Hoffen auf ein glückliches Ende der unendlichen Geschichte

Seit dem Kauf durch die Gemeinde im Jahre 1990 gab es bisher viele Ideen zur kulturellen Nutzung der Schlossguet-Scheune in Turbenthal. Am Samstag wurde nun ein Projekt präsentiert, dessen Chancen auf Annahme durch die Bevölkerung intakt sind.

Die Sonne strahlte mit Hausi Leutenegger um die Wette und der Anlass gestaltete sich zusehends zu einem Volksfest. Die Kommission Schlossguet wählte zur Vorstellung ihrer Pläne für die künftige Nutzung des traditionsreichen Gebäudes den perfekten Tag. Neben dem prominenten und beliebten Ur-Tösstaler Leutenegger liess es sich eine grosse Besucherschar nicht nehmen, das Projekt an Ort und Stelle kennenzulernen. Zu den geladenen Gästen gehörte auch eine grosse Zahl Personen aus politischen Ämtern, gut möglich, dass sich dieser Schachzug in Form von gezeigtem Wohlwollen gegenüber dem Vorhaben dereinst auszahlen wird. Das Rahmenprogramm bildeten Auftritte der Harmonie Turbenthal und ein musikalischer Gruss der Chorgemeinschaft Landenberg.

Bewegte Geschichte

Gemeinderat Markus Küng ist Präsident der Kommission Schlossguet Turbenthal. Anhand anschaulicher Grafiken lernten die Besucher von ihm die Geschichte und möglicherweise die Zukunft der Schlossscheune kennen. Das Gebäude besteht in der jetzigen Grösse seit dem Jahre 1843 und wurde 1990 durch die Gemeinde Turbenthal erworben. Der erfreuliche Beitrag von 600’000 Franken des Kantons war verbunden mit der Unterschutzstellung der Immobilie, was sich bis in die heutige Zeit erschwerend auf Umbaupläne auswirkt. Weitere Kosten entstanden in den Neunzigerjahren durch die Renovation der eingebauten Wohnung sowie der Sanierung des Daches.

Schon beim Kauf war die Nutzung der Scheune als Ortsmuseum, als Ort für kulturelle Veranstaltungen und als Begegnungsstätte geplant, doch ein erstes seriös erarbeitetes Konzept scheiterte 2004 an den Kosten – die darin eingebundenen Nachbargemeinden stiegen aus. Drei Jahre später lehnte die Gemeindeversammlung einen Antrag zum Verkauf der Immobilie ab, womit der ursprüngliche Nutzungsgedanke weiterverfolgt werden konnte. Einige weitere Versuche zur Umnutzung scheiterten, bis der Gemeinderat im Jahr 2013 dem Museumsberatungsbüro «Samy Bill» den Auftrag zur Erarbeitung eines Businessplanes erteilte. Auf der Grundlage dieses Planes nahm sich dann im Sommer 2016 Markus Küng der Aufgabe an, mit dem Ziel, bis Ende 2017 eine Entscheidung erwirkt zu haben. Verschiedene Umstände machten der erstellten Terminplanung einen Strich durch die Rechnung, aus heutiger Sicht auch so etwas wie eine Verkettung glücklicher Umstände. 

Zunächst warf Gabriela Pfaffenbichler, Präsidentin der Primarschule Turbenthal, die Idee in die Runde, die Gemeinde- und Schulbibliothek in das Projekt Schlossguet einzubinden. In der Folge machte sich Skepsis breit, angesichts der zu erwartenden Kosten, der Auflagen der Denkmalpflege oder auch über mangelnde Platzverhältnisse. 

Die Wende kam vor einem Jahr

Schon mehrmals fanden Treffen statt mit Vertretern der Denkmalpflege. Doch die Erweiterung des Vorhabens um die Aufnahme der Bibliothek veranlasste Markus Küng, Emanuelle Urban als Vertreterin der Denkmalpflege ein weiteres Mal zu einer Begehung einzuladen. Er erlebte dabei eine Überraschung: Ein plötzliches Entgegenkommen Urbans, mehr noch, Küng glaubte schon beinahe, in ihr so etwas wie Begeisterung für die Idee zu spüren. Motivation genug, um das Projekt noch energischer voranzutreiben, ein Unterfangen, welches mit der Durchführung des Tages der offenen Tür am letzten Wochenende seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Was die Kommission den zahlreichen Interessierten zeigen konnte, ist ein ausgereifter Umbau- und Umgestaltungsplan, der im Wesentlichen drei Ziele verfolgt. Die sanierte Scheune soll Platz bieten für ein Kulturzentrum, ein Infozentrum für das Tösstal (vom Ortsmuseum zum regionalen Infozentrum) sowie für die Gemeinde- und Schulbibliothek. Eine Computeranimation visualisierte sehr eindrucksvoll, wie sich die Schlossscheune nach ihrer Fertigstellung präsentieren würde. Sämtliche Räu-me waren anschliessend zur Besichtigung freigegeben und an neuralgischen Stellen standen Fachleute für nähere Beschreibungen bereit.

Und die Kosten?

Selbstverständlich verursachen solche Projekte auch entsprechende Investitionskosten. Berechnungen der Initianten zufolge würden diese auf 7,5 Millionen Franken zu stehen kommen, könnten sich aber möglicherweise schon bald wesentlich verringern. Die Hoffnungen liegen in einem Gesuch, welches zu Beginn dieses Jahres an den Lotteriefonds gestellt wurde, sich an den Kosten mit einem Betrag von drei Millionen Franken zu beteiligen. Der Fonds beschreibt sich auf seiner Homepage folgendermassen: «Im Lotteriefonds verwaltet die Finanzdirektion die Gewinnanteile von Swisslos, die dem Kanton Zürich zustehen. Aus dem Fonds können vor allem Beiträge für kulturell oder sozial tätige, nicht gewinnorientierte, gemeinnützige Organisationen gesprochen werden, wenn diese einmalige, langfristig wirksame und mindestens regional bedeutsame Projekte haben».

Es scheint also, die Hoffnungen der Kommission Schlossguet seien nicht unberechtigt und man geht davon aus, in den Monaten Mai oder Juni eine Antwort auf das gestellte Gesuch zu erhalten. Wenn sich die Erwartungen der Initianten erfüllen, blieben der Gemeinde neben den zu erwartenden Betriebskosten noch Investitionskosten von 4,5 Millionen zur Übernahme. Es sei denn natürlich, es würden sich noch Investoren für das Vorhaben begeistern. Markus Küng rechnet damit, bis Ende Jahr oder Anfangs des kommenden Jahres eine Vorlage zur Abstimmung zu bringen. Eine kurze, nicht repräsentative Umfrage des «Tößthalers» unter den Gästen ergab dabei schon einmal eine eindeutige Zustimmung für das Projekt.