Im Tösstal stehen mehr Wohnungen leer

Die Zahl der leerstehenden Wohnungen ist auch im Tösstal angestiegen (Foto: md)

Im Kanton Zürich stehen rund 6600 Wohnungen leer. Auch im Tösstal ist die Zahl der leerstehenden Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Ein Blick in die kantonale Statistik zeigt einige Hintergründe auf.


Jährlich ermittelt der Kanton Zürich per 1. Juni die Zahl der leerstehenden Wohnungen. Nun liegen die neusten Zahlen vor. Im ganzen Kanton waren am Stichdatum rund 6600 Wohnungen leer, das sind 450 mehr als vor einem Jahr. Einzig in der Stadt Zürich ist die Leerwohnungsziffer leicht gesunken. Auch im Tösstal ist in den meisten Gemeinden ein Anstieg der Leerwohnungen festzustellen. Zell, Schlatt, Turbenthal, Wila, Wildberg und Bauma verzeichnen eine Zunahme, in Fischenthal stagniert der Leerwohnungsbestand.

Die Gemeinde Zell hatte jahrzehntelang keine Leerwohnungen. Gemäss der neusten Zählung stehen nun 26 Wohnungen leer. 21 dieser Wohnungen wurden vor 2015 erstellt, fünf nach 2015. Damit handelt es sich in der Gemeinde Zell vor allem um ältere Wohnungen, die leer stehen. Es sind aber keine Einfamilienhäuser darunter. 23 der 26 Wohnungen haben zwischen 3 1/2 und 5 1/2 Zimmer, sind also als grössere Wohnungen zu bezeichnen. In einem Jahr hat die Bevölkerung um 55 Personen zugenommen. Laut Bausekretär Peter Obrist sind es in der Gemeinde Zell aber vor allem bereits ansässige Bewohner, welche in neue Wohnungen umziehen.

Die Bautätigkeit in der Gemeinde Zell wird auch in den nächsten Jahren weitergehen: Anfang September erfolgt zum Beispiel der Spatenstich für die Überbauung «Verdeblù» mit 115 neuen Wohnungen, die in Kollbrunn zwischen der Tösstalstrasse und der Töss erstellt werden. Weitere Bauvorhaben sind in Zell, angrenzend an das Areal der Schreinerei Pfister (40 Wohnungen), und in Kollbrunn auf dem Metzgerareal (rund 150 Wohnungen) in Planung. Die Gemeinde Zell verfügt gemäss kantonaler Statistik über Bauzonen im Umfang von 155 Hektaren, wovon gut 90 Prozent bereits überbaut sind.

Etwas markanter als in Zell hat sich der Leerwohnungsbestand in Turbenthal entwickelt: Hier standen per 1. Juni 52 Wohnungen von einem Gesamtbestand von 2015 leer. 48 Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern, vier in Einfamilienhäusern. 46 leerstehende Wohnungen befinden sich in Häusern, die vor 2015 erstellt wurden. Auch in Turbenthal stehen also eher ältere Wohnungen als neue leer. Mit 2,45 Prozent ist die Leerwohnungsquote die höchste aller Tösstalgemeinden. In Turbenthal hat die Bevölkerung innert Jahresfrist um 193 Personen oder um 4,3 Prozent zugenommen. Von den 120,9 Hektaren an Bauzonen, über die die Gemeinde Turbenthal verfügt, waren bereits 88 Prozent überbaut (Daten von 2015). Die Turbenthaler Baulandreserven neigen sich damit ihrem Ende zu. Dies wird sich vermutlich auch auf die Bautätigkeit auswirken.

In Schlatt zählt man 296 Wohnungen, von denen fünf leer stehen, was eine Leerstandsquote von rund 1,7 Prozent ergibt. Vier Wohnungen liegen in Mehrfamilienhäusern. Alle fünf Leerwohnungen wurden vor 2015 erbaut. Mit vier zusätzlichen Bewohnern hat die Bevölkerung von Schlatt um 0.5 Prozent zugenommen. Die überbaubare Zone hat eine Grösse von rund 27 Hektaren, von denen 82 Prozent bereits überbaut sind. Zurzeit wird in Schlatt eine grössere Überbauung mit acht Reiheneinfamilienhäusern und zwei Mehrfamilienhäusern realisiert, die in einem Jahr fertiggestellt sein soll («Der Tößthaler» berichtete am 30. Juni 2017). Dann wird Schlatt einen erheblichen Bevölkerungszuwachs verzeichnen.

In Wildberg standen am Stichtag sieben von 454 Wohnungen leer, was einer Leerstandsquote von 1,5 Prozent entspricht. Gemäss der kantonalen Statistik sind befinden sich sechs dieser Leerwohnungen in Mehrfamilienhäusern und eine in einem Einfamilienhaus. Alle diese Wohnungen liegen in Gebäuden, die vor 2015 errichtet wurden. Die Bevölkerung hat innert Jahresfrist um 26 Personen abgenommen, was einem Rückgang von 2,6 Prozent gleichkommt. Die Bauzonen sind bereits zu über 85 Prozent überbaut.

In Wila stehen zwar neun Wohnungen leer, doch verglichen mit dem Gesamtbestand von 911 Wohnungen beträgt die Leerstandsquote etwa ein Prozent und ist damit gleich hoch, wie vor einem Jahr. Acht Leerwohnungen sind in Mehrfamilienhäusern zu finden. Die Verteilung zwischen Alt- und Neubauten ist in Wila ausgeglichen: vier Leerstände in Neubauwohnungen und fünf in Wohnungen, die vor 2015 erbaut wurden. Die Bevölkerung Wilas ist gegenüber dem Vorjahr nur minim gewachsen, nämlich um 15 Personen. Die Gemeinde verfügt über 73 Hektaren an Bauzonen, die aber bereits zu über 80 Prozent überbaut sind.

Bauma befindet sich, in absoluten Zahlen gesehen, in einer ähnlichen Situation wie die Gemeinde Zell: 29 von total 2228 Wohnungen oder 1,3 Prozent stehen leer, nämlich sechs in Einfamilienhäusern und 23 in Mehrfamilienhäusern. Es sind vor allem Wohnungen in älteren Häusern, die leer stehen, nämlich 26 an der Zahl. Die Gemeinde Bauma hat innert Jahresfrist 59 neue Bewohner gewonnen, was einer Zunahme von 1,2 Prozent entspricht. Bauma verfügt über rund 150 Hektaren an Bauzonen, von denen mehr als 80 Prozent überbaut sind. Über Entwicklungsmöglichkeiten verfügt die Gemeinde Bauma in Saland, wo im «Ischlag» Mitte Juli ein Quartierplanungsverfahren («Der Tößthaler» berichtete am 15. August darüber) eingeleitet wurde.

Bei einem gesamten Wohnungsbestand von 1098 standen in der Gemeinde Fischenthal 13 Wohnungen leer, was einer Leerstandsquote von rund 1,2 Prozent entspricht. Diese ist damit etwa gleich hoch wie 2016. Acht dieser Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern und fünf in Einfamilienhäusern. Elf von 13 Wohnungen liegen in Häusern, die älter als zwei Jahre sind. Ungenutzt sind also vor allem Wohnungen in bestehenden Gebäuden. 88 Hektaren umfasst die Bauzone der Gemeinde Fischenthal. 75 Prozent davon sind bereits überbaut. Die Bevölkerung nahm um 48 Personen oder um 2 Prozent zu.

LEERWOHNUNGSZÄHLUNG
Mit der Leerwohnungszählung wird jährlich die Zahl der Wohnungen ermittelt, die per 1. Juni leer stehen. Die Leerwohnungszahl bildet nur einen Teil der Wohnungen ab, die auf den Markt kommen. Der Grossteil der Wohnungen wird unmittelbar nach einem Auszug wieder vermietet oder verkauft. So werden etwa in der Stadt Zürich in einem durchschnittlichen Monat rund 1800 Wohnungen (wieder-)bezogen, was etwa dem Vierfachen des aktuellen städtischen Leerwohnungsbestandes entspricht. Damit herrscht am Wohnungsmarkt mehr Bewegung, als in der Leerwohnungszahl zum Ausdruck kommt. Die Leerwohnungsziffer bezeichnet den Anteil leerer Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand. Seit 2012 nimmt die Zahl leerstehender Wohnungen im Kanton deutlich zu. Die aktuelle Zunahme liegt jedoch merklich unterhalb derjenigen des Jahres 2014, als gegenüber dem Vorjahr knapp 1200 zusätzliche Wohnungen verzeichnet wurden. Insgesamt ist die Zahl leerstehender Wohnungen seit 2012 immerhin um rund 2300 angestiegen. Im gleichen Zeitraum wurden jedoch auch deutlich über 50’000 neue Wohnungen erstellt – diese werden aber nicht überall im Kanton gleich schnell vom Markt absorbiert. (tth)