Im Asylwesen den Menschen sehen, aber mit Abstand wirken

Margrit Berlinger referierte am Mäntigsträff in Wildberg über das Asylwesen (Foto: zVg)

Die Reformierte Kirchgemeinde Wildberg lud zum monatlichen Mäntigsträff ein. Gut 30 Personen hörten sich in der Chilestube die Erläuterungen von Margrit Berlinger zur Asylbewerberbetreuung in der Gemeinde an.

Eigentlich hätte an diesem Montagmorgen Heidi Egerter von der Gassenküche in Zürich erzählen wollen, doch sie musste krankheitshalber absagen. Lotti Häringer, Mitwirkende im Mäntigsträff-Team, fragte spontan bei Margrit Berlinger an, die ebenso spontan bereit war, über die Asylbewerberbetreuung in Wildberg zu sprechen. Die Russiker Gemeinderätin betreut als Vorsteherin des Ressorts Sicherheit in ihrer Gemeinde die Asylsuchenden und zusätzlich diejenigen in Wildberg. Gemeindepräsident Dölf Conrad und Gemeinderat Peter Weber (Ressort Soziales), die dem Referat ebenfalls beiwohnten, sind sich einig: «Sie hat eine klare Linie und das schätzen wir.»

In Wildberg kümmert sich die sachlich erzählende Frau derzeit um sieben Asylsuchende. Diese sind im Mehrzweckgebäude nahe der Schule untergebracht und bewohnen zwei spartanisch eingerichtete Schlafräume mit Wohnküche und Waschraum. Alle Räume haben direktes Tageslicht. «Die Unterkunft ist für Einzelpersonen geeignet, aber nicht für Familien», führte Margrit Berlinger aus. Im Bedarfsfall oder wöchentlich trifft man sie in der Unterkunft an. Sie begegnet den Asylsuchenden auf menschliche Art, bewahrt aber immer Distanz. Die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind da. Mit Händen und Füssen sowie mittels Piktogrammen erfolgt die Verständigung. Selbst die erfahrene Betreuerin befremdet es, dass stets die Türen offen sind oder das Licht ständig brennt. Manchmal merkt sie auch, dass ein Fremdschläfer dort ist. In diesem Falle macht die Kantonspolizei die entsprechende Kontrolle, holt ihn heraus und erteilt Hausverbot. Bislang gab es um die Unterkunft keine grossen Probleme, was auch die Kirchgemeindepräsidentin Monique Blattmann, die ganz in der Nähe wohnt, bestätigte.

Allgemeines Wissen rund um das Asylwesen

Wieso in Wildberg derzeit sieben Männer auf einen Entscheid warten, erklärt sich durch die allgemeine Handhabung. Üblicherweise kommen die Flüchtlinge in einem der insgesamt fünf Empfangs- und Verfahrenszentren an der Schweizergrenze an. Dort fällt der erste Beschluss. Müssen sie nicht direkt zurück in ihr Herkunftsland oder unterstehen dem Dubliner Abkommen (retour in das EU Land, von wo sie anreisten), werden sie auf die Kantone verteilt, wobei der Kanton Zürich 17,9 Prozent aufzunehmen hat. In Durchgangszentren werden sie während eines halben Jahres auf das hiesige Leben vorbereitet. Gemäss zurzeit gültigem Verteilschlüssel muss eine Gemeinde pro 1000 Einwohnern 0,7 Prozent Asylsuchende aufnehmen. Asylentscheide dauern unterschiedlich lang, die Gemeinden können diese nicht beeinflussen. «Wir übernehmen auch keine Anwaltskosten», machte die Referentin deutlich und fügte an, dass das Geld dafür teilweise von verschiedenen Hilfswerken komme oder die Asylsuchenden die Kosten in Raten abzahlen.

Asylsuchende Personen erhalten zuerst den Ausweis N. Dieser gilt als Identitätsnachweis. Bei positivem Entscheid folgt die Bewilligung F. «Vorläufig aufgenommener Ausländer» oder «vorläufig aufgenommener Flüchtling» bedeuten unter anderem, dass nach einer Arbeit gesucht werden kann. Schlechte Deutschkenntnisse, ungenügende Berufsausbildung und oftmals auch belastende traumatische Kriegserlebnisse machen indes die Suche schwierig. «Gute Erfahrungen haben wir gemacht, wenn wir zuerst eine Praktikumsstelle für drei Monate mit einem Einführungslohn vereinbaren können», erläuterte Margrit Berlinger. Mit der Bewilligung F kann die Ursprungsgemeinde verlassen werden, wobei die Wohnungssuche eine weitere Hürde darstellt.

Geld spielt im Asylbereich eine grosse Rolle

In Wildberg erhält ein Asylbewerber mit Ausweis N nebst der erwähnten Infrastruktur pro Monat 396 Franken für den Grundbedarf (etwa Essen, Zahnbürste, Zigaretten) ausbezahlt. Versicherungen (auch Krankenkasse) und Zahnbehandlungen im Notbereich werden übernommen, hingegen keine Handys und deren Kosten, betonte die Betreuerin. Zudem wird in Wildberg ein Monatsabonnement für das Postauto auf der Strecke Turbenthal-Pfäffikon abgegeben, die Regelung mit Einzelbilleten wäre sehr aufwändig. So kann auch zum Deutschunterricht in Russikon gefahren werden, wo sie von einer von der Gemeinde Russikon angestellten Deutschlehrerin und von einem ehemaligen, auf freiwilliger Basis wirkenden Lehrer unterrichtet werden. Mit der Bewilligung F erfolgt dann die Einteilung gemäss den SKOS-Richtlinien. Sofern möglich (mit Arbeitsstelle) werden Einnahmen und Ausgaben einander gegenübergestellt und die Differenz ausbezahlt. Es gibt Richtwerte über die Höhe der Wohnungsmieten, die Mehrkosten muss der Asylbewerber allenfalls selber tragen. Für die Kosten kann die Gemeinde beim Kanton während zehn Jahren Rückforderungen stellen, danach fallen diese bei der Gemeinde an.

Doch sind es Menschen, die irgendwann ankommen. Da wird auch der Wunsch wach, sich ihnen anzunähern, vielleicht eine kleine Arbeit gegen Entgelt zu geben. Davor warnt Margrit Berlinger eindringlich. Die Versicherungsfrage sei nicht geregelt und Geld dürfe man nicht abgeben. Wenn schon, so sollte eine Beschäftigung offiziellen Charakter haben. Die Asylbewerber erledigen unter Aufsicht anstehende Aufgaben in der Gemeinde und danach kann als Entschädigung ein gemeinsamer Imbiss (eventuell mit der Kirche zusammen) organisiert werden. Die Asylbewerberbetreuung ist insgesamt ein kompliziertes Gebilde, das war am Montag herauszuhören. Sie wird die Gemeinden wohl immer begleiten. Aber Menschen, wie die Referentin, zeigen auch, dass die Aufgabe recht pragmatisch angegangen werden kann. Der Zufall wollte es, dass das Thema unerwartet zur Sprache kam, doch es war eine rundum gute Fügung.