In der Gemeinde Zell soll ein starker Baum heranwachsen

In der Gemeindeverwaltung Zell wird seit gestern das neue Geschäftsleitungsmodell umgesetzt (Foto: md)

Seit gestern wird in der Zeller Gemeindeverwaltung das neue Geschäftsleitungsmodell umgesetzt. Am 1. Juli 2018 soll es in Kraft treten.

Martin Lüdin, Gemeindepräsident von Zell, spricht am Medienanlass vom Freitag von einem Pflänzchen, das wachsen und ein Baum werden soll. Ist der Baum ein wenig grösser, soll ein erstes Mal die Ernte eingeholt werden können, bevor der Baum dann auswächst und jährlich eine gute Ernte abwirft. Damit aus dem Pflänzchen dereinst aber ein erntereicher Baum wird, brauche es Pflege und diverse Schutzmassnahmen, zum Beispiel gegen Schnee, so der Gemeindepräsident. Und genau gleich wie mit dem Pflänzchen verhalte es sich mit der neuen Behördenorganisation in Zell. Auch diese sei gesprossen und nun müssten alle Involvierten dafür Sorge tragen, dass sie sich gut entwickle. Gelänge dies, würden in naher Zukunft alle davon profitieren. Und Lüdin schliesst seinen Vergleich mit der Zuversicht ab, dass dies dereinst der Fall sein wird.

Neu eine Abteilung Infrastruktur

Einen ersten wichtigen Samen – um beim Gleichnis zu bleiben – hat der Zeller Souverän diesen Mai gepflanzt. Mit rund 67 Prozent Ja-Stimmen-Anteil hat er für die Teilrevision der Gemeindeordnung votiert. Durch diesen Entscheid werden unter anderem die Behördenmitglieder um fast die Hälfte reduziert und diverse Kommissionen abgeschafft. Hauptziel der neuen Organisation ist, dass die Behördentätigkeit künftig wieder attraktiver wird. Die Behördenämter sollen entschlackt, rein verwaltungstechnische Aufgaben inskünftig in der Gemeindeverwaltung abgewickelt und dort das Know-how gebündelt werden.

Vergangenen Donnerstag hat der Gemeinderat nun ein weiteres Kern-element der neuen Behördenorganisation auf den Weg gebracht. Er hat das neue Geschäftsleitungsmodell der Verwaltung verabschiedet. Es sieht vor, dass die heutigen acht Verwaltungsabteilungen auf fünf zusammengelegt werden. Neu gibt es die Abteilungen Präsidiales, Finanzen, Infrastruktur, Bildung und Soziales. Die Aufgabenbereiche der Abteilungen Bildung, Soziales und Finanzen sind durch die Namensgebung bereits klar ersichtlich. Die Abteilung Infrastruktur kümmert sich zum Beispiel um die diversen Belange im Bauwesen, die gemeindeeigenen Liegenschaften, aber auch um die Angelegenheiten der Landschaft und Natur und das gesamte IT-Wesen. Der Abteilung Präsidiales sind das Verwaltungspersonal, die Kanzlei und die Einwohnerdienste zugeordnet. Die fünf Abteilungsleiter bilden die Geschäftsleitung. Den Vorsitz führt der Gemeindeschreiber, der zugleich die Abteilung Präsidiales leitet.

Eine «Zeller Lösung»

Erkan Metschli-Roth erklärt, dass es sich bei dem neuen Modell um eine spezifische «Zeller Lösung» handelt. Er hat in diesem Frühjahr die Nachfolge von Andreas Meyer als Gemeindeschreiber von Zell angetreten und hat die Projektgruppe für die Erarbeitung des neuen Geschäftsleitungsmodells geführt. Das Modell funktioniere in Lindau und Neftenbach zwar mit vier Abteilungsleitern, in Zell sei jedoch fünf die richtige Grösse, so Metschli-Roth. Neben ihm nahmen in der Projektgruppe drei Abteilungsleiter Einsitz. Bei den anderen Abteilungsleitern wurden regelmässig Feedbacks eingeholt.

Martin Lüdin (Foto: Archiv tth)
Martin Lüdin (Foto: Archiv tth)

Das neue Modell soll am 1. Juli 2018 in Kraft treten, weshalb es bereits seit gestern umgesetzt wird. «Wir müssen am Stichtag bereit sein», erklärt Martin Lüdin. Die neuen Abteilungen mit den ihnen neu zugeordneten Aufgabenbereichen müssten sich zuerst sicherlich ein wenig finden und auch einspielen. Im Rahmen dieses Prozesses sollen in einem nächsten Schritt dann die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Verwaltung noch detaillierter geregelt werden.

Behördenmitglieder müssen loslassen

Der Zeller Gemeindepräsident ist davon überzeugt, dass die Verwaltung mit den ihr neu übertragenen Kompetenzen «sehr sorgfältig» umgehen und keinen Missbrauch betreiben wird. Natürlich gibt es auch im neuen Modell Kontrollmechanismen. So sollen finanzielle Entscheide anhand einer Ampel beurteilt werden. Ist absehbar, dass eine Verwaltungsabteilung mit einem Geschäft über das Budget hinaus schiesst, wechselt die Ampel auf Rot und der Gemeinderat wird miteinbezogen, der dann grünes Licht geben kann.

Eine Herausforderung sieht Martin Lüdin auch anderswo. Nämlich darin, dass die Behördenmitglieder loslassen und sich von einigen Aufgaben verabschieden müssen. «Können sie das nicht, respektive geschieht das nicht, erreichen wir die Ziele nicht», erklärt er. «Das wäre sehr schade. Denn die neue Organisation nützt vor allem der Bevölkerung, aber auch den Behördenmitgliedern und allen Mitarbeitern der Verwaltung.» Bis sich dieser Nutzen entfalte und diese «Ernte» eingeholt werden könne, dauere es aber noch ein Weilchen. «Hierfür muss die neue Organisation zuerst ein starker Baum werden.»

ERNEUERUNGSWAHLEN 2018
Im nächsten Frühling finden auch in der Gemeinde Zell die Erneuerungswahlen für die Gemeindebehörden für die Amtsperiode 2018 bis 2022 statt. Nach heutigem Kenntnisstand treten aus dem Gemeinderat zwei Personen zurück: Liegenschaftenvorstand Ruedi Gähler und Bauvorstand Kurt Nüesch. Somit sind mindestens zwei Kandidaten gesucht, die den Gemeinderat komplettieren. Zwei Rücktritte verzeichnet ebenso die Schulpflege. In diese sind neu aber nur noch fünf und nicht mehr neun Mitglieder zu wählen. Ebenso haben zwei Mitglieder der Sozialbehörde ihren Rücktritt bekannt gegeben, womit zwei Sitze frei werden. Es sind dies Sibylle Heldstab und Leo Stiz. Aus der reformierten Kirchenpflege treten der Präsident, Peter Schnyder, und Heinz Pfister zurück. Der Gemeinderat, die Schulpflege, die Sozialbehörde und die reformierte Kirchenpflege werden an der Urne gewählt. Der erste Wahlgang findet am 15. April 2018, ein möglicher zweiter Wahlgang am 10. Juni 2018 statt. Die fünfköpfige Rechnungsprüfungskommission wird ebenfalls an der Urne gewählt. Ihre Mitglieder treten alle zur Wiederwahl an. Bei den durch den Gemeinderat zu wählenden Kommissionen und Ausschüssen (Planung und Bau, Landschaft und Natur, Energie, Wasser) kommt es ebenso nur zu vereinzelten Rücktritten. Aus dem Wahlbüro treten fünf Personen zurück. Dieses soll neu auf 24 Mitglieder reduziert werden, womit der Gemeinderat noch vier Sitze zu besetzen hat. Auf die nächsten Erneuerungswahlen nicht mehr zu besetzen sind: Die Werk-, Kultur-, Liegenschaften- und Grundsteuerkommission und die Kommission für Jugend und Freizeit. Aus diesen sich auflösenden Kommissionen haben sich zwei Personen gemeldet, die sich für ein anderes Amt zur Verfügung stellen würden.
Rolf Hug
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