der hier skizzierte Spendenaufruf auch gut gemeint und die Sachen kommen tatsächlich bei den Hilfsbedürftigen an. Vielleicht ist das Motiv dahinter aber auch einfach persönliche Bereicherung. Und plötzlich sieht man seine gespendeten Schuhe im Nachbardorf «herumlaufen».

Rolf Hug
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