Im Dunstkreis der Demoralisierung

Als Moral bezeichnet man, liebe Leserinnen und Leser, zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, so sagt es Wikipedia. Seit Menschengedenken bauen wir an Konstrukten, die ein Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen möglichst friedlich regeln sollen. Auch die Bibel versucht mit ihren zehn Geboten ein Verhalten herbeizuführen, das möglichst wenig Konfliktpotenzial bietet. Eigentlich schlicht gehalten und erfolgsversprechend. Nur, warum funktioniert es nicht? Während den vergangenen 2000 Jahren musste das Zusammenleben von uns Menschen durch Gesetze, Erlasse und Richtlinien sowie den vermeintlichen Moralvorstellungen und kulturellen Geboten immer mehr geregelt werden, sodass wir heute in einer absoluten Überregulierung versinken und damit auch immer mehr entmündigt werden. Das Eine als Folge des Anderen!

Wie komme ich darauf, es herrsche heute weniger Moral als früher? Ein Blick in die heutigen Medien genügt, als Spiegel der Gesellschaft. Was früher ein Tabu war, wird heute skrupellos ausgeschlachtet, was ich früher als Kind als schlimm empfand, ist heute Normalität. Ein Klick am Computer und ich sehe in die Abgründe des heutigen Menschseins. Es wäre illusorisch, zu glauben, diese Veränderungen würden keinen Wandel der Denkmuster und Prägungen von uns herbeiführen.

Ist die Überbevölkerung Schuld für den Moralzerfall? Ich frage mich, warum das so ist. Eine einfache Erklärung ist die Bevölkerungsexplosion auf unserem Planeten. Wider der natürlichen Regulation breiten wir uns immer mehr aus und verdrängen alles, was sich seit Jahrmillionen ausgeklügelt aufgebaut hat, innert kürzester Zeit. Dümpelte die Zahl der Weltbevölkerung bis etwa anfangs 18. Jahrhundert unter einer Milliarde, explodierte sie seither auf aktuell 7,4 Milliarden Menschen. Dem gegenüber steht das Artensterben der Tiere, die von uns verdrängt werden! Nur in den letzten 50 Jahren halbierte sich die Anzahl aller Wirbeltiere weltweit drastisch. Wenn ich nun wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren will, und nach Moral frage, ist mein Beispiel durchaus repräsentativ. Bei Indianern und Urvölkern war der Respekt vor der Natur (Moral) selbstverständlich, man zerstörte nicht seinen eigenen Lebensraum.

Das Machtgebaren, die Gier und das ständige Verlangen nach Return haben sich kongruent mit der Bevölkerungsexplosion entwickelt. Mit der bereits erwähn-
ten fortschreitenden Entmündigung durch Regulation und völlige Kontrolle wird die alte gute Moral ersetzt und wir mutieren zu einer trägen, gut führbaren Masse, die brav immer nach Gewinn und Wachstum lechzt. Seien wir ehrlich, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, fragen wir uns heute zuerst, was habe ich davon. Weit entfernt von Uneigennützigkeit und Demut oder Idealismus. Und die Widerspenstigen werden den Löwen als moderne Märtyrer zum Frass vorgeworfen oder zerbrechen ob den Ungerechtigkeiten und Enttäuschungen. Ob Wirtschaft oder Politik, oft geht es um eigene Interessen und Bereicherung, obwohl Moral ein Pfeiler unseres vermeintlichen Rechts- und Sozialstaats sowie der direkten Demokratie sein müsste. Die scheinbar bewährten Systeme scheinen zu versagen und auf dem ganzen Globus sind Umbrüche spürbar. Die Unzufriedenheit mit der globalen Entwicklung und den vermeintlich hochgehaltenen Werten bröckelt, die hohlen Phrasen werden enttarnt. Andersdenkende werden wieder oder immer noch verfolgt und geächtet, alle die sich nicht an die vorgeschriebene Denkweise halten. Doch die Gedanken sind frei und können nicht verboten werden. Verdeutlicht mit Volksentscheiden wie dem Brexit, der Masseneinwanderungsabstimmung oder der Wahl des neuen US-Präsidenten und der Wahl des rechten Staatschefs in Ungarn. Ich bin überzeugt, dass noch mehr folgen werden, zum Beispiel in Frankreich. Objektiv und gänzlich unpolitisch sehe ich darin einen Aufschrei nach Veränderung. Hoffnung macht, dass offenbar doch ein Umdenken stattfindet und der kleine Mann mit den Entwicklungen nicht zufrieden ist. Wir brauchen neue Muster, neue Denkansätze und andere Lösungen. Da erstaunt auch die Wahl von Donald Trump nicht. Mögen seine Entscheidungen nicht alle richtig sein, Tatsache ist, er wurde gewählt. Das Volk will Veränderungen und dazu müssen wir bereit sein, Dinge beim Namen zu nennen und auch zu verteidigen, schräg und quer zu denken und vor allem Lehren aus Vergangenem ziehen. Ob die gute alte Moral in einer neuen Welt wieder Platz haben wird, das wird die Zukunft, unsere Zukunft zeigen.