In Turbenthal kommt es zur Kampfwahl

Zieht hier bald ein neuer Präsident ein? (Foto: Archiv tth)

Nachdem der Amtierende, Georg Brunner (FDP), seine Kandidatur für das Turbenthaler Gemeindepräsidium bereits angekündigt hat, steigt nun auch Gemeinderat Markus Küng (parteilos) ins Rennen. Ein Ziel von Küng ist, dass möglichst viele Entscheide vom gesamten Gemeinderat gefällt werden.

Die Erneuerungswahlen der Gemeindebehörden finden zwar erst im nächsten Frühjahr statt und sind somit für die Stimmbürger noch ziemlich weit weg. Doch ist bereits klar, dass es in Turbenthal zu einer Kampfwahl um das Gemeindepräsidium kommen wird. Nachdem am 23. Mai die Revision der Gemeindeordnung Turbenthal angenommen wurde, hat Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) angekündigt, erneut für eine letzte vierjährige Amtszeit zu kandidieren. Im Rahmen einer Sommerserie des «Tößthalers», in der sich die Gemeinderäte der Bevölkerung persönlich näher bringen können, hat der amtierende Turbenthaler Hochbau- und Liegenschaftenvorstand Markus Küng (parteilos) ebenfalls seine Kandidatur für das Präsidium bekannt gegeben. «Der Tößthaler» hat ihm deshalb einige Fragen gestellt:

kueng

Herr Küng, weshalb kandidieren Sie für das Gemeindepräsidium?

Markus Küng: Der Hauptgrund ist, dass ich sehr motiviert bin, dieses Amt auszuüben. Ich habe immer gesagt, dass ich noch einen Schritt weiter machen will, als in Anführungszeichen nur Gemeinderat. Es reizt mich sehr, diese Aufgabe zu übernehmen. Zudem wird es mit meinen 57 Jahren der letzte Anlauf sein, den ich in Richtung Präsidium unternehme. Wann, wenn nicht jetzt.

Ende Mai wurde die Revision der Gemeindeordnung angenommen. Diese war umstritten. Ein Komitee hat sich für ein Nein eingesetzt. War die Revision mit ein Grund, weshalb Sie kandidieren?

Nein. Ich habe mich schon rund zwei Jahre mit einer Kandidatur auseinandergesetzt. Zudem befürworte ich die Revision der Gemeindeordnung. Es gilt in dieser Frage übrigens das Kollegialitätsprinzip.

Der amtierende Gemeindepräsident Georg Brunner tritt ebenfalls nochmals an. Sind Sie mit seinem Amtsstil oder seiner Politik unzufrieden respektive nicht einverstanden, dass Sie auch ins Rennen ums Präsidium einsteigen?

Nein. Es geht weder um seinen Amtsstil, noch seine Politik, noch die Person Georg Brunner. Es geht einzig um meine eigene Person und meine Motivation, dieses Amt auszuüben. Deshalb kandidiere ich.

Dann würde mit Ihnen als Gemeindepräsident nichts ändern?

Doch, natürlich. Mit jeder Person ändert etwas. Nur so viel: Im Amt des Gemeindepräsidenten würde ich mich als Primus inter Pares verstehen, also als Erster unter Gleichen. Über 20 Jahre habe ich diesen Grundsatz gelebt, sei es in meiner Tätigkeit als Handballtrainer oder heute als Schulleiter.

Sie haben bereits 2010 einen Versuch unternommen, Gemeindepräsident zu werden. Damals traten Sie ebenfalls gegen Georg Brunner an und Sie sind ziemlich deutlich gescheitert. Rechnen Sie überhaupt mit Chancen, gewählt zu werden?

Ja, ich verspüre einen grossen Support. Es ist aber richtig, dass ich 2010 gescheitert bin. Hier muss ich aber kurz auf die Vorgeschichte hinweisen: Ich stand 2010 vor meiner Wahl in den Gemeinderat. Portiert für das Gemeinderatsmandat wurde ich vom überparteilichen Wahlgremium «Die gute Wahl für Turbenthal». Viele Unterstützer aus meinem Umfeld sind daraufhin auf mich zugekommen und haben gefragt, wieso ich nicht gleich als Gemeindepräsident kandidiere. Ich habe zu einer allfälligen Wahl als Präsident damals nicht «Nein» gesagt. Mehr nicht. Die «Gute Wahl für Turbenthal» fühlte sich dadurch aber ein wenig vor den Kopf gestossen. Denn das Gremium portierte Georg Brunner als Präsidenten. Ich denke, dies dürfte mit ein Grund gewesen sein für mein schlechtes Abschneiden 2010. Ausserdem dürfte für einige Wähler wohl eine Rolle gespielt haben, dass ich bis dahin noch keine Behördenerfahrung hatte.

« Ich bin sehr motiviert,
dieses Amt auszuüben.»

Vom damaligen Resultat lasse ich mich aber nicht unterkriegen. Das alles ist nun sieben Jahre her und ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft. Es sind nun gute Strategien gefragt, um als Gemeindepräsident gewählt zu werden.

Wie könnten diese Strategien aussehen?

Das weiss ich noch nicht. Vielleicht versuche ich eine Art Komitee zu bilden, das mich bei meinem Wahlkampf unterstützten wird. Vielleicht werde ich aber alles alleine organisieren. Das muss ich noch genau anschauen.

Eines Ihrer neueren Geschäfte, die Sie als Präsident des Zweckverbandes der Badi Neuguet zu verantworten hatten, ist nicht ideal verlaufen. Die Solaranlage im Schwimmbad konnte nicht verwirklicht werden. Hierauf haben Sie einen Entschuldigungsbrief veröffentlicht. Darin steht unter anderem, dass dem engagierten Planungsbüro «quasi blind vertraut» wurde und weitere Nachforschungen unterlassen wurden. Wenn Sie als Gemeindepräsident gewählt würden, hätten Sie vermeintlich grössere Geschäfte zu verantworten. Wie würden Sie verhindern, dass Ihnen nicht nochmals dieselben Fehler passieren?

Fehler lassen sich nie ganz verhindern und es gibt auch keine Pauschallösung, diese zu beheben. Sicherlich hat mich diese Erfahrung reicher gemacht und ich schaue nun besser hin. Ich finde jedoch, dass wir als Schwimmbadkommission mutig gehandelt haben. Wir haben gemerkt, dass die Solaranlage nichts gebracht hätte und haben uns entschieden, diese nicht zu realisieren. Hätten wir sie installiert, wären damit rund 40’000 Franken an Steuergeldern verschwendet worden. Ausserdem habe ich beim Bezirksrat abgeklärt, ob eine Nichtrealisierung der Solaranlage überhaupt möglich ist. Denn die Bevölkerung hatte an der Urne nebst der Sanierung des Garderobengebäudes ja auch die Solaranlage bejaht. Der Bezirksrat hat meine Situation verstanden und mich unterstützt. Der nächste Schritt war dann, die Karten offen auf den Tisch zu legen und die Bevölkerung zu informieren. Rückblickend würde ich heute nochmals so handeln.

Falls Sie als Präsident gewählt würden: Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Ein Ziel von mir wäre, dass möglichst viele Entscheide vom gesamten Gemeinderat gefällt werden. Ich würde deshalb als erstes einen Team-Bildungs-Event durchführen. Zudem würde ich mit dem Gemeinderat möglichst rasch die Legislaturziele für die neue Amtsperiode erarbeiten.

«Massvoll bürgerlich»
Markus Küng ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er ist Lehrer und seit 2007 Leiter der Schule Hohmatt und seit 2009 ebenfalls Leiter der Schule Neubrunn-Schmidrüti. 2010 wurde er in den Gemeinderat von Turbenthal gewählt und hat seit Amtsantritt das Ressort Hochbau und Liegenschaften inne. Küng ist parteilos, bezeichnet sich aber als «massvoll bürgerlich». Der 57-Jährige sagt: «Ich stimme nach Geschäft und nach Person, nicht nach Partei.» Bereits 2010 war er im Rennen um das Gemeindepräsidium. Damals unterlag er ziemlich deutlich dem amtierenden Gemeindepräsidenten Georg Brunner (FDP). Von 878 eingegangen Stimmen erhielt Küng 259, Brunner deren 506.
Rolf Hug
Über Rolf Hug 107 Artikel
Redaktor
Kontakt: Webseite