Im Takt der Maschinen

Solange das Werkstück glüht, muss es mit gezielten Schlägen bearbeitet werden (Fotos: lk)

Zurückversetzt in eine alte Handwerkskunst, in die bedächtige Langsamkeit der damaligen Zeit: Der Windenmachertag lockte zahlreiche neugierige Besucher zum lebendigen Museum am Lochbachweg in Wila.

Schon von weitem war das Schlagen der Hämmer auf dem Amboss zu hören, das Gelächter der Kinder und das interessierte Diskutieren der Erwachsenen. «Wir freuen uns riesig, dass so viele Leute gekommen sind», lobte Samuel Geiges-Bosshard, Präsident des Vereins «Alte Windenmacherei Brüngger, Wyla». «Wir hätten nicht gedacht, dass bei diesem regnerischen Wetter so viele Leute kommen. Es bestärkt uns sehr eindrucksvoll, diese Handwerkskunst weiterhinzu pflegen und den Menschen zeigen.»

Rund um die alte Werkstatt war mit Blachen und Zelten eine grosse regengeschützte Fläche gebildet worden. So konnte man gemütlich am Tisch sitzen, etwas essen oder trinken während nebendran sich die beiden gelernten Schmiede Philip Nünlist und Joachim Bürkle zwischen Feuer und Amboss bewegten. In der Werkstatt war Ruedi Gnädinger mit spannenden Erklärungen zu den uralten Maschinen. Eine grosse Infotafel, gespickt mit Fotos und geschichtlichem Hintergrund zu den Stockwinden, war aufgestellt und oberhalb der Werkstatt wurde der Film «De Windemacher» gezeigt.

Seit 1874 wurde die Handwerkskunst des Windenmachers in der Familie Brüngger gepflegt, bis 1954 in dritter Generation hauptberuflich noch von Alfred Brüngger, danach bis zu seinem Tod im Jahr 2009 noch als leidenschaftliches Hobby.

Selbermachen war Trumpf

Während die einen Kinder gespannt beobachteten wie das harte Metall im Feuer glühig gemacht wurde und sich danach spielend-leicht bearbeiten liess, waren andere schon fleissig am Arbeiten. Aus einem Angebot von kleinen Erinnerungsstücken konnten die Kinder ihr Werkstück auswählen: Soll es eine kleine Feder oder ein kleines Hufeisen als Anhänger sein oder ein praktischer Grillspiess? Einige Kinder hatten kaum die Kraft mit den schweren Hämmern ihre Werkstücke auf den Amboss zuzuschlagen, andere mussten erst lernen, wie man einen Hammer richtig hält. Nachdem der Schmied das Eisen aus dem Feuer geholt hatte, beeilten sich die Kinder auf den glühenden Teil zu schlagen, den Anweisungen zuzuhören und erneut draufzuschlagen. Gerne hätte auch manch ein Erwachsener mitgemacht und seine Treffsicherheit und Kraft unter Beweis gestellt.

Ein Motor für alle Maschinen

In der Werkstatt wurden nicht nur fast alle Maschinen vorgeführt, sondern auch deren Besonderheiten erklärt. Angetrieben werden alle mit einem Elektromotor aus dem Jahre 1911 und einer raffinierten Transmissionsanlage, die über vier Achsen und Antriebsriemen die Kraft überträgt. Gezeigt wurden die Metall-Hobelmaschine, die Bohrmaschine, die Metallsäge, Holzoberfräse und der Schmirgelstein. Sie sind teilweise über 100 Jahre alt. So zum Beispiel die grosse Bohrmaschine mit den ineinandergreifenden Zahnrädern, die hörbar nicht mehr so perfekt läuft.

Darum, und um die alte Bohrmaschine zu schonen, steht in einer Ecke, fast ein bisschen versteckt, noch eine moderne Standbohrmaschine aus Taiwan.

Für die Bearbeitung des Holzschafts hatte Alfred Brüngger in den 40er-Jahren noch eine Oberfräse angeschafft, die in einer damals noch existierenden Fabrik in Turbenthal hergestellt wurde. In den kommenden Monaten soll die Säge korrekt an die grosse Transmission angehängt werden. Bis jetzt wurde jeweils vor Gebrauch der eine Antriebsriemen einer anderen Maschine umgehängt und eingespannt. Das Druckgewicht der Säge wird noch mit einem Gewichtsstein reguliert.

Die Esse und der Amboss sind die wichtigsten Arbeitsplätze der Werkstatt. Das Feuer wird immernoch mit dem grossen Blasebalg (Länge 2,6 Meter) aus dem Jahr 1826 angetrieben. Rund fünfzig Stunden dauerte damals, wenn alles perfekt lief, die Herstellung einer Winde. Und wenn der Windenmacher einen Gehilfen hatte, der bei den Schmiedearbeiten als «Zuschläger» mitarbeitete. In den Blütezeiten der Produktion waren bis zu fünf Personen gleichzeitig in der kleinen Werkstatt an der Arbeit.

So konnte man gut auf dem Areal verweilen, den Kindern beim Schmieden zuschauen, in der Werkstatt das alte Werkszeug und Material bestaunen, den Film gucken und sich mit den Vorstandsmitgliedern über Stockwinden unterhalten.

Der Verein «Alte Windenmacherei Brüngger, Wyla» bietet auch Führungen für Gruppen oder Schulklassen an, zudem ist findet am ersten Samstag des Monats von 8 – 12 Uhr ein öffentliches Schmieden in der Werkstatt statt.

Weitere Informationen:
www.windenmacherei.ch oder bei Fritz Wüthrich, Turbenthal.