Homöopathie ist keine Esoterik

Der Referent Peter Weber – hinter ihm ein Bild von Samuel Hahnemann, dem Gründer der Homöopathie (Foto: Werner Tüscher)

Peter Weber, Homöopath und Systemtherapeut aus Wildberg, referierte am ersten ökumenischen Seniorennachmittag des neuen Jahres. Die ZuhörerInnen erhielten einen Einblick in ein Heilverfahren, das von der Schulmedizin sehr argwöhnisch begutachtet wird.

Pfarrer Sunny Thomas begrüsste rund vierzig Interessierte zum Referat über Homöopathie. Er habe am 1. Januar die Kirchgänger gefragt, was sie sich am meisten für das neue Jahr wünschten. Die häufigste Antwort sei gewesen: «Gesundheit». Das Thema des ersten Seniorennachmittags des Jahres passte also ausgezeichnet zu diesen Wünschen. Der ausgewiesene Fachmann Peter Weber aus Wildberg ergriff darauf das Wort, um zuallererst festzuhalten, dass Homöopathie nichts mit Esoterik zu tun hat und auch keine reine Pflanzenheilkunde ist, sondern ein eigenständiges, anerkanntes Heilsystem, das auf drei Pfeilern beruht: dem Ähnlichkeitsprinzip, der Arzneimittelprüfung und dem Potenzieren der Heilmittel.

Das Heilprinzip der Homöopathie

«Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt» ist der Grundgedanke der Homöopathie und besagt, dass eine Krankheit nur durch eine Arznei geheilt werden kann, welche bei einem gesunden Menschen dieselben Symptome erzeugt, an denen der Erkrankte leidet. Dieses Prinzip erläuterte Peter Weber am Beispiel der Tollkirsche: Nimmt jemand – wir nehmen an aus Versehen – Tollkirschengift zu sich, würde der Körper diverse Vergiftungserscheinungen zeigen, wie plötzliches hohes Fieber, erweiterte Pupillen, Halluzinationen. Zeigen sich nun bei einem Krankheitsfall dieselben Symptome, erhält der Patient das tausendfach verdünnte und verschüttelte Gift der Tollkirsche. Die Immunabwehr des Körpers wird nun eine Gegenreaktion auslösen, die stärker als die Krankheit ist.

Den zweiten Pfeiler bildet die Arzneimittelprüfung: Homöopathische Arzneien werden von gesunden Prüfern eingenommen. Diese dokumentieren im Anschluss alle Veränderungen, die sie an sich beobachten. Die aufgetretenen Symptome – sowohl physischer als auch psychischer Art – werden gesammelt und in entsprechenden Arzneimittellehren zusammengestellt. Die dritte Säule ist das Potenzieren der Arzneimittel. Dabei wird ein Ausgangsstoff stark verdünnt und zur Dynamisierung verschüttelt. Ab einer gewissen Verdünnung ist dann nachweislich kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr nachweisbar. Aufgrund dieses Nichtmehrvorhandenseins halten Skeptiker die Homöopathie für eine Irrlehre. Aber die Methoden von Schulmedizin und alternativer Medizin sind so grundverschieden, dass es kaum möglich ist, die eine mit der anderen zu bestätigen.

Am Anfang steht das Gespräch

Entschliesst sich jemand, einen Homöopathen aufzusuchen, so findet zuerst ein ausführliches Gespräch statt. Der Klient wird ausgiebig nach den Symptomen seines Unwohlseins befragt, unter anderem: Welches sind die Symptome? Wie wirken sie sich aus? Wann haben sie begonnen? Wo genau sind sie zu finden? Wie fühlen sich die Schmerzen an, spitz oder stumpf? Werden sie stärker? Was bringt Linderung? Weitere Angaben über das Befinden, den Allgemeinzustand und das soziale Umfeld helfen dem Therapeuten, sich ein Gesamtbild des Klienten zu verschaffen und die geeigneten Medikamente bereitzustellen, die zu einem grossen Teil aus Pflanzen hergestellt werden; aber etwa 20 Prozent der Heilmittel kommen aus anderen Bereichen. Nach Peter Webers Überzeugung gibt es kaum einen Lebens- oder Leidensbereich, der sich mit Homöopathie nicht verbessern oder kurieren lässt. Dass es ohne Schulmedizin nicht geht, ist für ihn jedoch ebenso klar; denn ein Beinbruch lässt sich nicht mit weissen Zuckerkügelchen kurieren.

Damit ging eine äusserst spannende und lehrreiche Stunde zu Ende; offenbar hatte der Referent das Interesse seiner Zuhörer geweckt; denn schon bald sass er mitten unter ihnen und beantwortete Fragen.

Zuvor hatte der reformierte Pfarrer Marc Schedler als Schlusswort etwas gesagt, dem wirklich alle zustimmten: «Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit!»

GESCHICHTE DER HOMÖOPATHIE
Als Gründer der Homöopathie gilt der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755 bis 1843), der in seiner Praxis-tätigkeit schnell feststellte, dass die damals vorherrschenden, oft äusserst brutalen Heilmethoden den Erkrankten mehr schadeten als nützten.

Die zu seiner Zeit vorherrschende «4- Säfte- Lehre» konnte für die Patienten tödlich sein; die exzessiven Aderlässe und die mit starken Giften wie Arsen, Blei oder Quecksilber versetzten Medikamente waren auch für Gesunde lebensgefährlich. Natürlich schuf sich Hahnemann mit seiner Kritik nicht nur Freunde, und er konnte deshalb nie lange am selben Ort praktizieren. Erst in den letzten Lebensjahren, die er als angesehener und vielbeschäftigter Arzt in Paris verbrachte, erhielt er Lob und Anerkennung. Die Königsfamilie und der berühmte Geiger Niccolò Paganini zählten dort zu seinen Klienten. Sein Grabstein trägt – auf seinen persönlichen Wunsch – die Inschrift «Non inutilis vixi» («Ich habe nicht unnütz gelebt.»).

Nach der Abwendung von der brachialen traditionellen Medizin begann Hahnemann mit immer stärker verdünnten Heilmitteln zu pröbeln, wobei seine ganze Familie als Versuchskaninchen herhalten musste – alle haben die Versuche unbeschadet überstanden! Seine Methoden waren eigentlich weder neu noch revolutionär; denn er griff auf Erkenntnisse von Hippokrates und Paracelsus zurück. Und Hippokrates gilt noch immer als der «Vater der modernen Medizin». Schliesslich arbeitete Hahnemann mit etwa dreissig Substanzen – heute kennt die Homöopathie deren 7500. Im Jahre 1810 erschien die erste Ausgabe seines Hauptwerks «Organum»; es enthielt bereits alle Wesenszüge der Homöopathie und wurde in den kommenden Jahren mehrmals erweitert und gilt noch heute als Grundlagenwerk.