Holz gibt mehrmals warm

Das Aufräumen der Streuschäden nach einem Sturm ist aufwendig, gefährlich und kostspielig. (Fotos: ek)

Auch im Tösstal sind die Forstbetriebe mit den Aufräumarbeiten nach Sturm Burglind beschäftigt. Diese Arbeit ist wichtig um Folgeschäden zu vermeiden, die Waldverjüngung zu fördern und das Holz als Rohstoff zu verwenden.

Als die Schweiz vor zwei Wochen von Sturm Burglind heimgesucht wurde, befürchteten viele einen Orkan von der Stärke «Lothars» 1999. «Burglind» wütete schlussendlich gelinder als ihr zerstörerischer Vorgänger, trotzdem verursachte sie Schweizweit enorme Schäden. Besonders betroffen sind Waldbesitzer. Laut dem Bundesamt für Umwelt BAFU wurden 1.3 Millionen Kubikmeter Holz zu Boden geworfen – hauptsächlich durch Streuschäden. Glück im Unglück haben die Schweizer Waldbesitzer dennoch: Diese Menge ist gerade mal ein Zehntel der Lothar-Schäden und entspricht in etwa einem Viertel der durchschnittlichen Jahresnutzung des Schweizer Waldes.

Der Verband der Waldeigentümer WaldSchweiz meint, die Waldeigentümer sehen sich in der Lage, diese Mengen an Sturmholz zu bewältigen. So haben sich Waldbesitzer und die Holzwirtschaft an der Holzmarktkommission darauf geeinigt, das aktuelle Holzpreisniveau aufrechtzuerhalten.

Laut der Schweizerischen Holzmarktkommission ist der Schaden verkraftbar; es bestehe ein anhaltender Holzbauboom und eine grosse Nachfrage nach Schweizer Holz. Somit könne das Sturmholz innerhalb der normalen Jahresnutzung gerüstet und verkauft werden. Verarbeitet wird das Sturmholz mit Priorität zu normalen Holzschlägen und habe so keine negativen Auswirkungen auf den Holzmarkt.

Sturmholz im Tösstal

Im Tösstal sind ebenfalls mehrere Gebiete von Streuschäden betroffen. Das Beseitigen der Streuschäden bedeutet für die Besitzer einen massiv grösseren Arbeitsaufwand und ist mit deutlich erhöhten Holzerntekosten verbunden. Zumindest zur Vermeidung von Folgeschäden sollten die Waldbesitzer aber ihr Gebiet räumen. Liegengebliebenes Nadelholz ist eine willkommene Brutstätte für den Borkenkäfer, der sich im Frühling darin unaufhaltsam vermehren würde.

Stefan Holenstein ist Förster in der Gemeinde Zell ZH. Auf seinem Gebiet von ungefähr 1000 Hektar Waldfläche habe es nach seiner Schätzung etwa 500 Kubikmeter Streuschäden gegeben. Das entspreche einer Jahresnutzung von 10 Prozent. Der Grossteil des Waldes sei Privatwald und die Besitzer räumen in der Regel selber auf. Mindestens Fichten müssten weg – «das ist Pflicht der Waldbesitzer. Der Borkenkäfer kann schliesslich auch auf die Nachbargebiete übergreifen.»

Holenstein organisiert auf Auftrag der privaten Besitzer Räumungsarbeiten und sorgt für den Verkauf des Holzes. Seine Hauptabnehmer seien Sägereien und Händler in der Region. Es werde aber nicht alles Holz verkauft, teils ist es auch Brennholz für den Eigenbedarf und wer wolle, könne seine Laubbäume natürlich liegenlassen. Auch laut WaldSchweiz ist etwas Pragmatismus gefragt: Vereinzelte umgeworfene Laubbäume sollten liegenbleiben. Verrottete Stämme gehören zum natürlichen Kreislauf und bilden die Lebensgrundlage für Kleintiere und holzabbauende Pilze.

Waldbesitzer Erich Hächler aus Rikon ist nochmals glimpflich davongekommen. Bei ihm habe es etwa 20 Kubikmeter in Form von vereinzelten Bäumen hier und dort genommen. Die meisten waren bereits geschwächt; faule Fichten, deren Wurzeln nicht mehr stark genug waren, oder von Pilz befallene Eschen, die sowieso umgetan werden sollten. Und doch kostete der Sturm auch ein paar gesunde Bäume an exponierter Lage; «so kommt halt manchmal noch ein Gesunder mit, der sonst stehengeblieben wäre», erklärt Hächler. Natürlich ist es auch für ihn mehr Aufwand, die vereinzelten Bäume auf seinem Land zusammenzulesen. Was er selber nicht braucht – bei Hächlers heizt und kocht man noch mit Holz – verkauft er in der Region. Seine Fichten und Tannen gehen zum Beispiel an die Sägerei Bachmann in Wila.

Platz für Jungwuchs

Da beim Sturmholz aber die meisten Bäume gespalten sind, kann der untere wertvolle Teil so nicht mehr gebraucht werden. Zersplittertes Holz wird zu Hackschnitzeln verarbeitet und in einer örtlichen Schnitzelheizung verwertet. Auch der Eschenpreis fiel wegen dem Pilz zusammen. Hächler kämpft darum nicht nur mit Kleinmengenzuschlägen für die anfallenden Transporte der wenigen Bäume, sondern auch mit der unvermeidlichen Wertminderung. So holt Hächler mit Traktor, Seilwinde und Schweissarbeit seine Bäume aus dem Wald und meint verschmitzt: «Holz gibt eben ein paarmal warm.» Aber der Sturm habe auch einen Vorteil: Die kranken Bäume werden umgetan und es wird Platz für Jungwuchs geschaffen.

In Saland, im Forstrevier von Jürg Küenzi aus Bauma, hat «Burglind» verheerenden Schaden angerichtet. Auf der Anhöhe zwischen Hittnau und Saland hat der Sturm eine Baumschneise geschlagen und dort allein etwa 200 Kubikmeter Holz gefällt. Küenzi rechnet mit einer Woche Arbeit, um hier aufzuräumen. Das Waldstück wurde laut Küenzi erst 2016 komplett durchforstet und es sollte für die nächsten zehn Jahre eigentlich nicht mehr eingegriffen werden. «Burglind» hat somit einen gros-sen Haufen Forstarbeit einfach zunichte gemacht.

Liegenlassen kann man den Grossteil des Holzes nicht nur wegen der Schädlingsgefahr nicht. «Holz ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, der unbedingt verwertet werden sollte», sagt Küenzi. Auch sind die Waldbesitzer Arbeitgeber. Für Küenzi ist es wichtig, regionale Forstbetriebe zu beschäftigen: «So kommen die Forstunternehmer aus den Gemeinden zu Arbeit und bleiben hier. In Notsituationen, wie zum Beispiel eben dieser, nach einem grossen Sturm, lauft man dann nicht Gefahr, keinen zu finden, der die Arbeit verrichten kann.» So kommt schlussendlich auch dieses Holz normal auf den Markt – der Absatz ist ja vorhanden. In der Regel vermittelt Küenzi das Holz an einen Holzvermarkter mit Kontakt zu allen Sägereien in der Schweiz und auch einigen in Österreich und Italien. Dank dessen Dienstleistung kann für das Holz der beste Preis erlangt werden. Teile des Sturmholzes gehen auch zum Schwachholzverarbeiter Schilliger Holz AG, der Holz aus der ganzen Schweiz hauptsächlich für die Bau- und Verpackungsindustrie in der Schweiz verwertet, seine Holzprodukte aber auch bis nach Asien und den mittleren Osten exportiert.

Wiederaufforstung und Waldpflege sind wichtig

Die Arbeit ist gefährlich, der Holzschlag kann nur bedingt koordiniert werden und die Männer sind gezwungen, den Wald jetzt aufzuräumen, ob es passt oder nicht. Jede Situation muss individuell und fachmännisch beurteilt werden. Sicheres Arbeiten mit Sturmholz ist aufwendig und kostet mehr als die «normale» Holzernte – nur schon um sorgfältig das beschädigte vom qualitativ hochwertigen Holz zu trennen. Auch wenn die Räumungsarbeiten getan sind, werden Wiederaufforstung und Waldpflegemassnahmen die Forstdienste also noch einige Jahre beschäftigen.

Mit jährlich fünf Millionen Kubikmeter Holzernte wird in der Schweiz gerade die Hälfte des nachgewachsenen Holzes geerntet. Diese Ernte liesse sich laut WaldSchweiz durch nachhaltige Waldbewirtschaftung sogar um zwei bis drei Millionen Kubikmeter erweitern. Das bedeutet, der Schweizer Wald ist momentan unternutzt und der potentielle Holzvorrat wächst an. Die Bestände werden älter und somit auch instabiler, anfälliger auf Schadensereignisse. Damit der Wald seine erwartete Leistung also optimal erbringen kann, braucht es eine aktive Bewirtschaftung und Pflege. Nicht nur weil ein Waldspaziergang etwas Schönes ist – richtig genutzt, zum Beispiel als Ersatz für andere Ressourcen wie Beton, Erdöl oder Erdgas, ist Holz dank seiner guten CO2-Bilanz einer der klimafreundlichsten Rohstoffe und Energielieferanten der Schweiz.

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