In Wildberg braucht es Sitzleder

Über die Anschaffung einer neuen Musikanlage in der Kirche Wildberg wurde intensiv diskutiert (Foto: Archiv tth)

In letzter Zeit haben sich die Wildberger daran gewöhnt, lange Abende an den Gemeindeversammlungen zu verbringen. Entgegen den Erwartungen war das auch dieses Mal der Fall. Unüblicherweise war dafür die Kirchgemeinde verantwortlich.

Später als erwartet, nämlich um 22.40 Uhr, wurde die Gemeindeversammlung vom Mittwoch geschlossen. Lange Abende in Wildberg sind in letzter Zeit nichts Aussergewöhnliches mehr. Der Stein des Anstosses war dieses Mal aber weder die Politische noch die Primarschulgemeinde, denn zu längeren Diskussionen Anlass gab das erste Traktandum der Reformierten Kirchenpflege: ein Investitionsantrag von 36’000 Franken für die Erneuerung der Musikanlage in der Kirche.

Kirchenpflegepräsidentin Monique Blattmann warb für die Anschaffung der neuen Anlage. Die jetzige sei veraltet und genüge den heutigen Ansprüchen bei vielen Anlässen nicht. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hatte allerdings etwas dagegen. Der hohe Preis sei nicht gerechtfertigt und die Anlage eine Übererfüllung der Zweckmässigkeit. Sie kritisierte weiter, dass es das dazugehörige Mischpult nicht brauche. Die RPK mache sich sorgen um die finanzielle Entwicklung, denn bereits zum zweiten Mal budgetiere die Kirchenpflege einen Aufwandüberschuss. Zudem müsse im 2018 ein Kredit zurückbezahlt werden. Aus diesen Gründen empfehle die RPK die Ablehnung dieses Geschäfts.

Blattmann konnte diese Begründungen nicht nachvollziehen, ja sogar die Landeskirche Zürich habe den Antrag gutgeheissen. Laut der Präsidentin sei dies die letzte Gelegenheit vor der Neugestaltung des Finanzausgleichs und jetzt könne die Kirchenpflege das Kapital noch selber brauchen. Nach einer allfälligen Fusion nicht mehr. Umliegende Kirchen besässen funktionstüchtige Musikanlagen. So habe zum Beispiel Kollbrunn für seine neue Anlage 100’000 Franken investiert.

Es entstand eine längere Diskussion, wobei sich verschiedene Stimmbürger zur gewünschten Anschaffung äusserten. Für die einen wäre eine neue Anlage eine Langzeit- investition, die sich lohnen würde. Andere waren sparsamer eingestellt. Für sie wäre eine solche An-
schaffung völlig überrissen. Pfarrer Theddy Probst sieht sogar die Entwicklung der Kirche in Gefahr, sollte keine zeitgemässe Anlage installiert werden. Auch die Platzfrage wurde diskutiert: Der Anlage müsste schliesslich die hinterste Bankreihe geopfert werden.

Für die Präsidentin war nun genug diskutiert worden und sie schritt zur Abstimmung. Und siehe da, trotz Skepsis stimmten die 51 Anwesenden dann doch grossmehrheitlich für die neue Musikanlage.

Die beiden anderen Geschäfte der Kirchenpflege gaben zu keinen Diskussionen Anlass. Sowohl der Voranschlag 2017 mit einem Aufwandüberschuss von 36’980 Franken, als auch die Abnahme der Heizungsrechnung für das Pfarrhaus wurden genehmigt.

Primarschule erhöht Bruttokredit für Tagesstrukturen

Primarschulpflegepräsident Swen Rüegg begrüsste 74 Stimmberechtigte zu den Geschäften der Primarschule. Als erstes traktandiert war eine Erhöhung des Bruttokredits für die schulergänzenden Tagestrukturen von 50’000 auf 76’000 Franken jährlich. Manuela Hochuli, Ressort Personelles, schaffte es die Erhöhung mit den steigenden Schülerzahlen plausibel zu begründen. Obwohl die Primarschule den Qualitätsansprüchen gerecht werden und auch allen Kindern Platz für Mittags- und Nachmittagsbetreuung bieten will, wurde eine mengenmässige Obergrenze festgelegt, sodass der benötigte Bruttokredit künftig nicht mehr erhöht werden muss. Das Geschäft wurde ohne Gegenstimme angenommen.

Es war nun an Finanzvorständin Petra Jäger den Voranschlag 2017 zu präsentieren. Unter Berücksichtigung des von der Politischen Gemeinde abgetretenen ISOLA-Anteils von 153’386 Franken und einer einprozentigen Steuerfusserhöhung, wird mit einem Ertragsüberschuss von 33’170 Franken budgetiert. Jäger erklärte, dass die Erhöhung des Steuerfusses nötig sei, damit die Gemeinde mit einem Gesamtsteuerfuss von 130 Prozent berechtigt ist, ISOLA zu beantragen. Die RPK bestätigte, dass die Primarschulpflege sorgfältig budgetiert habe und sparsam mit ihren Ressourcen umgehe. Bei einer Stimmenthaltung und ohne Gegenstimme wurde das Budget verabschiedet.

Ebenfalls Formsache war das letzte Traktandum, ein Vereinbarungsentwurf mit der Politischen Gemeinde, der die Nutzung und Pflichten des Mehrzweckgebäudes, der Schutzräume unterhalb der Turnhalle und des Messbalkens der Brückenwaage auf dem Schulareal regeln wird.

Zum Schluss kam Rüegg noch auf die abgelehnte Schulfusion WWT zurück, obwohl, wie er es ausdrückte, alle ziemlich genug hätten davon. Man werde aber nach vorne schauen und am Ball bleiben. Es brauche weiterhin eine Lösung, denn die Grenzbereinigung wird kommen. Das weitere Vorgehen soll an einem Treffen der Schulgemeinden im Januar diskutiert werden. Wichtig sei ihm, die Schalchemer aus der Schusslinie zu nehmen. Ein Nein sei ein Nein und als solches zu akzeptieren: «Ich bitte Sie alle, die Schalchemer nicht als die Bösen abzustempeln. Auch in Ehrikon und Wildberg gab es Leute, die gegen die Fusion gestimmt haben. Das gehört halt zu einem demokratischen Prozess.»

Versöhnliche Stimmen

Auch Gemeindepräsident Dölf Conrad blickte nochmals auf die Fusionsabstimmung zurück: «Wir haben turbulente Zeiten hinter uns. Das Resultat war aber mit einer Wildberger Stimmbeteiligung von über 73 Prozent breit abgestützt. Nun ist es an der Zeit, allfällige Gräben wieder zu schliessen.» Er betonte weiter, dass der Gemeinderat heute wieder voll hinter der Schulpflege stehe und mit ihr zusammenarbeiten werde. Dies hatte zuvor auch Swen Rüegg in ähnlicher Weise verkündet.

Keine Diskussionen gab es bei den vier Traktanden der Politischen Gemeinde. Nachdem das Einbürgerungsgesuch des deutschen Staatsangehörigen und in Schalchen wohnhaften Mathias Volz sowie die gleiche Vereinbarung, über die zuvor schon die Primarschulpflege befunden hatte, gutgeheissen wurden, genehmigten die Stimmbürger auch den beantragten Kredit von 80’000 Franken für die Sanierung des Horisbächlis.

Finanzvorstand Thomas Kupper erwuchs bei der Präsentation des Voranschlags 2017 ebenfalls keine Gegenwehr. Die Politische Gemeinde beantragte keine Steuerfuss- anpassung und erwartet im nächsten Jahr einen Aufwandüberschuss von 52’230 Franken, durch welchen sich das Eigenkapital auf rund 4,690 Millionen Franken reduzieren wird. Das Ergebnis entsteht aus dem Aufwand von gerundet 4,599 Millionen und einem Ertrag von 4,547 Millionen Franken. Der anrechenbare ISOLA wird wie folgt aufgeteilt: 87’307 Franken für die Politische Gemeinde und gut 153’386 Franken für die Primarschulgemeinde. Der gesamte ISOLA steht eigentlich der Politischen Gemeinde zu, aber auf freiwilliger Basis und mit Zustimmung des Souveräns kann diese Aufteilung vorgenommen werden. Sowohl diese Aufteilung (einstimmig), als auch der Voranschlag 2017 (eine Stimmenthaltung) wurden von der Versammlung genehmigt.