«Hau ab, du gehörst nicht dazu»

Bei der Gruppenarbeit «Wie merke ich, dass mein Kind gemobbt wird?» (Foto: eve)

10 bis 15 Prozent aller Kinder werden Opfer von Mobbing. Eine erschreckend hohe Zahl, welche Wegschauen unmöglich macht. Die gezielten, systematischen Attacken geschehen regelmässig und treiben das Opfer in eine kaum aushaltbare Enge. Das Elternforum Wila organisierte zu diesem Thema einen Vortrag.

«Irgendwann geht es vorbei, dann lassen sie mich wieder in Ruhe.» Eine optimistische Fehldiagnose, die alles noch schlimmer machen kann und das Leiden unnötig in die Länge zieht. Mobbing und Cybermobbing kann jeden treffen. Umso wichtiger ist es, über dieses Thema zu informieren und Eltern sowie Lehrpersonen zu sensibilisieren.

Aus etwa zehn möglichen Themen wurde «Mobbing unter Kindern» vom jungen Vorstand des Elternforums Wila ausgewählt und über die Bildungsdirektion die passende Referentin gefunden. Christelle Schläpfer, eine ehemalige Gymnasiallehrerin und Mutter einer 14-jährigen Tochter, verabschiedete sich 2011 von ihrem Lehrerberuf und widmete sich ganz der Elternbildung. Als Geschäftsführerin von edufamily reist sie durch die ganze Schweiz. In ihren Vorträgen und Workshops greift sie die Themen auf, die Eltern und Lehrpersonen beschäftigen. Dass Mobbing auch im idyllischen Tösstal ein Thema ist, zeigte sich an den etwa 40 interessierten BesucherInnen des kostenlosen Vortrags im Singsaal des Schulhauses Eichhalde in Wila.

Mobbing schon im Kindergarten

Mobbing und Cybermobbing sind in der heutigen Zeit ein grosses Problem. Bereits im Kindergarten kann Mobbing beobachtet werden. Davon betroffen sind immer ganze Gruppen. Diese bestehen aus Tätern, Opfern, Zuschauern und Mitläufern. Sie alle sind Teil des Mobbings. Christelle Schläpfer betonte ausdrücklich, dass Zuschauer, die nichts tun, ebenfalls mitmachen und so den Täter unbewusst unterstützen. Im Gegensatz zu Konflikten, welche immer zwei Parteien betreffen, ist Mobbing ein Gruppenphänomen. Eine Person wird gezielt unterdrückt, klein gemacht und ausgeschlossen. Immer wieder, täglich aufs Neue. Cybermobbing geschieht sogar rund um die Uhr. Die neuen Medien machen eine permanente Belästigung möglich und sind für das Opfer kaum zu ertragen. Durch die Asch-Experimente (siehe Box) weiss man, dass der Mensch dazugehören möchte. Er leidet, wenn er nicht akzeptiert und ausgeschlossen wird. Mit diesem Hintergrundwissen entwickelt man Verständnis für die harte Aussage: Mobbing kann Leben ruinieren.

Mobbing macht krank

Aber wie können Eltern merken, dass ihr Kind gemobbt wird? In Gruppenarbeiten wurden Anzeichen für Mobbing unter Kindern gesucht – und haufenweise gefunden. Nicht alle betroffenen Kinder sprechen mit ihren Eltern darüber. Oftmals leiden sie im Stillen und vertrauen sich aus Angst, dass es noch schlimmer werden könnte, niemandem an. Umso wichtiger ist es, die Eltern über die möglichen Anzeichen zu informieren, damit diese Veränderungen bei ihrem Kind mit dem nötigen Feingefühl wahrnehmen und handeln können.

Bettnässen, schlechte Schulnoten, Isolation, Essstörungen, Angstzustände – die Auswahl an möglichen Beschwerden ist riesig. Schläpfer zeigte in ihrem Vortrag den richtigen Weg des Hilfe-suchen und betonte mehrmals, dass man nicht direkt auf den Täter, die Täterin zugehen soll. Gruppenkonflikte müssen in der Gruppe gelöst werden. Die Lehrperson ist deshalb die richtige Anlaufstelle. Weitere Schritte werden dann von LehrerIn und Schule in die Wege geleitet. So kann dem Opfer fachmännisch geholfen werden, ohne die Situation noch zu verschlimmern.

Bei den vielen Informationen, die man durch den Vortrag erhielt, bleibt eines sicher: Kinder, die Mobbing erleben, gehen durch die Hölle und brauchen dringend die Hilfe von Erwachsenen. Mit der Organisation des Vortrages hat das Elternforum Wila einen wichtigen Schritt in der Prävention geleistet.

 

Asch-Experimente
Das Konformitätsexperiment von Asch, 1951 von Solomon Asch veröffentlicht, ist eine Studienreihe, die zeigte, wie Gruppenzwang eine Person so zu beeinflussen vermag, dass sie eine offensichtlich falsche Aussage als richtig bewertet.