IG Pro Bauma hat Umfrage zu Gemeindehaus lanciert

Wo soll die Gemeindeverwaltung von Bauma in Zukunft untergebracht sein? Diese Frage will die IG Pro Bauma mit einer Umfrage klären. In Frage kommt hierfür ein gemeinsamer Neubau mit der Feuerwehr entweder auf dem Areal der «alten Landi» oder dem Werkhof (Fotos: Kai Hicks)

Die IG Pro Bauma hat auf ihrer Website eine Umfrage zu möglichen Zukunftsstandorten der Gemeindeverwaltung lanciert. Sie will, dass sich die Bevölkerung zur Standortfrage noch äussern kann. Für Gemeindepräsident Andreas Sudler ist es für eine solche Grundsatzdiskussion aber zu spät: «Die Bauarbeiten für die Sanierung des Gemeindehauses sind praktisch startbereit.» Spräche sich ein Grossteil der Umfrageteilnehmer gegen das jetzige Projekt aus, so will IG-Präsident Werner Berger den Druck auf den Gemeinderat erhöhen.

Wo soll die Gemeindeverwaltung von Bauma in Zukunft untergebracht sein? Auf diese Frage lässt sich der Inhalt der von der IG Pro Bauma auf ihrer Website lancierten Umfrage zum zukünftigen Standort der Gemeindeverwaltung verkürzt zusammenfassen. «Der IG Pro Bauma ist es ein Anliegen, dass sich die Bevölkerung äussern kann, bevor es wirklich zu spät ist», begründet die Interessengemeinschaft die Umfrage im «Anzeigenblatt Bauma» von letztem Donnerstag, wo deren Lancierung angekündigt wurde. Auf Nachfrage präzisiert IG-Präsident Werner Berger die Gründe: «Wir spüren klar, dass ganz viele Baumer unzufrieden sind, wie das momentane Sanierungsprojekt des Gemeindehauses zustande gekommen ist und vorangetrieben werden soll.»

Drei Varianten

Er verweist auf das Resultat der Abstimmung von Ende November 2013. Über 60 Prozent der Baumer Stimmbürger haben damals mit gut 57 Prozent die Sanierung des Gemeindehauses an der Urne bachab geschickt. Daraufhin hat der Gemeinderat rund 95 Prozent der Ausgaben als gebunden taxiert und der Entscheidungsbefugnis der Bürger entzogen. Ein Rekurs gegen das momentane Sanierungsprojekt wurde aufgrund des Todes des Rekurrenten Ende letzten Jahres vom Bezirksrat als gegenstandslos abgeschrieben. Und an der Gemeindeversammlung kommenden Juni können die Bürger schliesslich nur noch über die ungebundenen Ausgaben befinden, bevor die Sanierung beginnt.

Auch Berger ärgert, wie das Projekt zustande gekommen ist. Er verweist auf Lindau und Hittnau, wo zum zukünftigen Standort der Verwaltungen seitens Gemeinde Umfragen durchgeführt wurden. «Nur unser damaliger Gemeinderat hielt das nicht für nötig.» Aber nicht nur der Weg zur jetzigen Ausgangslage stören Berger und die IG. Sie erachten die Sanierung des bestehenden Gemeindehauses auch nicht als die beste Lösung. Einerseits sei beim jetzigen Standort der Gemeindeverwaltung die Parkplatzsituation unbefriedigend, was sich durch die Sanierung nicht ändern würde. Andererseits habe die Denkmalpflege ein zu starkes Mitspracherecht und schränke das Projekt ein, erklärt Berger. Hinzu komme, dass auch der Werkhof, der als Feuerwehr-Depot dient, sanierungsbedürftig sei, was man «schon lange weiss». Die beiden Projekte zu verbinden, wäre deshalb sinnvoll und entspräche einer weitsichtigen Planung, die der Gemeinderat bis jetzt schmerzlich vermissen lasse, analysiert er die Lage.

Die IG präsentiert in ihrer Umfrage deshalb drei mögliche Zukunftsvarianten, wovon die Baumer Bürger ihre favorisierte auswählen können. Bei der ersten Variante handelt es sich um das vom Gemeinderat verfolgte Projekt, also die Sanierung des Gemeindehauses am bestehenden Ort. Die zweite Variante sieht einen Neubau für die Gemeindeverwaltung und Feuerwehr auf dem Areal der «alten Landi» vor und den Abriss der bestehenden Gebäude; die dritte einen ebensolchen Neubau auf dem Areal des Werkhofes inklusive Abriss der jetzigen Häuser. Zu jeder Variante hat die IG Vor- und Nachteile aufgezählt.

«Wehret diesen Anfängen»

Bergers persönlicher Favorit wäre ein Neubau auf dem Areal des Werkhofes. Dieser würde auf einem grossen, gemeindeeigenen Areal verwirklicht und die Planungs- und Kostensicherheit wäre am höchsten, ist der Präsident der IG überzeugt. «Zudem müsste man sich nicht mit der Denkmalpflege herumschlagen und der Feuerwehr-Lärm wäre nicht im Dorf.» Ein ganz wesentlicher Punkt betrifft auch die Kosten. Zwei Sanierungen (Gemeindehaus und Werkhof) könnten unter dem Strich gut und gerne einfach einmal drei bis fünf Millionen Franken teurer sein als ein neues Mehrzweckgebäude, schätzt Berger. «Und dies belastet uns sofort mit einigen Steuerprozenten.»

Mit der Umfrage wollen Berger und die IG aber nicht eine favorisierte Variante durchboxen. Ihnen geht es ums Grundsätzliche: «Wir wollen eine zukunftsorientierte Lösung, die von den Baumern bestimmt wurde und hinter der die Bürger stehen können.» Momentan werde die Demokratie schlicht mit Füssen getreten. Unter der damaligen Gemeindepräsidentin Marianne Heimgartner und dem ehemaligen Gemeindeschreiber Andreas Strahm habe sich der Gemeinderat immer mehr vom Normalbürger entfernt, so seine Diagnose. Und er schiebt nach: «Wehret diesen Anfängen.»

«Wir hätten die Bevölkerung stärker miteinbezogen»

An der Umfrage beteiligt hat sich auch der Baumer Gemeindepräsident Andreas Sudler. Er hat für das bestehende Projekt gestimmt: «Ich begrüsse grundsätzlich die Einbeziehung des Bürgers mittels Umfrage. Aber für eine Standortdiskussion ist es zu spät. Die Bauarbeiten für die Sanierung des Gemeindehauses sind praktisch startbereit.» Zudem ist Sudler «absolut vom jetzigen Standort der Gemeindeverwaltung und dem jetzigen Sanierungsprojekt überzeugt.» Die Ortsmitte sei der ideale Ort für die Verwaltung. Und er gibt zu bedenken, dass bis heute Hunderte von Stunden in das jetzige Projekt investiert wurden, welches bis jetzt rund 300‘000 Franken gekostet hat. Zudem hätten sich seine Vorgänger beim momentanen Projekt sicherlich etwas überlegt. «Es wäre auch ihnen gegenüber nicht fair, das Projekt nun einfach auf der Zielgeraden zu kippen.»

«Der IG Pro Bauma ist es ein Anliegen, dass sich die Bevölkerung äussern kann,
bevor es wirklich zu spät ist»

Sudler hatte bis zur seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten im November letzten Jahres wenig mit dem Projekt zu tun, räumt aber Fehler ein. «Der Paradigmenwechsel von ungebundenen zu gebundenen Ausgaben war von Anfang an bestritten und wurde vom Volk nie akzeptiert. Man hätte das Projekt bis zum Schluss mit ungebundenen Ausgaben durchziehen sollen, im Wissen, dass dies zwar nicht korrekt ist.» Schliesslich habe der Bezirksrat die Gebundenheit nun als richtig bejaht und legitimiert den Entscheid des Gemeinderates. Sudler ist aber davon überzeugt, dass der Gemeinderat in der jetzigen Konstellation das gesamte Projekt wohl anders aufgegleist hätte. «Wir hätten die Bevölkerung zur Frage des Standortes sicherlich stärker miteinbezogen, eventuell in Form einer Umfrage.»

Extrem wichtige Erkenntnisse

Interessant scheint die Frage, wie der Gemeinderat mit den Resultaten der Umfrage umgehen wird. Andreas Sudler sagt hierzu: «Es müssten schon neue und extrem wichtige Erkenntnisse zum Vorschein kommen, dass der Gemeinderat das jetzige Sanierungsprojekt noch stoppt, auch wenn die Resultate der Umfrage sehr zu Ungunsten des momentanen Projektes ausfallen sollten.» Und er ergänzt: «Ich sehe auch nicht, was das für Erkenntnisse sein sollten.» Zudem frage er sich, wie repräsentativ die IG-Umfrage sei. Auch dass das Gemeindehaus sanierungsbedürftig sei, werde vermutlich von niemanden bestritten. Und der Gemeindepräsident weist daraufhin, dass ein Abbruch des laufenden Projekts zum jetzigen Zeitpunkt einen Schritt zurück auf Feld eins bedeuten würde und bis zum Bezug einer alternativen Lösung nochmals vier bis fünf Jahre vergehen würden. Zudem sei absolut unklar, ob ein Neuaufrollen des Prozesses zu neuen Erkenntnissen und grösserer Akzeptanz in der Bevölkerung führen würde.

Die IG will derweil abwarten, wie das definitive Resultat ausfällt. Für Werner Berger ist klar: Würde sich ein Grossteil der Beteiligten gegen das jetzige Projekt aussprechen und machte der Gemeinderat so weiter, «als wäre nichts gewesen», müsse der Druck auf den Gemeinderat seitens IG erhöht werden. Die Umfrage läuft noch bis am 3. März. Die Resultate sollen am 9. März im «Anzeigenblatt Bauma» publiziert werden.

Rolf Hug
Über Rolf Hug 90 Artikel
Redaktor
Kontakt: Webseite