IG pro Bauma plant Umfrage zur «Tanne»

Über die Zukunft des Gasthauses zur Tanne macht die IG pro Bauma eine Umfrage (Foto: Archiv tth)

Die IG pro Bauma will an der Baumer Gewerbeshow eine Umfrage zur Zukunft des Gasthauses zur Tanne durchführen. Anstoss dazu gab eine lange Schnitzelbank, die letzthin in der «Baumerziitig» erschien und sich auf närrische Weise kritisch mit der Politik rund um das gemeindeeigene Gasthaus auseinandersetzte.

Das Gasthaus zur Tanne in Bauma sorgt momentan für Gesprächsstoff und dürfte es auch in nächster Zeit tun. Die IG pro Bauma plant an ihrem Stand an der Baumer Gewerbeshow nämlich eine Umfrage, bei der sich die Bürger zur Zukunft des gemeindeeigenen Gasthauses äussern können. Präsident Werner Berger erklärt, dass die «Tanne» schon längere Zeit auf dem Radar ist und die IG mit dieser Aktion «den Steilpass» aufnehme, der ihr kürzlich via «Baumerziitig» zugespielt wurde. Darin hat sich Alex Sommer, der in Bauma ein Geschäft für Strassen- und Gartenbau besitzt, in einer langen, zweiteiligen Schnitzelbank auf närrische Weise kritisch mit der «Tanne»-Politik der vergangenen Jahre auseinandergesetzt. «Sit 40 Johr wird nur investiert, s’hätt aber no kei Tag räntiert», schreibt Sommer alias «s’Rumpelstilzli» etwa. In weiteren Passagen erhalten nebst den ehemaligen Wirten auch die Gemeinde ihr Fett weg: «Verstahsch, Gmeind isch en eigni Wält, seit jedä ’isch jo nöd mis Gält.»

Kosten von netto 100’000 Franken

Der Baumer Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) zeigte sich über die fasnächtlichen Verse wenig erfreut. «Ich finde den Tonfall von Sommers Schnitzelbank unangebracht. Fasnacht hin oder her», sagte er gegenüber dem «Regio». Anders sah dies Werner Berger: Er fand die Schnitzelbank «sehr gut» und eine gewisse Narrenfreiheit solle ruhig möglich sein. Unabhängig vom Ton ist für ihn aber wichtiger, dass die Schnitzelbank einen Nerv der Bevölkerung getroffen und grundsätzliche Fragen zur Zukunft der «Tanne» aufgeworfen habe. Und dies im richtigen Moment: Denn die Gemeinde sucht für die «Tanne» per Anfang August einen neuen Pächter, weil der jetzige Wirt nach rund fünf Jahren gekündigt hat. Der Gemeinderat versucht, eine nahtlose Nachfolgelösung zu finden. Dass dies vielleicht nicht so einfach wird, zeigt die jüngere Geschichte der «Tanne». Sie stand immer wieder leer, in den 2000er-Jahren sogar etwa fünf Jahre lang. Die meisten Wirte hatten sich an ihr die Zähne ausgebissen und verliessen sie aus wirtschaftlichen Gründen wieder. Als Besitzerin muss die Gemeinde das Defizit decken.

Berger rechnet, dass die «Tanne» den Baumer Steuerzahler pro Jahr netto etwa 100’000 Franken kostet. Dies schliesst er aus den Budgets und Jahresrechnungen der Gemeinde vergangener Jahre, welche er im Hinblick auf die Gemeindeversammlungen jeweils analysiert, wo er sich jeweils auch kritisch zu Wort meldet. In seinen Augen verzerrt die «Tanne» den Wettbewerb, weil sie eben die Gemeinde im Rücken hat. Und dies zum Nachteil der privaten Baumer Restaurants. «Davon zeugen die zum Teil sehr günstige Angebote der ‹Tanne›, die kein privater Wirt anbieten könnte, zum Beispiel ein Drei-
Gang-Weihnachts-Menü für nur 20 Franken». Für Berger und die IG ist deshalb klar, dass die «Tanne» verkauft werden sollte. «Der Besitz eines Restaurants ist keine Kernaufgabe der Gemeinde.» Dass die «Tanne» durchaus verkauft werden könne, habe sich ausserdem vor rund fünf Jahren gezeigt, als ein Verkauf zur Debatte stand und auch Angebote eingegangen seien, teilweise von über 1,5 Millionen Franken. «Bei jedem Angebot über einer Million Franken würde ich als Gemeinde sofort verkaufen», sagt Berger.

Nicht die erste Umfrage

Mit ihrer Umfrage an der Gewerbeshow ziele die IG aber nicht primär darauf, möglichst viele Bürger vom Verkauf der «Tanne» zu überzeugen, so der Präsident der IG weiter. «Uns geht es darum, den Puls der Bevölkerung zu spüren.» Die konkreten Fragen sind zwar noch nicht ausgearbeitet. Es wird aber sicherlich die Grundsatz-Frage gestellt, ob die «Tanne» im Eigentum der Gemeinde bleiben soll oder nicht. «Wenn eine grosse Mehrheit für einen Verkauf votiert, dann könnte die Gemeinde eine Kosultativabstimmung wie beim Hallenbad durchführen. Wenn die Stimmungslage gerade umgekehrt ist, dann ist es eine Bestätigung der Politik des Gemeinderates», erklärt Berger. Bei der Umfrage sollen die Bürger ebenso Ideen für eine mögliche andere Nutzung des Gebäudes aufschreiben können.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IG eine Umfrage durchführt. Einst hatte sie die Bevölkerung zu möglichen Alternativ-Standorten für die Unterbringung der Gemeindeverwaltung anstatt im Gemeindehaus befragt. Hierauf hagelte es unter anderem vom Gemeinderat Kritik. Gezweifelt wurde mitunter an der Repräsentativität der Umfrage. Berger meint dazu, dass die IG wenigstens nicht die Faust im Sack mache und etwas ins Rollen bringen möchte. «Falls dem Gemeinderat die Meinung der Bürger wichtig ist, kann er jederzeit selber eine Umfrage zu wichtigen Themen durchführen. Eine volle
Kostentransparenz bei der «Tanne» würden wir begrüssen.»

Rolf Hug
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