Hauchdünn gegen Ausgliederung

Der Ausgliederungserlass für das Haus Geeren wurde abgelehnt, mit sechs Stimmen Differenz allerdings nur sehr knapp (Foto: Archiv tth)

Das Haus Geeren darf nicht ausgegliedert werden. Der Antrag des Gemeinderats verpasste am Sonntag ein Ja um sieben Stimmen. Somit muss sich nun der neu konstituierte Gemeinderat mit dem Geschäft weiterbefassen.

Bereits im Vorfeld ist der Ausgliederungserlass des Alters- und Pflegeheims Haus Geeren in Fischenthal rege diskutiert worden. Selbst an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Freitag wurde die Abstimmungsvorlage von einem Fischenthaler zur Sprache gebracht, was dann aber schnell wieder unterbrochen wurde. An die Informationsveranstaltung zur Abstimmungsvorlage Mitte Mai kamen dennoch nur knapp 50 Besucher. Äusserst knapp fiel dann auch das Abstimmungsergebnis vorgestern Sonntag aus. Die Ja- und die Nein-Stimmen wiesen eine Differenz von nur sechs Stimmen auf. Total sind 529 Stimmzettel eingegangen, 17 davon leer. 253 waren für den Ausgliederungserlass, 259 dagegen.

Mit dem Ausgliederungserlass des Alters- und Pflegeheims hätte die Politische Gemeinde die Führung des Hauses Geeren dem Pflegezentrum Bauma per 1. Januar 2019 für 30 Jahre auf eigene Rechnung und eigenes Risiko übertragen. Das Pflegezentrum Bauma führt das Haus Geeren bereits seit Mai 2016 interimistisch. Die Übertragung hätte auch einen Baurechtsvertrag enthalten, der das Baurecht über 30 Jahre eingeräumt hätte. Dazu wird es nun aber nicht kommen.

Gübeli überrascht

Gestern ist der Gemeinderat gemeinsam mit den Verantwortlichen des Pflegezentrums Bauma und einem Ausschuss des Hauses Geeren zusammengesessen. Das Resultat der Gespräche war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Die Sitzung sei bereits im Voraus abgemacht worden, sagte Gemeindepräsident Josef Gübeli (SVP) am Sonntag. «Das Pflegezentrum Bauma hat bereits angetönt, dass der Betrieb wie gehabt weitergeführt werden kann.» Nun müssten aber Verhandlungsgespräche geführt werden. Gübeli selbst wird sich damit nicht mehr gross befassen müssen. Er wird ab der neuen Amtsperiode von Barbara Dillier-Keller (parteilos) ersetzt. «Es tut mir leid für den neu konstituierten Gemeinderat. Wir wollten nicht, dass er sich mit Altlasten beschäftigen muss.»

Er sei sehr überrascht ob des Ergebnisses der Abstimmung. «Die Stimmbeteiligung war sehr schlecht, und jene, die gegen die Ausgliederung waren, gingen offenbar eher an die Urne», sagte Gübeli. «Ich habe nicht erwartet, dass der Ausgliederungserlass abgelehnt wird. Allerdings mussten wir damit rechnen», sagte auch Gemeinderat Herbert Müller (SVP). Das Thema sei sehr emotional. Er habe dennoch gehofft, dass die Vorlage durchkomme.

Auf dem Internet-Bürgerforum Pro Fischenthal ist die Freude über den Ausgang der Abstimmung hingegen gross. «Zum Schluss der Amtsperiode scheitert der abtretende Gemeinderat mit dem Vorschlag, das Haus Geeren zu verschenken», schreibt ein Nutzer anonym. Ein weiterer kommentiert, ebenfalls anonym, dass er den Fischenthalern dazu gratuliere, dass sie diesem Kuhhandel einen Riegel geschoben hätten.

Nicht in andere Hände geben

«Dabei geht es ja nicht um ein Verscherbeln eines Altersheims, sondern darum, dass die Verantwortlichkeit klar geregelt ist», sagte Gübeli. Auch Müller meint: «Diejenigen, die davon gesprochen haben, dass wir das Haus verschenken wollen, haben nicht verstanden, um was es geht.» Gübeli bedauert, dass nur so wenige Fischenthaler an der Informationsveranstaltung im Mai teilgenommen haben. «Hier hätten wir viele Missverständnisse aus dem Weg räumen können.»

Auch Herbert Müller findet es schwierig zu sagen, wieso die Abstimmung so ausgefallen ist. «Das Bauchgefühl der Wähler führte vermutlich dazu. Viele sagten sich wohl, dass das Haus Geeren zu Fischenthal gehört. Sie wollten es nicht in andere Hände geben. Ich denke, bei diesem Entscheid haben Ängste überwogen.»

KIRCHENPFLEGE
Die Fischenthaler wählten am Sonntag ebenfalls den neuen Kirchenpflegepräsidenten und drei von sieben Mitglieder der Kirchenpflege der reformierten Kirche. René Fürst wurde von 176 Stimmberechtigten als Kirchenpflegepräsident gewählt. Als Kirchenpfleger wurden neben René Fürst auch Eduard Diggelmann und Gustav Mahler gewählt.